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Calais: Bulldozer reißen Flüchtlingslager ab

Länder: Frankreich

Tags: Calais

In Calais haben die Behörden am Montagmorgen mit der Räumung des Flüchtlingslagers begonnen. In der nord-französischen Stadt sammeln sich seit Jahren Menschen, die illegal nach Großbritannien gelangen wollen. Derzeit leben dort schätzungsweise 3.450 Migranten unter sehr schwierigen Bedingungen. An der Räumung war ein Großaufgebot der Polizei beteiligt. Carine Feix berichtet. 

Calais : bulldozers en action

 

Am 19. Februar hat die Präfektur des nordfranzösischen Departements Pas-de-Calais den Bewohnern des "Dschungels" ein Ultimatum gestellt: Sie sollten ihre Zelte im südlichen Teil des Lagers abbrechen. Hilfsorganisationen hatten gegen die geplante Räumung protestiert und wollen mit einer einstweiligen Verfügung gegen sie vorgehen. Vergangene Woche hat das Verwaltungsgericht von Lille das Vorgehen der Präfektur jedoch für rechtens erklärt.

Im südlichen Teil des Flüchtlingslagers leben laut den französischen Behörden 800 bis 1.000 Menschen. Diese Zahl wird von den Hilfsorganisationen jedoch auf 3.450 geschätzt. Darunter sollen auch 300 unbegleitete Minderjährige sein. Die Vereinigungen fürchten, eine Räumung des südlichen Lagerabschnitts würde das Problem nur verlagern. Flüchtlinge würden dann in anderen Camps in der Region Zuflucht suchen, sagte Caritas-Mitarbeiter Vincent De Coninck. "Sie haben ihr Vorhaben nicht aufgegeben, nach England zu gelangen". Daher seien die von den Behörden vorgeschlagenen Lösungen "nicht ausreichend".

 

Innenminister will Flüchtlinge "in Sicherheit" bringen

Letztere sehen vor, dass die Flüchtlinge des südlichen Abschnitts in Wohncontainer am Rande des "Dschungels" ziehen. Diese bieten jedoch nur 300 Flüchtlingen Platz. Der Rest soll in Aufnahmezentren in anderen Landesteilen untergebracht werden. Bernard Cazeneuve rechtfertigte die Räumung. Sie finde aus humanitären Gründen statt, sagte der französische Innenminister. Die Flüchtlinge würden nach und nach "in Sicherheit" gebracht. Dabei solle der Dialog mit den Migranten im Zentrum stehen. "Langfristig wird die südliche Zone, die nur noch aus Matsch und Hoffnungslosigkeit besteht, verschwinden", so Cazeneuve.    

 

Calais, ein Dorn im Auge der französischen Behörden

Mit dem Ultimatum wollten die französischen Behörden zeigen, dass sie das Flüchtlingsproblem in Calais in den Griff bekommen können. Das Lager ist ihnen schon lange ein Dorn im Auge, auch deshalb, weil Flüchtlinge von dort aus immer wieder versuchen, auf Fähren oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen.

Zuletzt geändert am 2. März 2017