Die Doku: "Putins Propagandakrieg in Prag"

Putins Propagandakrieg in Prag - Dienstag, 14. November 2017 - 22:50

Länder: Tschechische Republik

Tags: Putin, Prag, fake news

Die vom Tschechischen Fernsehen und ARTE koproduzierte Dokumentation untersucht den Charakter des Informationskrieges und den Einfluss gezielter Desinformation in der Tschechischen Republik. Sie geht der Frage nach, wer hinter den „Fake-News“ steckt, die hauptsächlich über die sozialen Medien und sogenannte „Verschwörungs“-Websites verbreitet werden. Die Autoren haben zudem versucht zu ermitteln, bis zu welchem Grad die gestreuten Nachrichten, Stories und Emotionen Teil der russischen Propaganda sind und welche Rolle dabei die tschechischen Bürger spielen, die unzufrieden sind mit den Entwicklungen in ihrem Land seit 1989. In der Dokumentation kommen angesehene Persönlichkeiten aus Tschechien und anderen Ländern zu Wort, die sich näher mit diesem Thema befassen. Der Regisseur Tomáš Kudrna und sein Team trugen für diese Dokumentation Material aus der Tschechischen Republik, Großbritannien, Holland und Russland zusammen.

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Putins Propagandakrieg in Prag Putins Propagandakrieg in Prag Putins Propagandakrieg in Prag

August 1968: Beängstigte Tschechen trauen ihren Augen nicht, als sie mitansehen müssen, wie fremde Truppen ihr Land besetzen. Es ist eine militärische Operation des Kremls mit dem einzigen Ziel, das Land in der sowjetischen Einflusssphäre zu halten. Mit Erfolg, denn in den darauffolgenden 20 Jahren gehörte die ČSSR zu den willfährigsten Vasallenstaaten Moskaus. Bis zum Ende der Sowjetherrschaft 1989: Die sogenannte „Samtene Revolution“ bringt Tschechien Unabhängigkeit und Demokratie, verbunden mit dem symbolischen Ziel der „Rückkehr nach Europa“. Das Land wird Mitglied der NATO und der Europäischen Union.

Doch der Kreml ist darum bemüht, seine verlorene Macht zurück zu erlangen. Nach den Ereignissen in der Ukraine besteht daran inzwischen nur noch wenig Zweifel. „Auch wenn dies eigentlich schon sehr viel früher zu erwarten gewesen wäre, hat sich Russland nach den Ereignissen in der Ukraine wieder in unserem Unterbewusstsein festgesetzt als eine ideologische Bedrohung in Form eines Problemlandes und eines Landes, das aktiv versucht, den Westen zu schwächen“, meint Anne Applebaum, Historikerin beim Londoner Think-Tank Legatum Institute.

Doch die vom Kreml eingesetzten Methoden haben sich inzwischen gewandelt. Die Moskauer Strategie-Experten setzen mehr auf das Mittel der Desinformation und das Schüren von Emotionen als auf den Einsatz von Soldaten und Kriegswaffen. Gezielte Desinformation, Lügen und Halbwahrheiten überfluten das Internet und finden Eingang in die Medien. Ihre Wirkung besteht in dieser ohnehin bereits schwer zu verstehenden Welt darin, Verwirrung, Chaos und Hysterie zu stiften. 

Ganz Europa wurde in diesen Kampf hineingezwungen – vorneweg die ehemals unter Sowjetherrschaft stehenden Ostblockstaaten: Die Ukraine, die Länder des Baltikums und die Tschechische Republik. Es geht um die Gedanken
jedes einzelnen ihrer Bürger.
 

Zuletzt geändert am 14. November 2017