|

Frankreich: Fillon und Juppé in unterschiedlichen Wirklichkeiten

Länder: Frankreich

Tags: Präsidentschaftswahl, Paris

Die Konservativen, die sich lange als sichere Sieger der Präsidentschaftswahl am 23. April und 7. Mai gesehen hatten, geraten arg in Bedrängnis. Präsidentschaftskandidat François Fillon beschwörte seine Anhänger am Sonntag bei einer Grosskundgebung auf, durchzuhalten. Weggefährten distanzieren sich von ihm. Derweil gibt Alain Juppé am Montagmorgen erneut bekannt, kein Ersatzkandidat zu sein.

Im Machtkampf zwischen dem angeschlagenen französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon und großen Teilen seiner Partei verhärten sich die Fronten. Das Lager des konservativen Ex-Staatschefs Nicolas Sarkozy forderte Fillon am Montag auf, sich zu Gunsten eines anderen Kandidaten zurückzuziehen. 

 

Alain Juppé: "Für mich ist es zu spät"

Alain Juppé wiederholte in Bordeaux am Montagmorgen, dass er nicht für das Präsidentschaftsamt kandidieren werde. "Für mich ist es zu spät," sagte er mit verbitterter Miene. Er sei knappe sieben Wochen vor der Präsidentschaftswahl nicht mehr in der Lage, das konservativ-bürgerliche Lager hinter sich zu vereinen. Außerdem stehe er mit seinen 71 Jahren nicht für die notwendige "Erneuerung".

Zugleich warf der Bürgermeister von Bordeaux, der Fillon bei der Vorwahl der konservativen Republikaner im November klar unterlegen war, seinem Rivalen "Sturheit" vor. Der Präsidentschaftskandidat sei durch seinen Umgang mit der Scheinbeschäftigungsaffäre in einer "Sackgasse" angelangt. Er kritisierte insbesondere Fillons Verteidigungsstrategie, sich als Opfer eines "Komplotts" und eines versuchten "politischen Mordes" darzustellen.

 

Umfragetief und Realitätsverlust

Seine Sieben Wochen vor den Präsidentschaftswahlen drängen im bürgerlichen Lager immer mehr auf seinen Rückzug. Immer mehr Weggefährten distanzieren sich von Fillon und werfen ihm vor, den Bezug zur Realität verloren zu haben. So zum Beispiel die Vertreter der konservativen Jugendorganisation, die den Aufruf Fillons ignoriert haben und stattdessen den Landwirtschaftsmesse besucht haben. 

ARTE Journal berichtet am Sonntag 5. März von Fillons Kundgebung und von der Landwirtschaftsmesse:

François Fillon, lâché par une partie de ses militants
François Fillon François Fillon, Präsidentschaftskandidat der Konservativen, hält sich weiterhin für unersetzbar.  François Fillon

 

Sarkozy strebt für Dienstag ein Treffen mit Fillon und Juppé an, um einen "würdevollen und glaubwürdigen Ausweg" aus der Krise zu finden. Noch am Montagabend wollte die Parteispitze der Republikaner über die Krise beraten.
In Umfragen liegt Fillon derzeit nur noch auf dem dritten Platz und würde es damit nicht in die Stichwahl schaffen. 

Fillon ist wegen der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Ehefrau und zwei seiner Kinder in schwere Bedrängnis geraten: Die Justiz ermittelt wegen der mutmaßlichen Veruntreuung von Staatsgeldern, zahlreiche Parteifreunde haben sich von ihm abgewandt, in Umfragen ist er abgestürzt.

 

Zuletzt geändert am 6. März 2017