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Ex-Dolmetscher der französischen Armee in Afghanistan getötet

Länder: Afghanistan

Tags: Taliban, Sprache

Ein ehemaliger afghanischer Dolmetscher der französischen Armee ist bei einem Attentat während der Parlamentswahl in Afghanistan am vergangenen Samstag getötet worden. Nach Angaben des französischen Radiosenders RFI kam Qader Daudzai bei einem Selbstmordanschlag in einem Wahlbüro der Hauptstadt Kabul ums Leben. Vor drei Jahren war Daudzais Visa-Antrag von den französischen Behörden abgewiesen worden. Das galt auch für mehr als 150 weitere Anfragen von Afghanen, die vor dem Abzug der Militärs 2014 für die französische Armee tätig waren.

Zwischen 2001 und 2014 arbeiteten etwa 700 Afghanen in ihrem Heimatland für die französischen Truppen. Doch wer für ausländische Militärs tätig war, wird oft von den radikalislamischen Taliban mit dem Tod bedroht. Viele ehemaligen Mitarbeiter machen auch die schlechte Sicherheitslage in Afghanistan geltend.

Die Parlamentswahl am Samstag wurde von Chaos und Gewalt überschattet. Bei Angriffen etwa der Taliban starben dutzende Menschen. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt.

 

 

ARTE Info hat bereits 2015 über die gefährliche Lage der ehemaligen Dolmetscher in Afghanistan berichtet. Unsere Reportagen dazu können Sie hier noch einmal ansehen. ​

Frankreich: Afghanische Dolmetscher zurückgelassen

Drohbriefe von der Taliban und ein Leben in ständiger Angst: Ehemalige Dolmetscher der französischen Armee in Afghanistan wollen nur noch weg. 2015 lehnte Frankreich trotz der Bedrohung 150 von 252 Visumsanträge von Ex-Dolmetschern ab. Manche haben sich deshalb illegal auf den Weg gemacht.

Des visas pour les traducteurs afghans de l'armée française ?
Afghanische Dolmetscher in Deutschland: Der schwierige Neuanfang

Auch viele ehemalige Mitarbeiter der Bundeswehr in Afghanistan fordern Asyl in Deutschland. Wie der Spiegel Ende September berichtete, demonstrierten rund 150 Afghanen vor dem Bundeswehrlager Camp Marmal bei Masar-i-Scharif, da sie von den Taliban bedroht würden und sich in ihrem Land nicht mehr sicher fühlten. Ihre Anträge auf ein deutsches Visum waren abgelehnt worden, weil laut Verteidigungsministerium keine konkrete individuelle Gefährdung festzustellen war.

Doch auch für jene Dolmetscher, die es nach Deutschland geschafft haben, enden die Probleme nicht: Sie müssen eine Wohnung und einen Job finden und sich um ihre Krankenversicherung kümmern. Ein Netzwerk aus ehrenamtlichen Helfern steht den Flüchtlingen im Alltag unterstützend zur Seite.

En Allemagne, un réseau de parrainage pour les interprètes afghans

 

Zuletzt geändert am 24. Oktober 2018