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Flüchtlingsinitiativen in Europa

Länder: Deutschland

Tags: Flüchtlinge, Gransee

Hundertausende Flüchtlinge machen sich jedes Jahr auf den Weg nach Europa, die meisten kommen aus krisengeschüttelten Gebieten wie Syrien, Irak und Afghanistan sowie aus vielen Regionen Afrikas. Während letztes Jahr noch zahlreiche afrikanische Flüchtlinge versuchten, per Boot von Nordafrika nach Italien zu gelangen, nahmen dieses Jahr die Flüchtlingsströme über die Balkanroute rasant zu. Europa reagiert unterschiedlich auf die Situation: Während in Brüssel debattiert wird, lässt Ministerpräsident Viktor Orbán in Ungarn einen Grenzzaun aufbauen, im brandenburgischen Gransee heißt man unterdessen die Neuankömmlinge willkommen. ARTE hat sich in Deutschland, Ungarn und Bulgarien umgehört.

Die Flüchtlingskrise

In unserem Dossier "Flucht nach Europa" erfahren Sie alles Wichtige über das Schicksal der Flüchtlinge.

Deutschland

Während Bayerns Regierungschef über Abschiebelager für Flüchtlinge spricht, erfahren diese in Gransee, 70 Kilometer nördlich von Berlin, einen wesentlich herzlicheren Empfang. Seit Ende April leben in der 6.000-Einwohner-Stadt 80 Flüchtlinge in einem Wohnheim. Etwa genauso so viele Menschen engagieren sich in der Initiative "Willkommen in Gransee". Hier sollen Neuankömmlinge soziale Kontakte knüpfen, Beschäftigung finden und die deutsche Sprache lernen. "Willkommen in Gransee" ist ein Vorzeigeprojekt, von dem sich noch viele Gemeinden ein Stück abschneiden können, da der Bedarf an Flüchtlingsunterkünften weiter steigen wird. Immerhin einigten sich die europäischen Innenminister in Brüssel inzwischen darauf, dass Deutschland weitere 12.000 Flüchtlinge aufnehmen wird. 

 

Réfugiés à Gransee : une initiative solidaire et citoyenne

 

Ungarn

Eine politische Idee, wie Europa mit der Migrantenthematik umgehen will, gibt es noch nicht.
Und so sucht jedes EU-Mitgliedsland erst einmal selbst nach Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen. Ungarn, unter der nationalistisch orientierten Regierung Viktor Orbáns, wählt den Weg der Abschottung und der Abschreckung. Ein Zaun zur Außengrenze mit Serbien soll her und statt Flüchtlingsunterkünften in den Städten will man Zeltlager an der Grenze aufbauen.
 

Réfugiés : en Hongrie, un mur anti-immigration

 

Bulgarien

Jahrelang galt Bulgarien als reines Durchgangsland für Flüchtlinge. Bis 2012 hatte das ärmste Land Europas gerade mal 1.000 Asylanträge jährlich. Nach der Fertigstellung des Grenzzauns zwischen Griechenland und der Türkei und mit dem Ausbruch des Krieges in Syrien, stieg die Zahl um 200 Prozent an. Nach offiziellen Angaben hat die bulgarische Grenzpolizei seit Februar rund 2.600 Menschen bei der Grenzüberschreitung festgehalten. Die EU hat 2013 dem Land für Grenzschutzmaßnahmen, wie etwa den Bau des 30 Kilometer langen Grenzzauns, über 13 Millionen Euro bereitgestellt. Für die Verbesserung der Aufnahmebedingungen und des Asylverfahrens erhielt Bulgarien von der EU im selben Jahr 750.000 Euro.

In der Kleinstadt Harmanli befindet sich das größte bulgarische Flüchtlingslager, dort leben derzeit über 2.000 Menschen auf engstem Raum. Die ehemalige Kaserne ist im Grunde nicht dafür geeignet, Flüchtlinge zu beherbergen: Im Winter ist es eiskalt, im Sommer steht die Hitze im Lager. 

 

 

Réfugiés : précarité dans les centres d'accueil bulgares
Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016