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Fasten der Religionen

Länder: Deutschland

Tags: Islam, Religion, Fasten, Ramadan

Für Muslime in aller Welt hat der jährliche Fastenmonat Ramadan begonnen. Den Tag über verzichten sie auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex - erst bei Sonnenuntergang darf das Fasten unterbrochen werden. Der Ramadan betrifft rund 1,6 Milliarden gläubige Muslime weltweit und geht bis zum 28. Juli.
Aber nicht nur im Islam gibt es die Tradition des Fastens - in allen großen Weltreligionen findet sich dieser Brauch. Die Menschen sollen Gott dadurch näher kommen und sich auf ihren Glauben konzentrieren. ARTE Info gibt einen Überblick.


Islam

Das Datum des Ramadan verschiebt sich jedes Jahr hinsichtlich des islamischen Mondkalenders um etwa zwei Wochen. Wenn der heilige Fastenmonat in den Sommer fällt, haben es besonders diejenigen Muslime schwer, die in sehr heißen Regionen oder aber ganz im Norden leben, wo es quasi nicht dunkel wird. Das heißt für die Gläubigen: Kein Wasser trotz sengender Hitze in den arabischen Ländern oder Afrika etwa. Und weniger als eine Stunde Zeit zur Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme für Menschen im Norden Finnlands - hier ist nur etwa eine Stunde am Tag Nacht.

Aber Opfer bringen gehört dazu, denn das Fasten ist im Islam ein göttliches Gebot. Die Seele soll gereinigt und die Beziehung zu Gott gestärkt werden. Schwangere, Kranke und Kinder sind vom Ramadan ausgenommen. Aber wer nicht fastet, hat die Pflicht, Speisen oder Almosen an Arme zu geben. Bleibt die Frage, ob fromme Fussballspieler während der WM vom Fasten ausgenommen sind. Sie könnten sie in die Kategorie "Reisende" fallen - auch diese sind vom Fasten ausgenommen. 

 

Christentum

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit der Christen. Bis Ostern verzichten sie 40 Tage lang, um Gott näher und selbst zur Ruhe zu kommen. Strenge Regeln werden heutzutage kaum noch befolgt, jeder entscheidet selbst, auf was er verzichten will. Ob Süßes, Fleisch, Alkohol oder Zigaretten - fasten bedeutet auch, wieder bewusster zu leben. Die Tradition geht zurück auf eine biblische Geschichte, in der sich Jesus 40 Tage lang in die Wüste zurückzieht um zu fasten. 

Neben der Fastenzeit zwischen Karneval und Ostern gibt es im Christentum auch die "kleine" Fastenzeit. Früher wurde in der Adventszeit gefastet, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Eine Tradition, die in der heutigen vorweihnachtlichen Plätzchenback-Zeit größtenteils verschwunden ist. 

Eine weitere Tradition des Christentums sind zwei Fastentage in der Woche: Mittwochs, um daran zu erinnern, dass Judas an diesem Tag Jesus verraten hat. Und Freitags, um Jesus' Kreuzigung zu gedenken. Aber bis auf den Brauch in einigen Haushalten, Freitags Fisch zu essen, ist von diesen Fastentagen nicht viel geblieben.

 

Judentum

Juden haben gleich mehrere religiöse Feiertage, an denen sie fasten. Der wichtigste ist Jom Kippur, der "Tag der Versöhnung". Kein Essen, Trinken, Zigaretten und Sex. Außerdem wäscht man sich nicht und geht nicht zur Arbeit - der Körper wird reingewaschen, indem alle Sünden an diesem Tag gesühnt werden. 

Ein weiterer Fastentag ist Tischa BeAw, der neunte Tag des Monats Aw. Nach Jom Kippur ist es der wichtigste Fastentag im jüdischen Kalender, gläubige Juden verzichten auf Nahrung und Wasser, um einschneidenden Ereignissen in der jüdischen Geschichte zu gedenken: 596 v. Chr. wurde der Erste Tempel durch die Babylonier zerstört, 70 v. Chr. der Zweite Tempel durch die Römer. 

Auch an einigen anderen Trauertagen fasten fromme Juden, wie etwa am 10. Tewet, der an den Beginn der Belagerung Jerusalems vor der Tempelzerstörung erinnert. 

 

Buddhismus

Eine strenge Fastenzeit wie im islamischen Ramadan gibt es im Buddhismus zwar nicht, aber Enthaltsamkeit und weniger Nahrung wird als Vorbereitung für Meditation genutzt. Körper und Geist werden gereinigt. Ganz auf essen und trinken zu verzichten, entfernt sich jedoch von Buddhas "Weg der Mitte", er lehnte sowohl Völlerei als auch vollkommene Entbehrungen ab. Buddhistische Mönche und Nonnen fasten auf ihre eigene Art: ab zwölf Uhr mittags essen sie nichts mehr. 

 

Orthodoxe Kirche

Viermal im Jahr müssen Gläubige der Orthodoxen Kirche mehrere Wochen lang fasten. In der Passionszeit etwa sind es sieben Wochen. Weitere Fastenwochen finden nach Pfingsten, im August und in der Adventszeit statt, von Mitte November bis Heiligabend. Mittwochs und Freitags wird ebenfalls gefastet, Fleisch, Eier und Milchprodukte sind in dieser Zeit nicht erlaubt. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016