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"Für die Nachfolge von Blaise Compaoré ist gesorgt"

Länder: Burkina Faso

Tags: Blaise

Was wäre wenn Blaise Compaoré 2015 sein Amt abgeben müsste? Der Journalist Francis Kpatindé, der auf Westafrika spezialisiert ist, erklärt, welche Auswirkungen das Abtreten des Präsidenten von Burkina Faso auf die Region haben könnte.

ARTE Journal: Wie könnte ein Burkina Faso ohne Blaise Compaoré aussehen? Welche Auswirkungen hätte sein Abtreten auf die Region?

Ein eventueller Rücktritt von Compaoré würde Westafrika nicht destabilisieren, sondern der Region nach den Krisen in Mali und Elfenbeinküste weitere schwere Turbulenzen ersparen. 

 

Francis Kpatindé: Da möchte ich Barack Obama zitieren: "Afrika braucht keine starken Männer, es braucht starke Institutionen". Blaise Compaoré hat alles getan, um die Stabilität des eigenen Landes zu bewahren, er hat dafür sogar die Instabilität in die Nachbarländer exportiert. Man hört es nicht allzu oft, aber Blaise Compaoré ist wohl als Vermittler in mehreren afrikanischen Krisen aufgetreten, war aber tatsächlich auch selbst ein Brandstifter. Das zeigt seine Rolle bei den Krisen in Liberia, Sierra Leone und Elfenbeinküste.

Seine Nachfolger werden Mühe haben, das Misstrauen auszuräumen, das zahlreiche afrikanische Staatschefs gegen Blaise Compaoré hegen. In Burkina Faso selbst würde sein Abtreten ganz neue Perspektiven eröffnen und wäre eine echte Chance, den politischen Pluralismus zu verankern. Dass das möglich ist, zeigen Länder wie der Senegal, Kap Verde, Benin oder Ghana, in denen es inzwischen auch friedliche Machtwechsel gibt.

Ein eventueller Rücktritt von Compaoré würde Westafrika nicht destabilisieren, sondern der Region nach den Krisen in Mali und Elfenbeinküste weitere schwere Turbulenzen ersparen. Blaise Compaoré sollte - wie vor ihm die Präsidenten Léopold Sédar Senghor (Senegal), Julius Nyerere (Tansania), Alpha Oumar Konaré (Mali) oder John Kufuor (Ghana) – allen afrikanischen Führern, die versucht sind, sich an die Macht zu klammern, mit gutem Beispiel vorangehen.
 
 
Gibt es in Burkina Faso eine Alternative zu Compaoré, eine regierungsfähige Opposition?

Die wichtigsten Oppositionsführer haben verantwortungsvolle Posten im In- und Ausland bekleidet. Sie wissen genau, wie der Staat funktioniert.

 

Francis Kpatindé: Das Gegenteil anzunehmen wäre eine Beleidigung für ein ganzes Land. Die wichtigsten Oppositionsführer haben verantwortungsvolle Posten im In- und Ausland bekleidet. Sie wissen genau, wie der Staat funktioniert, und gelten nicht als gefährliche Linksextreme.

Der Chef der parlamentarischen Opposition, Zéphirin Diabré, war mehrmals Minister, unter anderem für Wirtschaft und für Finanzen. Er war auch Stellvertretender Leiter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen in New York, sowie Direktor für Afrika und den Nahen Osten beim Atomkonzern Areva in Frankreich.

Ein anderer Oppositionspolitiker, Roch Marc Christian Kaboré war Regierungschef und Parlamentspräsident. Ein dritter,  Ablassé Ouédraogo, war Außenminister, bevor er Stellvertretender Generaldirektor der Welthandelsorganisation in Genf wurde. Bénéwendé Stanislas Sankara, seinerseits, ist Anwalt und Parlamentsabgeordneter. Man darf getrost sagen, für die Nachfolge von Blaise Compaoré ist gesorgt. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016