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Foot Connection

Länder: Italien, Singapur

Tags: Fußball, Wett-Manipulation, Sportwetten, Geldwäsche, Mafia, FIFA, Interpol

Für die Sondersendung zum Thema Fußball hat sich Vox Pop mit Wettbetrug beschäftigt. Jedes Jahr sollen in Europa über dreihundert Spiele manipuliert sein.

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Jede Woche bietet Vox Pop die Möglichkeit, die Themen und Porträts der Sendung im Internet weiter zu vertiefen. Das Journalistenteam veröffentlicht an dieser Stelle Quellen und Dokumente, die für die Recherche verwendet wurden, sowie weiterführende Informationen.

 

In Europa fließen heutzutage Riesensummen in den Sportwettenmarkt. Ein echter Geldsegen für Buchmacher, aber auch ein wunderbarer Tummelplatz für Mafiosi aus aller Welt. Die europäischen Sportwetten im Internet sind ein Paradies für Dealer, vom kleinen Betrüger bis zu den mächtigen asiatischen Gangs.

 

Tausende manipulierte Begegnungen

Februar 2013, die Fußballwelt ist in Aufruhr. Europol gibt die Entdeckung eines Netzwerks bekannt, das in nie dagewesenem Ausmaß Spiele manipuliert hat. Zwischen 2008 und 2011 sollen über 420 Spieler, Schiedsrichter, Vereinsvorstände und Kriminelle an einem ausgedehnten, weltweit agierenden Netzwerk beteiligt gewesen sein. Insgesamt sollen so 680 Spiele manipuliert worden sein, davon 380 allein in Europa – und darunter Begegnungen der Champions League und der WM‑Qualifikation.

 

Gangs aus Singapur am Drücker

Den Ermittlern ist es gelungen, die Vorkommnisse bis zu einer Gang aus Singapur zurückzuverfolgen, die bereits zuvor im Zusammenhang mit dem sogenannten „Calcioscommesse“-Skandal in Italien aufgefallen war. Der Kopf des kriminellen Netzwerks trägt den Spitznamen Dan Tan. Der Name des singapurischen Unternehmers  taucht in fast allen laufenden Untersuchungen im Zusammenhang mit manipulierten Sportereignissen auf.

 

Ebenso unkontrollierbar wie Internetpiraterie

Declan Hill, Autor des Bestsellers Sichere Siege, äußerte sich in einem Interview mit der französischen Tageszeitung Le Monde zu diesem Thema. Seines Erachtens „ist Korruption im Fußball ein ebenso unkontrollierbares Phänomen geworden wie die Internetpiraterie“. Obwohl Manipulationen im Sport seit der Antike existieren, ist das Phänomen wegen der starken Zunahme von transnationalen Internetwetten für besonders schwer einzudämmen. „Wenn die Spieler aus einem ersten Land stammen, die Organisation in einem zweiten Land sitzt und das Spiel in noch einem dritten Land stattfindet, ist alles gleich viel komplizierter“, erklärt Eric Vernier, der Autor von Techniques de blanchiment et moyens de lutte (dt.: Geldwäschetechniken und Möglichkeiten der Bekämpfung). Erpressung, Einschüchterung, Einsatz von hörigen Mittelsmännern oder gar falschen Spielern - der Ideenreichtum der Mafia ist unerschöpflich, wenn es darum geht, Spiele und Wetten zu manipulieren, wie dieser Artikel in Rue89 zeigt.

 

Geldwäsche

Die Verantwortlichen im Fußball sehen sich gezwungen, zu reagieren und gegen manipulierte Spiele und Wetten vorzugehen. 2011 hat die Fifa ein zehnjähriges Abkommen mit Interpol zur Schaffung eines Anti-Korruptionsprogramms unterzeichnet. Doch es bleibt noch viel zu tun. Im Dezember letzten Jahres warnten verschiedene Europaabgeordnete eindringlich vor der ständig steigenden Zahl an getürkten Partien. Seit Anfang 2013 sind fast 200 neue Verdachtsfälle aufgetreten. Im Europäischen Parlament prangerten die Abgeordneten die Trägheit der UEFA an, die „über das Stadium von Absichtserklärungen nicht hinauskommt“.

Laut einer kürzlich durchgeführten Studie des Internationalen Zentrums für Sicherheit im Sport (ICSS) waschen kriminelle Organisationen weltweit jährlich über 100 Milliarden Euro über Sportwetten.

Manuel Vicuña

 

Montag, 09. Juni

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Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016