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EU: Welcher Weg führt aus der Krise?

Länder: Europäische Union

Tags: Juncker, Gege

Wie ist die europäische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen? Diese Frage beschäftigte auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Mit seinem nun vorgestellten Plan will er in der EU-Wirtschaft wieder für mehr Wachstum sorgen: Das ehrgeizige Projekt soll dafür in 3 Jahren Investitionen in Höhe von 315 Milliarden Euro auslösen.

Juncker-Plan

Der „Juncker-Plan“ sieht die Europäische Union und die Europäische Investitionsbank (EIB) als Wachstumskatalysatoren in der Europäischen Union vor. Sie sollen Anreize für mehr private Investitionen schaffen. So können die Mitgliedstaaten Projekte vorstellen, die von einem Ausschuss unabhängiger Experten beurteilt und ausgewählt werden. Der Europäische Fonds für Strategische Investitionen (EFSI) wird diese Projekte finanzieren und – sollten diese scheitern – auch die Verluste schultern. Auf diese Weise sollen private Investoren dazu gebracht werden, sich ebenfalls in diese Projekte einzubringen, um so in der EU-Wirtschaft für Aufschwung zu sorgen. Die EU-Kommission sieht im besten Falle eine Hebelwirkung von 1 bis 15 voraus, also bis 2017 315 Milliarden Euro an zusätzlichen finanziellen Mitteln.

Der Direktor der Forschungsabteilung der Internationalen Arbeitsorganisation Raymond Torres schätzt, dass, „mit einem gut geführten Plan bis 2018 2,1 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen könnten“.

Nicht alle Wirtschaftswissenschaftler teilen diese optimistische Sichtweise. Viele sehen den neuen Plan mit Skepsis. Der Europäische Gewerkschaftsbund bezeichnet ihn als „wundersame Brotvermehrung“. So schätzt der Chefökonom der UBS-Bank Martin Lücke die erwarteten 315 Milliarden Euro als zu hoch ein. Nach seiner Ansicht entsprächen sie nicht den finanziellen Realitäten.

 

Bürger als Motor Europas

Während der Erfolg des „Juncker-Plans“ noch ungewiss ist, haben Wirtschaftswissenschaftler schon jetzt über Alternativen nachgedacht. Maximilian Gege, Gründer des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management e.V. (B.A.U.M) stellt sich beispielsweise ein Modell für „grünes“ Wachstum vor, basierend auf Ökologie und Umweltschutz.

 

Grünes Wirtschaftsmodel

 

Geges Projekt setzt auf regionalen Wirtschaftsaufschwung und räumt Projekten mit ökologischer Ausrichtung Vorrang ein. Die Bürger einer Kommune können, wenn sie wünschen, in einen genossenschaftlichen „Zukunftsfonds“ investieren. Damit sollen Projekte zur Verbesserung der Energieleistung von Unternehmen vor Ort, aber genauso von öffentlichen Gebäuden oder Privathäusern der Region finanziert und umgesetzt werden. Durch Einsparungen von Energiekosten seien – so Maximilian Geges Schätzung – für Privatinvestoren Renditen von jährlich ca. 4% zu erwarten. Zudem könnten durch die Verbreitung grüner Energien auf regionaler Ebene umweltschädliche und teure Rohstoffe wie Öl, Kohle und Gas eingespart und gleichzeitig die lokale Wirtschaft angekurbelt sowie Arbeitsplätze geschaffen werden. Dieses Modell wird schon in mehreren deutschen Kommunen getestet, wie zum Beispiel in Aachen – mit positiven Ergebnissen.

„Milliarden Euro an Energiekosten könnten auch in Spanien, Italien und Griechenland eingespart werden“, so Maximilian Gege.

Ob die Bürger sich von diesem Projekt überzeugen lassen, bleibt abzuwarten. Der Erfolg steht und fällt einzig und allein mit ihrer Teilnahme.

 

Dr Maximilian Gege ist Honorarprofessor in Lüneburg und Gründungsmitglied des 1984 gegründeten Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management B.A.U.M. Es ist Europas größte Umweltinitiative der Wirtschaft mit rund 500 Mitgliedsunternehmen aller Größen und Branchen. Die Gruppe hat bereits mehrere nationale und internationale Preise gewonnen, darunter auch jüngst den Preis "Deutschland -Land der Ideen".  

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016