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Europäische Union – Die Jagd auf Schleuser ist eröffnet

Länder: Europäische Union

Tags: syriens, Boots-Flüchtlinge, Schmuggler

Am 7. Oktober wurde die zweite Phase der Operation „Sophia“ genehmigt, in der Schleuser auf See festgenommen werden dürfen.

Sie wurde „Sophia“ getauft nach einem auf See geborenen Flüchtlingsmädchen. Am 7. Oktober lief die zweite Phase der Operation Eunavfor Med an, in der Menschenschmuggler in internationalen Gewässern aufgehalten, festgenommen und verfolgt werden können und ihre Schiffe bei Bedarf sogar mit Gewalt angehalten und überprüft werden dürfen. Die französische Tageszeitung Le Monde schreibt, dass Beamte der italienischen Kriminalpolizei an Bord präsent seien, um eine Anklage an Land zu erleichtern. In einer ersten Phase seit Juni 2015 wurden Informationen über Schleppernetzwerke gesammelt und ausgewertet, um deren Vorgehensweisen besser zu verstehen.

Auf Europe 1 erläuterte der französische Konteradmiral Hervé Bléjean die Strategie der an der Operation „Sophia“ beteiligten Streitkräfte: „Wir haben Mittel, um das Verhalten diskret beobachten zu können. Was passiert, wenn ein Boot mit Migranten die Küste verlässt. Wir kennen Anzeichen, die Boote für uns verdächtig machen, mutmaßliche Schlepper an Bord zu haben. Auf dieser Grundlage entscheidet der Kommandant der Streitkräfte, ob er versucht, ein Boot anzuhalten, oder nicht. Also ob wir sie mit unseren gut ausgestatteten Booten und mit effizienten Mitteln wie Helikoptern und Schnellbooten aufhalten.“ 

 

Bald Einsätze an Land?

Sechs Schiffe befänden sich bereits in den internationalen Gewässern vor der libyschen Küste, von wo aus viele Flüchtlingsboote in See stechen,  berichtet die Seite Euractiv.

Darunter sind ein italienischer Flugzeugträger, eine französische Fregatte, ein britisches und ein spanisches Schiff sowie zwei deutsche. Mindestens drei weitere Boote, die von der belgischen, britischen und slowenischen Marine zur Verfügung gestellt werden, sollen noch vor Ende Oktober 2015 die Präsenz ergänzen, die von vier Flugzeugen und insgesamt 1.318 Soldaten vervollständigt wird. Die Operation deckt zehn Kontrollgebiete vor der Libyschen Küste ab, vier entlang der 12‑Meilen‑Zone, an der die libysche Hoheitszone endet, die anderen weiter draußen in internationalen Gewässern. Die gesamte Nordwestküste Libyens, von der tunesischen Grenze bis nach Sirte wird abgeriegelt, mit Ausnahme eines Korridors nach Tripolis, wodurch nach Angaben von Euractiv eine vollständige Seeblockade verhindert werden soll.

 

Wird „Sophia“ Wirkung zeigen? Viele Beobachter sind der Ansicht, dass nur ein Einsatz an Land den kriminellen Organisationen, die die Routen zwischen diesem Teil Afrikas und Europa kontrollieren, Einhalt gebieten könnte. Denn die auf See festgenommenen Schleuser sind häufig nur kleine Handlanger. Auf seiner Website ruft der Radiosender Europe 1 ins Gedächtnis, dass der Kampf gegen den Menschenschmuggel nur zum Ziel führen kann, wenn die Hintermänner gefasst werden. Doch jeglicher Einsatz von Spezialtruppen an Land muss durch eine UNO‑Resolution und durch die libyschen Behörden genehmigt werden. Damit ist jedoch in absehbarer Zeit nicht zu rechnen.

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016