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„Friskols“ - Der Flop des schwedischen Bildungsmodells

Länder: Schweden

Tags: Friskol, Schulsystem

Die Reportage der Woche führt Vox Pop nach Schweden, wo die „Friskols“ die Schullandschaft revolutioniert haben. Nach dem Konkurs einiger dieser wie Unternehmen geführten Privatschulen stehen diese nun in der Kritik.

Steht das „Schwedische Modell“ vor dem Aus? Diese Privatschulen kamen die Schweden teuer zu stehen, obwohl das skandinavische Schulsystem lange als eines der fortschrittlichsten galt. Doch das Land des Nobelpreises zählt nicht mehr zu den Musterschülern.
 

Die Schule als Unternehmen

 

Anfang der 90er reformierte Schweden sein Schulsystem und führte sogenannte „Friskols“ ein: Privatschulen, aber ohne Schulgebühren. Das funktioniert, indem der Staat die Schulbildung jedes Schülers über Bildungsschecks finanziert, die direkt an die Schule gehen. Alle schwedischen Familien – besserverdienend oder benachteiligt – können dieses System nutzen. Die Friskols werden von Unternehmen, Stiftungen oder Organisationen geführt und die Lehrer direkt von der Schule angestellt.
 

Damit ist Schweden das erste Land in Europa, das dieses Modell erprobte. Mit den Friskols sollen Eltern eine größere Auswahl an Schulen haben. Dabei stehen den Familien unterschiedliche Ausrichtungen zur Auswahl: von alternativer Pädagogik bis zu religiöser Erziehung. Das bringt die öffentlichen Schulen in direkte Konkurrenz zu den Friskols. Um keine Schüler und damit Subventionen zu verlieren, sind die öffentlichen Schulen gezwungen, ihre Unterrichtsqualität ständig zu verbessern. Heute ist ein Viertel aller weiterführenden Schulen privat, und die Hälfte davon gehört Unternehmen.

 

Der Musterschüler Schweden schneidet schlecht ab           

 

Das schwedische Schulsystem war lange Zeit sehr erfolgreich und zählte zu den besten in Europa. Nun aber rutschte das Land in den PISA-Studien  (Programme for International Student Assessment) soweit ab wie noch nie. Seit etwa 12 Jahren sinken die Leistungen stetig, vor allem im Fach Mathematik: Schweden büßte 13 Punkte ein und liegt damit unter dem Durchschnitt der OECD-Länder. Schuld daran ist die Schulreform. Studien haben gezeigt, dass die Friskols aus Spargründen nicht nur weniger, sondern auch geringer qualifizierte Lehrer anstellen. Mehrere Unternehmen mussten in den letzten Jahren Konkurs anmelden, unter anderem die Gesellschaft John Bauer, Eigentümer der dänischen Investmentgruppe Axcel. Sie hinterließ einen Schuldenberg von mehr als 100 Millionen Euro. Von heute auf morgen hatten 11.000 Schüler keine Schule mehr und 1000 Lehrer wurden arbeitslos. Dem Unternehmen zufolge lagen die finanziellen Schwierigkeiten an gesunkenen Schülerzahlen auf der weiterführenden Schule. Heute weist ein Viertel aller schwedischen Schulen ein Defizit aus. Trotz dieser beunruhigenden Bilanz will die Regierung das Friskol-Projekt zur Zeit noch nicht aufgeben. Neuesten Umfragen zufolge äußern sich die Schweden immer noch größtenteils positiv über das System. Doch die kritischen Stimmen derer, die eine Bereicherung der Unternehmen zum Nachteil ihrer Kinder nicht hinnehmen wollen, werden lauter.

Nadine Ayoub

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Zuletzt geändert am 17. Januar 2017