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Finnland setzt auf russische Atomkraft

Länder: Finnland

Tags: Nuklearenergie

Auch wenn Europa Abkommen mit Rosatom ablehnt, setzen doch zahlreiche Länder ihre Zusammenarbeit mit dem russischen Atomriesen fort. So auch Finnland, das gerade einen weiteren Vertrag mit dem Unternehmen unterzeichnet hat.

 

In Sachen Energie will Europa nicht von Russland abhängig sein. Da die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern seit Beginn des Krim-Konflikts 2014 gefährdet sind, „hat die Europäische Union die Mitgliedstaaten aufgefordert, keine Energieabkommen mehr mit Russland zu unterzeichnen“, so die Agentur Reuters. Im März 2015 hat Brüssel zudem ein zwischen Budapest und Moskau unterzeichnetes Atomabkommen blockiert. Nicht alle betroffenen Länder halten sich indes an diese Empfehlung, eine Situation, die sich der russische Atomriese Rosatom zunutze macht. Le Monde erinnert in diesem Zusammenhang an Wladimir Putins Absichten, aus dem Unternehmen ein „Instrument zur geopolitischen Einflussnahme“ in Mitteleuropa zu machen.

 

Beispielsweise hat das finnische AKW-Konsortium Fennovoima am 5. Dezember 2014 verkündet, die Regierung habe dem Bau eines 1200-MW-Reaktors am Standort Pyhäjoki im Norden des Landes zugestimmt. Umgesetzt wird das 6 Milliarden Euro schwere Projekt von Rosatom. Der Agentur Reuters zufolge „ will Fennovoima den Reaktor, dessen Bau mit 115 zu 74 Stimmen genehmigt wurde, 2024 in Betrieb nehmen".

will Fennovoima den Reaktor, dessen Bau mit 115 zu 74 Stimmen genehmigt wurde, 2024 in Betrieb nehmen"

Reuters - 05/12/2014

 

Die politische Entscheidung hatte damals zur Folge, dass die ökologische Partei Vihreä liitto (Grüne Liga) die Koalition verließ. Der finnische Ministerpräsident Alexander Stubb (Mitte-rechts) hatte sich Kritikern gegenüber damit gerechtfertigt, dass „seine Regierung aufgrund der Grenzen und der Handelsbeziehungen, die beide Länder verbinden, Russland gegenüber eine pragmatische Haltung einnehmen muss“, ein Standpunkt, mit dem er sich den Empfehlungen der Europäischen Union widersetzt.

 

Streit zwischen Areva und Fennovoima

Warum aber sucht Finnland nicht die Zusammenarbeit mit europäischen Unternehmen? Reuters zufolge liegt der Grund für die Annäherung zwischen Fennovoima und Rosatom in einem Rechtsstreit, den ein anderes finnisches Unternehmen, der private Stromversorger Teollisuuden Voima Oyj (TVO), mit dem Konsortium Areva-Siemens ausficht. Gegenstand des Streits ist der Bau eines Druckwasserreaktors vom Typ EPR 3 in Olkiluoto im Westen des Landes.

 

Der Reaktor sollte 2009 ans Netz gehen, doch nun wird frühestens 2018 Baubeginn sein. Im Übrigen hat der Stromversorger TVO am 13. Mai 2015 bekanntgegeben, es werde „aufgrund der Verzögerungen beim Bau des Reaktors Olkiluoto 3 zurzeit keine Baugenehmigung für Reaktor 4 beantragt“. TVO und Areva machen sich gegenseitig für den Vorfall verantwortlich. Nun wird vor einem Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer in Paris darüber entschieden.

Fabiola Dor 

Fabiola Dor 

Zuletzt geändert am 16. Januar 2017