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Finger weg von meinem Wasser!

Länder: Europäische Union

Tags: Wasser

Diese Woche geht Vox Pop dem Geschäft mit dem Wasser auf den Grund – und insbesondere dem Konflikt zwischen Befürwortern und Gegnern einer Privatisierung der Wasserversorgung, die zumeist mit deutlichen Tariferhöhungen einhergeht.

 

Montag, 06. Oktober

01:15

Vox Pop

Finger weg von meinem Wasser!

Wasser ist eine lebensnotwendige Ressource, die enorme Gewinne abwirft und Begehrlichkeiten weckt. In vielen Ländern wütet ein unerbittlicher Machtkampf zwischen großen Konzernen und den Verfechtern öffentlicher Versorgungstrukturen. In Europa werden immer mehr Stimmen gegen das private Geschäft mit diesem öffentlichen Gut laut - gegen steigende Verbraucherpreise, willkürliche Tarifstrukturen und ein intransparentes Management.

 

Eine Welle von Privatisierungen

Die europäische Bürgerinitiative Right2Water (Recht auf Wasser), die dank der im Vertrag von Lissabon ermöglichten Bürgerbeteiligung gegründet wurde, sammelte 1,9 Millionen Unterschriften und zwang so die EU-Kommission, sich mit ihren Forderungen auseinanderzusetzen. Doch die Privatisierungswelle rollte weiter. Brüssel zögert keinen Moment, verschuldeten Ländern eine Privatisierung der Wasserversorgung anzuraten, um so die Staatskasse aufzubessern. So geschehen in Griechenland, wo die Bürger gegen diese Entscheidung protestieren. Im Mai sprachen sich die Bürger von Thessaloniki jedoch in einem Volksentscheid mit überwältigender Mehrheit (98 %) gegen die Privatisierung ihres Wasserversorgers aus.

 

Steigende Preise

Ein anderes Beispiel ist Spanien, wo unzählige Kommunen die Wasserversorgung internationalen Konzernen anvertraut haben, um ihre Finanzen zu sanieren. Heute sind mehr als die Hälfte der Wasserwerke des Landes in privater Hand, was unmittelbare Folgen für die Verbraucher hat. Die Preise sind seither deutlich gestiegen, in Barcelona innerhalb eines Jahres um 25 %, in Huelva um 40 % seit 2011.
In einigen europäischen Hauptstädten wie Paris oder Berlin erleben wir jedoch das Gegenteil: Nach Jahren privater Bewirtschaftung entsteht ein Trend hin zur erneuten Übernahme durch die öffentliche Hand. So haben z.B. die Berliner dem Unternehmen Veolia die rote Karte gezeigt. Seit die Berliner Wasserbetriebe wieder der Stadt gehören, sind die Wasserpreise für die Hauptstädter um 15 % gesunken.

 

Manuel Vicuña

 

Zuletzt geändert am 16. Januar 2017