"French Bashing" in der britischen Presse

Länder: Frankreich, Großbritannien

Tags: François Hollande, David Cameron

Zum Besuch des französischen Staatspräsidenten François Hollande bei Premier David Cameron in London dürfte es in der britischen Presse wieder Exzesse des French Bashing geben, des Franzosen verkloppens. Schon seit Monaten ziehen die Londoner Blätter mit giftiger Tinte über die desolate Wirtschaftslage der Grande Nation her, deren weiter schwindenden Glanz sie mit diebischer Freude beobachten. Solche Animositäten - beiderseits des Ärmelkanals - haben Tradition.

Der französische Schriftsteller und Humorist Alphonse Allais war für seine spitze Feder bekannt, besonders wenn er über das Verhältnis zu den Nachbarn auf der anderen Seite des Ärmelkanals schrieb. "Ich verstehe diese Engländer einfach nicht; wir in Frankreich benennen unsere Straßen und Plätze nach den großen militärischen Siegen, wie Austerlitz oder Wagram. Und die da drüben auf der Insel geben ihnen die Namen der großen Niederlagen – Trafalgar Square, Waterloo Place..."

Die Ironie des Schicksals wollte es, dass sein Grab auf einem Friedhof nördlich von Paris 1944 bei einem Bombardement der Royal Air Force pulverisiert wurde. Franzosen und Engländer haben in ihrer Geschichte selten eine Gelegenheit ausgelassen, dem anderen eins auszuwischen. Und unter der zeitgenössischen Bezeichnung "French bashing" (Franzosen verkloppen) wird die Tradition in England derzeit fortgeführt. Anlass ist die aktuell schwierige Lage in Frankreich – massive Wirtschaftsprobleme, hohe Arbeitslosigkeit und leere Staatskassen. Der Glanz der Grande Nation ist dahin, und darüber freut sich die britische Presse, wie die zahlreichen ätzenden Artikel und Kommentare der letzten Monate verraten.

Der Ursprung der "Erbfeindschaft" liegt aber in der blutigen Geschichte beider Länder. Angefangen beim "Hundertjährigen Krieg" zwischen 1337 und 1453, die Kriege um die Kolonien in Nordamerika oder die Hinrichtung der Johanna von Orleans auf dem Scheiterhaufen. Und hier noch ein paar weitere "Sticheleien" diesseits und jenseits des Ärmelkanals.

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016