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Finnland - Der Koran auf Sendung

Länder: Finnland

Tags: Koran, Islam, Radio

Im finnischen Rundfunk wird der Koran in finnischer Übersetzung gelesen, um den Zuhörern ein besseres Verständnis des Islam zu vermitteln.

Seit dem 7. März 2015 wird die heilige Schrift des Islam im finnischen Radio gesendet: Der öffentlich-rechtliche Sender „Yle“ (Yleisradio Oy) überträgt 60 halbstündige Koranlesungen. Das Pionierprojekt soll den finnischen Zuhörern die muslimische Kultur und Religion näherbringen.

Zu Beginn jeder Sendung diskutieren der Imam Anas Hajjar, ein Vertreter der muslimischen Gemeinschaft in Finnland, und der Übersetzer Professor Jaakko Hämeen-Anttila den religiösen und historischen Kontext des jeweiligen Textabschnitts. „Ich freue mich, dass die Übersetzung vorgelesen wird. Es ist wichtig, den Koran in seiner Gesamtheit zu kennen, nicht nur die gewalttätigen Passagen“, sagt Jaakko Hämeen-Anttila.

 

Koran für alle

Der Koran, der die Grundlage der islamischen Lehre bildet, ist über 1 400 Jahre alt. Dadurch ist die Auslegung der Schrift für ein modernes Publikum nicht immer einfach. „Wir gehen sehr unterschiedlich an die Schrift heran: Der Imam beschäftigt sich mit den praktischen Folgerungen für den Alltag der Gläubigen, ich betrachte die Schrift als ein historisches Werk im Kontext der Epoche, in der sie geschrieben wurde“, erläutert Jaakko Hämeen-Anttila.

Bereits bei den Vorbereitungen zu dem Programm bezog der Sender „Yle“ Vertreter der muslimischen Gemeinschaft in das Projekt mit ein. Damit wollte man Rücksicht auf muslimische Empfindlichkeiten nehmen. Der Imam Anas Hajjar sieht jedoch keinen Grund dafür, dass sich jemand durch die Sendung angegriffen fühlen könnte – im Gegenteil. „Das Programm ist ein wichtiger Schritt zum gegenseitigen Verständnis. Es ist ein Versuch, die Geschichte des Koran und seine Botschaft zu erzählen“, erklärt er.

In Finnland leben zwischen 50 000 und 60 000 Muslime bei einer Gesamtbevölkerung von 5,5 Millionen Menschen. Im ganzen Land gibt es nur eine Moschee, die zu Beginn der Vierziger Jahre errichtet wurde. Daher wurden ehemalige Schulgebäude, Kinos und Gemeindesäle in Beträume umgewandelt.

 

Céline Peschard

 

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016