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Forscher wieder "auf der Erde"

Länder: Vereinigte Staaten Von Amerika

Tags: Mars

Ein Jahr lang waren sie von ihrem Umfeld größtenteils abgekapselt - im wahrsten Sinne des Wortes. Nun haben die Teilnehmer des NASA-Experiments HI-SEAS IV ihre kuppelförmige "Mars-Station" in der abgelegenen Region am Hang des Vulkans Mauna Loa auf Hawaii am Sonntag verlassen. Das Ziel des Experiments: Die Simulation einer Marsmission.

Wie reagieren Forscher, wenn sie während 365 Tage auf engstem Raum zusammenleben und -arbeiten müssen? Diese Frage wollte die US-Weltraumbehörde NASA beantworten und schickte vor einem Jahr sechs Freiwillige nach Hawaii. Im Rahmen eines Experiments haben sie dort bis Sonntag unter einer Kuppel unter Mars-artigen Bedingungen ausgeharrt - ohne frische Luft, frischem Essen und einer eingeschrängten Kommunikation mit der Außenwelt. Das gemeinsame Projekt der Universität Hawaii und der NASA war Teil einer psychosozialen Studie. 

 

Einige Details zur HI-SEAS IV​-Mission:

Sechs Testpersonen:
drei Männer, drei Frauen (darunter vier Amerikaner, der französische Astrobiologe Cyprien Verseux und die deutsche Geophysikerin Christiane Heinicke, die ihre Eindrücke in ihrem Blog festgehalten hat).

Eine Kuppel von 11 Metern Durchmesser und 6 Metern Höhe, also eine Gesamtfläche von 140.

Eine Kuppel, die in rund 2.500 Metern über dem Meeresspiegel am Hang eines inaktiven Vulkans auf Hawaii angebracht wurde. 

Es gab weder Fernsehen, noch Telefon. Die einzige Kontaktmöglichkeit mit der Außenwelt waren E-Mails. Um die Bedingungen möglichst realitätsgetreu zu gestalten, wurden die Nachrichten in jede Richtung um 20 Minuten verzögert. Außerdem schilderten die Forscher ihre Eindrücke in einem Blog (auf Englisch). 

Die vierte HI-SEAS-Mission war nach HI-SEAS I und II, die jeweils vier Monate lang gedauert hatten und nach der achtmonatigen HI-SEAS III-Mission, die längste. Die NASA plant zwei weitere Isolationsexperimente auf Hawaii 2017 und 2018 und sucht derzeit nach weiteren freiwilligen Teilnehmern.

 

"Eine Mission zum Mars ist realistisch", bilanzierte der französische Astrobiologe Cyprien Verseux seine Erfahrungen während der 365-tägigen Mission. Die technischen und psychologischen Probleme seien überwindbar. Auch die deutsche Wissenschaftlerin Christiane Heinicke schilderte die Mission als sehr wirklichkeitsgetreu. Künftigen Crews riet die Forscherin vor allem etwas Sinnvolles mitzubringen, woran man arbeiten könne. "Einer eurer größten Feinde ist Langeweile", sagte die 30-Jährige dem "National Geographic". Die deutsche Geophysikerin war während der Mission für die Wassergewinnung aus Lavagestein zuständig. 

 

Die NASA visiert eine bemannte Mars-Mission für die 2030er Jahre an. Die Reise zum Roten Planeten alleine würde bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen, die Mission bis zu drei Jahren dauern. Laut Heinicke sei eine Mars-Mission das nächste logische Ziel. Die Wissenschaftlerin hat sich nun als Astronautin bei einer privaten Initiative beworben, die die erste deutsche Frau auf die Internationale Raumstation ISS bringen will.

Die Universität Hawaii hat nach der vierten HI-SEAS-Mission über Twitter ein Video veröffentlicht, das das Innere der Kuppel zeigt:  

 

 

Zuletzt geändert am 29. August 2016