Europa: Inschallah - so Gott will…

ARTE Reportage - Samstag, 4. April 2015 - 17:05

Länder: Türkei

Tags: Flüchtlinge, Menschenhändlern

"Die Reise vom Tod in den Tod": So nennen die Menschen aus Syrien die gefährliche Fahrt übers Mittelmeer, die Flucht aus ihrer Heimat und weiter mit der Hoffnung, sich mit der Hilfe von Menschenhändlern bis in die Europäische Union durchzuschlagen.   

Pierre Creisson, Autor der Reportage "Europa: Inschallah - so Gott will ..." war am 24. April zu Gast bei ARTE Journal:

 

Pierre Creisson interviewé par ARTE Journal

 

 

L’Europe, Inch’Allah !

In den letzten Monaten haben die Menschenhändler die Transportmittel vergrößert: Es sind nicht mehr kleine und überfüllte Fischerboote, die sie in Richtung EU losschicken, sondern große Frachtschiffe - vom Zustand her ebensolche Seelenverkäufer wie die kleinen Boote, nur jetzt mit hunderten anstatt nur dutzenden Flüchtlingen. Sechs bis zehn Tage sind sie unterwegs, in der vagen Hoffnung, die gefährliche Reise ohne Schiffbruch mitten auf dem Meer zu überleben: Inschallah - so Gott will.  

Eine der Städte, von der aus sie in Richtung EU losfahren, ist die türkische Hafenstadt Mersin, direkt an der Grenze zu Syrien. 400 000 Syrer leben inzwischen hier, mehr als genug Kunden für die Menschenschmuggler. Die Not der Flüchtlinge aber ist groß, kaum 20 Prozent haben irgendeine Arbeit gefunden, um das Nötigste zum Überleben zu verdienen. Nur die ehemals gut verdienende Mittelklasse aus Syrien kann sich die tausende Dollar teure "Reise vom Tod in den Tod" überhaupt leisten.  Sie verkaufen alles, Schmuck, Autos und investieren alles, um eine Platz auf den Frachtern in die EU zu bezahlen. Sie wissen, dass ihr Leben nur an einem seidenen Fahren hängt, aber sie riskieren es trotzdem. Die türkische Mafia verdient Millionen an ihnen. Eine Reportage, zum Teil mit versteckter Kamera gedreht, über die Hoffnung der einen und den Profit der anderen.

 

Von Pierre Creisson und Mériem Lay - ARTE GEIE / La Bonne Prod – Frankreich 2015 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016