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Friedensnobelpreis geht an Denis Mukwege und Nadia Murad

Länder: Welt

Tags: Denis Mukwege, Nadia Murad, Friedensnobelpreis

Der Friedensnobelpreis 2018 geht an den kongolesischen Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad. Das gab das norwegische Nobelkomitee in Oslo bekannt.

Der Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr an zwei Kämpfer gegen sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten verliehen. Die Auszeichnung gehe an den kongolesischen Gynäkologen Denis Mukwege und die jesidische Aktivistin Nadia Murad, verkündete die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen, am Freitag in Oslo. Beide würden geehrt "für ihre Anstrengungen, der sexuellen Gewalt als Kriegswaffe ein Ende zu bereiten".

"Denis Mukwege und Nadia Murad haben beide ihr eigenes Leben riskiert, indem sie mutig gegen Kriegsverbrechen kämpfen und Gerechtigkeit für die Opfer fordern", erklärte Reiss-Andersen. Eine friedlichere Welt könne es nur geben, "wenn die Frauen, ihre Sicherheit und Grundrechte in Kriegszeiten anerkannt und geschützt werden", fügte sie hinzu.

Hier die offzielle Ankündigung:

 

 

Die heute 25-jährige Murad war im August 2014 im Irak von Kämpfern der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verschleppt und versklavt worden. Ihr gelang nach drei Monaten mit Hilfe einer Nachbarsfamilie die Flucht. Sie wurde in Baden-Württemberg aufgenommen und setzt sich heute als UN-Sonderbotschafterin für die Rechte der Opfer von Menschenhandel ein. 2016 erhielt sie den Sacharow-Preis des Europaparlaments.

Der 63-jährige Arzt Mukwege aus dem Kongo betreut seit Jahren Frauen, die während des Bürgerkriegs in dem afrikanischen Land Opfer von Gruppenvergewaltigungen wurden. Im Kongo vergehe kaum ein Tag ohne menschliche Dramen, so der Arzt. Schwangeren Frauen werde der Bauch aufgeschlitzt, ihre ungeborenen Kinder würden zerstümmelt. Insgesamt seien im Kongo mehrere hunderttausend Frauen vergewaltigt worden.

 

Denis Mukwege und sein immerwährender Kampf für die Frauen

400.000 Frauen werden im Kongo jedes Jahr vergewaltigt – vor allem durch Milizionäre in den vom Bürgerkrieg verheerten Regionen des Landes. Körperlich verletzt und seelisch traumatisiert finden einige der Frauen Zuflucht in den Räumen der Panzi-Stiftung, gegründet von einem Arzt, Dr. Mukwege, er operiert ihre Wunden. Seit 3 Jahren arbeitet für die Stiftung auch eine dreifache Karate-Weltmeisterin, Laurence Fischer: Sie bringt den Frauen bei, sich gegen die Gewalt der Männer zu verteidigen. In den Karate-Kursen begegnen sich die Frauen auf Augenhöhe, sie reden in vertrauter Atmosphäre über ihre Verletzungen, über ihre Trauer und über ihre Pläne für ihr Leben danach.
 

RDC : le karaté pour se reconstruire
Kongo: Karate gegen Gewalt In der Demokratischen Republik Kongo lernen Frauen, sich mit Karate gegen Vergewaltiger zu wehren…  Kongo: Karate gegen Gewalt

von Katia Clarens, Thomas Nicolon, Bastien Renouil, Nicolas Combalbert und Xavier Gaillar – ARTE GEIE / Bew TV – Frankreich 2017

 

 
Mukwege und Murad- Bereits Preisträger des Sacharow-Menschenrechtspreises

Denis Mukwege erhielt 2014 bereits den Sacharow-Menschenrechtspreises. Das Europaparlament zeichnete den Frauenarzt schon damals für über 30 Jahre Einsatz für Opfer sexueller Gewalt ausgezeichnet. Parlamentspräsident Martin Schulz sagte bei der Preisverleihung, Mukwege habe sein Leben dem Kampf für Frieden und Gerechtigkeit gewidmet. "Anstatt wegzusehen, sind Sie zu einem furchtlosen Mann geworden, der das Leid zahlloser Frauen und Mädchen gelindert hat". Frank Dürr hat ihn getroffen. 

 

Sacharow-Preis: Ein Arzt für Vergewaltigungsopfer

 

Auch Nadja Murad wurde bereits mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Gemeinsam mit der Jesidin Lamija Adschi Baschar nahm sie 2016 den renommierten Preis entgegen. Zwei außergewöhnliche junge Frauen, denen die Flucht aus der Gefangenschaft der Terrororganisation "Islamischer Staat" geglückt ist. Wobei "geglückt" das falsche Wort ist, denn beide haben große Opfer bringen müssen, um zu entkommen. Mit ihrer Flucht und ihrem Kampf für die Jesiden sind sie zu Botschafterinnen der christlichen Minderheit im Nord-Irak und Syrien geworden.

 

Das Verbrechen des IS am jesidischen Volk

Versklavt und vergewaltigt

Die beiden Frauen Nadia Murad und Lamija Adschi Baschar verbindet eine furchtbare Geschichte. Sie befanden sich im Irak in Gefangenschaft des IS, wurden vergewaltigt, mussten ansehen, wie Verwandte vor ihnen ermordet wurden, flohen und kamen in Deutschland an. Heute wohnen die beiden in Baden-Württemberg. 

Einst lebten sie in einem Dorf im Nordirak und gingen dort zur Schule. Murad hat einmal berichtet, dass sie eigentlich in einem Schönheitssalon arbeiten wollte. Doch im August 2014 kam alles anders. Ihr Heimatdorf wurde von IS-Terroristen überfallen. Denn die extremistischen Sunniten hassen die Jesiden, in ihre Augen sind sie "Teufelsanbeter". Die IS-Milizen töteten die Männer und viele ältere Frauen. Bei dem Angriff kamen auch Murads Mutter und ihre sechs Brüder ums Leben. Die sechs Schwestern von Adschi Baschar wurden - wie sie selbst - versklavt.

 

Ihr Einsatz gegen die Gräueltaten des IS

Nach drei Monaten Gefangenschaft gelang es Murad, dem IS zu entfliehen. Seitdem reist sie um die Welt reist, um auf das Leid der noch immer tausenden jesidischen Frauen und Kinder in den Fängen der islamistischen Fanatiker aufmerksam zu machen. Der Europarat würdigte Nadia Murad am 10. Oktober 2016 mit dem Václav-Havel-Menschenrechtspreis. 

Mindestens genauso ergreifend ist das Schicksal der fünf Jahre jüngeren Lamija Adschi Baschar. Mehrere Male versuchte sie zu fliehen, schaffte es aber nicht. Als sie dann im Frühjahr 2016 mit einer Freundin endlich den Terroristen entkam und dachte, sie hätte es geschafft, passierte ein großes Unglück. Ihre Freundin trat auf eine Mine und starb. Lamija Adschi Baschar überlebte mit schwersten Verbrennungen im Gesicht.

 

Am 19. September 2016 sprach Nadia Murad vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Hier ihre Rede auf Englisch:

 

Der Arzt Mukwege und die vom Vergewaltigungsopfer zur Aktivistin gewordene Murad stehen für den Kampf gegen eine weltweite Plage, die weit über einzelne bewaffnete Konflikte hinausreicht, wie die #MeToo-Bewegung gezeigt hat.

Zuletzt geändert am 5. Oktober 2018