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Früherer Bundespräsident Walter Scheel ist tot

Länder: Deutschland

Tags: Nachruf, FDP

Der frühere Bundespräsident Walter Scheel ist im Alter von 97 Jahren gestorben. 

Walter Scheel gehörte zu den prägenden deutschen Persönlichkeiten der 70er Jahre. Der FDP-Politiker war von 1961 bis 1966 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, von 1969 bis 1974 Außenminister und von 1974 bis 1979 der vierte Bundespräsident der Bundesrepublik. Der Liberale galt als ein Wegbereiter der sozialliberalen Koalition mit der SPD und als Verfechter einer Ostpolitik, die inmitten des Kalten Krieges auf eine Annäherung an die Länder des Ostblocks setzte. 

 

Die deutsche Politik ehrt Scheel

Mit ihm verlieren wir einen hochgeschätzten Bundespräsidenten und einen Politiker, der die Geschicke unseres Landes viele Jahre in besonderer Weise mitgestaltet hat."

Bundespräsident Joachim Gauck

"Unser Land und wir haben ihm viel zu verdanken", erklärte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner über den Kurznachrichtendienst Twitter. Ohne Scheel hätte es eine "neue Ostpolitik und mehr gesellschaftliche Liberalität nie gegeben".

"Mit ihm verlieren wir einen hochgeschätzten Bundespräsidenten und einen Politiker, der die Geschicke unseres Landes viele Jahre in besonderer Weise mitgestaltet hat", erklärte Amtsinhaber Joachim Gauck. Scheel habe in seinen öffentlichen Ämtern Großes geleistet, würdigte Gauck die Verdienste seines Vorgängers in einem Kondolenzschreiben an die Frau des Ex-Bundespräsidenten Barbara Scheel. "Die Einigung Europas voranzutreiben, lag ihm besonders am Herzen." Mit seiner Ost- und Europapolitik habe er sich "bleibende Verdienste für die Verständigung und Versöhnung auf unserem Kontinent erworben".

Kanzlerin Angela Merkel sagte bei einem Besuch in der estnischen Hauptstadt Tallinn, Scheel "war ein überaus populärer Bundespräsident, der viele Menschen beeindruckt hat".

 

Scheels Leben

Scheel wurde am 8. Juli 1919 als Sohn eines Stellmachers in Solingen geboren. Nach dem Abitur im Jahr 1938 absolvierte er eine Banklehre. Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Scheel in die Wehrmacht eingezogen. Bis Kriegsende war er unter anderem in Frankreich und Russland im Einsatz, zuletzt als Oberleutnant der Luftwaffe. Im Krieg wurde er mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse ausgezeichnet.

Nach dem Krieg begann Scheel im Jahr 1946 seine politische Karriere bei der FDP, zunächst als Stadtverordneter in Solingen, später als Abgeordneter im Landtag von Nordrhein-Westfalen. 1953 zog Scheel erstmals als Abgeordneter in den Bundestag ein, dem er bis 1974 angehörte. Parallel war er von 1958 bis 1961 Mitglied des Europaparlaments. 

Von 1974 bis 1979 war Scheel der vierte Bundespräsident der Bundesrepublik. Nach Theodor Heuss hatte Scheel als zweiter Vertreter der FDP das höchste Amt im Staate inne. Von einer Kandidatur für eine weitere Amtszeit sah der Liberale 1979 ab, da sich keine Mehrheit für ihn abzeichnete. Im gleichen Jahr wurde er zum Ehrenvorsitzenden der FDP ernannt. 

Seit 2009 lebte Scheel, Vater von vier Kindern, mit seiner dritten Ehefrau Barbara in Bad Krozingen bei Freiburg.

Zuletzt geändert am 24. August 2016