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Folgen des russischen Importstopps

Länder: Frankreich, Deutschland

Tags: Europäische Union, EU, Russland, Agrar, Importstopp, Einfuhrstopp, Export

Schwarzwälder Schinken, französischer Camembert, italienische Salami - all das wird aus den Theken der russischen Supermärkte verschwinden. Ein Jahr lang sollen europäische Agrarprodukte in Russland verboten sein: Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Moskau hat nicht nur gegen die EU einen Agrar-Importstopp verhängt, sondern auch gegen die USA, Kanada, Norwegen und Australien. Es ist Putins Retourkutsche für die Sanktionen der EU, die Russland in der Ukraine-Krise unter Druck setzen sollen. Die Europäische Union wollte Putin damit zum Einlenken bewegen. Er sollte zu einer Friedenslösung beitragen, anstatt weiter die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine zu unterstützen. Doch der russische Präsident tritt die Flucht nach vorne an und verbietet die Einfuhr sämtlicher europäischer Agrar-Produkte in seinem Land.

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Deutschland und die EU könnten den von Moskau verhängten Einfuhrstopp empfindlich zu spüren bekommen. Das befürchtet der Bundesverband Groß- und Außenhandel. Vor allem für Milchprodukte, Obst und Gemüse sowie hochwertig verarbeitete Fleisch- und Wurstwaren sei Russland ein wichtiger Abnehmer. Welcher der Sektoren am schlimmsten betroffen sein wird, dazu gibt es bisher nur Schätzungen. 2013 hat die EU Obst und Gemüse im Wert von 11,9 Milliarden Euro nach Russland exportiert. Allein Deutschland hat Obst und Obstkonserven für knapp 40 Millionen Euro nach Russland verkauft - alles andere als kleine Mengen. 

 

Russland zweitwichtigstes Exportland

10% der europäischen Agrar- und Lebensmittelexporte sind bisher nach Russland gegangen. Damit rangiert das Land an zweiter Stelle hinter den USA (13%). Aber nicht nur die EU wird den Einfuhrstillstand zu spüren bekommen. Auch russische Verbraucher werden in Zukunft wahrscheinlich tiefer in die Tasche greifen müssen und weniger Auswahl haben.

 

Milchprodukte aus Südamerika

Der Deutsche Stefan Dürr, Russlands größter Milchproduzent, sieht das jedoch anders. In einem Interview mit der "Zeit" sagte er: "Ich glaube nicht, dass die Preise steigen. Ich denke eher, dass die europäischen Milchproduzenten durch südamerikanische ersetzt werden." Außerdem gebe es in Russland schon seit Jahren das Ziel, die Selbstversorgung bei Milchprodukten auf 90% festzulegen. "Bisher gab es immer noch die wirtschaftsliberalen Stimmen im Land, die solche Quoten abgelehnt haben. Diese ganze Diskussion ist nun vorbei. Jetzt braucht man niemandem mehr zu erklären, dass wir eine gewisse Grundversorgung durch russische Lebensmittel brauchen."

 

Vorteil für die heimische Landwirtschaft

Für russische Landwirte könnte die Situation also eher Vorteile bringen - sie werden gegen weniger Konkurrenz aus dem Ausland kämpfen müssen. Die Nachfrage nach heimischen Produkten wird steigen. Hätte Moskau hingegen einen Exportstopp für Pkw aus dem Westen eingeführt, hätte das der russischen Automobilwirtschaft deutlich weniger genutzt. Denn diese ist lange nicht so wettbewerbsfähig wie die russische Landwirtschaft.

 

Schon länger kein Käse und Schweinefleisch mehr

Während sich manche Branchenvertreter auf schlimme Folgen gefasst machen, sind andere optimistischer. Der deutsche Bauernverband rechnet damit, dass der Importstopp der heimischen Landwirtschaft nur begrenzt schaden wird. Denn Russland hat bereits Ende 2013 ein Einfuhrverbot für Schweinefleisch aus der EU verhängt. Der offizielle Grund: ein Schweinepestfall in Litauen. Und auch für deutschen Käse wurde der russische Markt immer kleiner: 2011 lieferte Deutschland rund 80 000 Tonnen Käse nach Russland, 2012 waren es 40 000 Tonnen und 2013 nur noch 20 000 Tonnen. Experten hierzulande vermuten, dass Russland damit den heimischen Markt schützen wolle. Auch dem Deutschen Bauernverband (DBV) zufolge zeigt Russland schon länger eine Tendenz zur Marktabschottung.

 

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Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016