|

Europäische Union - Koffer…verzweifelt gesucht

Länder: Europäische Union

Tags: Flugtransport, verlorene Gepäckstücke

Nach Angaben des Reise- und Transportindustrie-Anbieters SITA (Société Internationale de Télécommunication Aéronautique) im Jahr 2013 gingen fast neun Koffer, bezogen auf tausend Flugreisende, verloren oder wurden beschädigt. Diese Feststellung schadet dem Ruf der europäischen Fluggesellschaften.

Wohl jeder hatte schon einmal den Albtraum, seine Koffer und Taschen nicht auf dem Gepäckband des Flughafens ankommen zu sehen. Die Passagiere der europäischen Fluglinien erleben öfter als andere, dass ihr Gepäck nicht dabei ist: Neun spurlos verschwundene oder beschädigte Koffer auf tausend Reisende – so lautet die Bilanz einer Studie von Luftfahrtspezialisten aus dem Jahr 2013. In den anderen untersuchten Gebieten wurden weniger gezählt: lediglich zwei in Asien und ca. 3,2 in Nordamerika, auch jeweils auf tausend Personen bezogen.

2012 hat die Anzahl der verlorenen Koffer in Europa die Neun-Millionen-Grenze überschritten. Obwohl die Verlustzahlen seit etwa zehn Jahren leicht rückläufig sind (- 12,4 %), verschwinden auf unserem Kontinent nach wie vor sehr viele Koffer. Eine kostspielige Angelegenheit für die Fluggesellschaften: Bei jedem gemeldeten Gepäckstück, das sich in Luft aufgelöst hat, zahlen sie durchschnittlich 100 Euro Schadenersatz. Zwischen Januar und September 2014 hat Virgin America offensichtlich am besten auf das Gepäck geachtet, obwohl es eine Billigfluglinie ist: Weniger als eine Beschwerde auf tausend Passagiere, wie aus einer Klassifizierung der amerikanischen Fluggesellschaften hervorgeht.

Europa hinkt zurück

Warum schneidet Europa auf diesem Gebiet so schlecht ab? Das liegt sicherlich vor allem an den Modalitäten des Luftverkehrs. In den Vereinigten Staaten handelt es sich meistens um Direktflüge, während in Europa mehr Transitflüge gebucht werden, was die Gefahr von Gepäckverlusten erhöht. Seit zwei Jahren beschäftigt sich die Internationale Luftverkehrsvereinigung IATA (International Air Transport Association) intensiv mit diesem Problem und sensibilisiert die Mitarbeiter von 55 Fluggesellschaften dafür. Sie hat insbesondere neue Etikettierungssysteme eingeführt.

Zurzeit muss man durchschnittlich 36 Stunden auf einen verloren Koffer warten. Jedes zweite Mal liegt ein Irrtum bei einem Transfer zwischen zwei Flügen vor. Auf dem Flughafen Brüssel-Zaventem gingen im vergangenen Jahr 10 000 Gepäckstücke verloren und gelangten nie in die Hände ihrer Besitzer zurück. Bei der irischen Fluglinie Aer Lingus fordert eine amerikanische Flugreisende eine Million Dollar Schadenersatz: Sie hat eine Tasche mit Wertgegenständen verloren, darunter ein Weißgold-Diamant-Ring im Werte von 7 400 Euro.

Vernetzter Koffer

Um solcherlei Enttäuschungen zu vermeiden, hat der französische Koffer- und Reisetaschenhersteller Delsey im November 2014 einen „smarten“ Koffer namens „Pluggage“ (Mischung aus to plug, „einschalten“ und luggage, „Gepäck“) auf den Markt gebracht. Nach Aussage des Herstellers kann der Passagier mit diesem Hightech-Koffer sein Gepäck in Realzeit orten, was ihm ein ruhiges und unbeschwertes Reisen ermöglicht. Der „Pluggage“-Koffer kann mittels WLAN an jedwedes Smartphone angeschlossen werden und Informationen geben. So sagt der An-Bord-Detektor, dass sich der Koffer tatsächlich im Gepäckraum befindet. Eine weitere Feature erlaubt das Öffnen des Gepäcks durch die Fingerprint-ID seines Besitzers. Neben diesen Neuerungen werden bald auch nützliche Apps funktionstüchtig sein, z. B. die Wettervorhersage des Ziellandes, Fluginformationen und eventuelle meteorologische Störungen.

Céline Peschard

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016