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Freispruch für Karikaturist Plantu

Länder: Frankreich

Tags: Karikatur, plantu

Ich zeichne auf einem Bein, eine Feder im Hinterteil, ein Stift in der linken Hand und eine Kalaschnikow in der rechten um mein Territorium zu verteidigen.

Plantu

Er ist der bekannteste politische Karikaturist des Landes, seit 40 Jahren zeichnet er für Le Monde, das Referenzmedium der französischen Tagespresse. Vor Plantus spitzen Feder ist nichts und niemand sicher. Dass das auch für den Papst gilt, hat jetzt das Landgericht in Paris entschieden.
 

Die Zeichnung erschien 2010 zuerst auf der Website von Plantu und dann in der Le Monde. Ein rotes Tuch für die erzkatholische Organisation L'Agrif. Sie hat sich den Kampf "gegen Diskriminierung und für den Respekt der französischen und christlichen Identität" auf die Fahne geschrieben und . L'Agrif verklagte Plantu wegen "Anstiftung zu Hass und religiöser Diskriminierung". Das Pariser Landgericht hat den 63 jährigen Zeichner am 30. September 2014 freigesprochen.

Die umstrittenen Zeichnung zeigt Papst Benedikt XVI beim Analverkehr mit einem Kind, übertitelt mit den Worten : "Pädophilie: der Papst bezieht Stellung". In seiner Begründung räumt das Gericht ein, dass besonders Anhänger der katholische Kirche von der Karikatur schockiert sein können. Es unterstreicht aber gleichzeitig, dass man der Zeichnung nicht unterstellen kann, die Gemeinschaft der Gläubigen oder der Kirchenvertreter im Allgemeinen zu stigmatisieren.

 

Das Gericht zitiert auch das deutsche Justizministerium: Der Zeichner habe hier mit Nachdruck das Schweigen der katholischen Kirche gegenüber den Opfern (pädophiler Kirchenangehöriger Anm.d.R.) anprangern wollen, die unangemessene Reaktion der Kirche angesichts dieser Tragödien, eine Haltung, die das deutsche Justizministerium als "Mauer des Schweigens"‚ bezeichnet habe.

 

Die Persönlichkeitsrechte von Papst Benedikt XVI wurden mit der Karikatur zwar verletzt, auch das stellte das Gericht klar, aber der Vatikan hat zu dieser Affäre geschwiegen. Vielleicht wurde der Kardinal Ratzinger hier besser beraten als im Fall des Titanic Cover: Die deutsche Satirezeitschrift hatte im Juli 2012, mitten in der sogenannten "Vatileaks"-Affäre, auf der Titelseite Papst Benedikt XVI mit einem großen gelben Fleck in Höhe des Schritts und mit den Worten "Die undichte Stelle ist gefunden" abgebildet. Der Vatikan bemühte sich zwar erst um eine einstweilige Verfügung, zog die Anzeige aber kurz vor Prozessbeginn wieder zurück.

 

Auch in Paris geht die Pressefreiheit als Sieger vom Platz. L'Agrif wurde zudem verurteilt, Plantu (der mit bürgerlichem Namen Jean Plantureux heißt) Prozesskosten in Höhe von 2.000 Euro zu ersetzen. Auf französisch ausgesprochen klingt L‘Agrif wie "Die Kralle". An Plantu hat sie sich wohl einen Nagel abgebrochen. Aber dennoch Einspruch gegen das Urteil eingelegt.

 

L'Agrif (L'Alliance générale contre le racisme et pour le respect de l'identité française et chrétienne) ist eine dem traditionellen Christentum verschriebene Organisation, die seit 30 Jahren, nach eigener Darstellung "die Opfer von anti-französischem und antichristlichem Rassismus verteidigt". Die Nähe zum rechtsextremen Milieu weist L'Agrif zwar von sich, Tatsache ist aber, dass in den letzten Jahren zahlreiche Führungspersönlichkeiten der Organisation auch dem rechtsextremen Front National angehörten oder angehört haben. L'Agrif strengt regelmäßig Prozesse gegen Personen, Einrichtungen oder Presseorgane an, darunter die Photographin Bettina Rheims oder die Filmemacher Jean-Luc Godard, Costas Gavras und Martin Scorcese. L'Agrif hat nach eigenen Angaben 6.000 Mitglieder.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016