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Vom Kriegsminister zum Friedenspräsidenten

Länder: Schweden

Tags: Friedensnobelpreis, Auszeichnung, Santos

Friedensnobelpreis für Friedensvetrag: Die Auszeichnung geht dieses Jahr an Kolumbiens Präsidenten Juan Manuel Santos. Als Begründung nannte das Komittee das Friedensabkommen, das er nach jahrzehntelangem Konflikt mit den Farc-Rebellen verhandelte - auch wenn die Kolumbianer den Vetrag in einem Referendum ablehnten.

Juan Manuel Santos : la paix à n'importe quel prix
Juan Manuel Santos gewinnt den Friedensnobelpreis Juan Manuel Santos gewinnt den Friedensnobelpreis Juan Manuel Santos gewinnt den Friedensnobelpreis
Auszeichnung trotz Niederlage

Er erhält die Auszeichnung für seine entschlossenen Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden, gab das norwegische Nobelkomitee bekannt. Bei der Volksabstimmung über den Friedensvertrag mit den «Revolutionären Streitkräften Kolumbiens» («Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia» - Farc) erlitt Santos allerdings eine herbe Niederlage, 50,2 Prozent stimmten dagegen.

 

Der umstrittene Friedensvertrag

Das Referendum ist nicht verbindlich.

Christophe Ventura

"Kolumbien wird jetzt zu einer unbekannten Zone", so Poliktikwissenschaftler Christophe Ventura nach dem "Nein" der Kolumbianischen Bevölkerung zum Friedensvertrag. "Wenn das Abkommen scheitert, werden die Konsequenzen für Kolumbien dramatisch sein, denn die einzige Alternative zum Frieden ist Krieg. Der einzige positive Aspekt ist, dass niemand das Abkommen vollkommen ablehnt, auch nicht jene, die dagegen gestimmt haben." Das Referendum ist allerings nicht verbindlich und der Staat kann das Friedensabkommen durchsetzen ohne Rücksicht auf das Ergebnis der Volksabstimmung.

Der Friedensnobelpreis stärkt ihm nun den Rücken, doch noch ein Abkommen zu erzielen. Den Gegnern sind vor allem die Strafnachlässe ein Dorn im Auge - und dass sich für Verbrechen verantwortliche Guerilleros demnächst zur Wahl stellen können. Die marxistisch orientierten Farc wollen ihre Ziele künftig auf legalem politischen Wege erreichen. 

 

Die Erklärung der FARC-Rebellen (auf Spanisch):

 

 

Santos' Alleingang

Santos gehörte als Handels- und Finanzminister verschiedenen Regierungen an. Unter Präsident Álvaro Uribe war er als Verteidigungsminister für eine Militäroffensive gegen die Farc verantwortlich. Bei den Präsidentenwahl 2010 präsentierte er sich als Erbe seines politischen Ziehvaters Uribe. Als er dann aber 2012 die Friedensgespräche mit den Farc einleitete, überwarf er sich mit dem konservativen Hardliner, der zum erbitterten Gegner des Abkommens mit der Farc wurde - und mit seinern «No»-Kampagne siegte. Nun muss Santos auch mit dem Uribe-Lager verhandeln. 

In dem 52 Jahre andauernden Konflikten kam es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Rebellen und rechten Paramilitärs. Seit den 1960er Jahren kamen bis zu 260.000 Menschen ums Leben, 6,9 Millionen weitere wurden vertrieben. 

"Der Beginn einer neuen Ära": Die Verhandlungen zum Friedensvertrag hier im Überblick.

Zuletzt geändert am 7. Oktober 2016