Eskalation der Gewalt auf dem Tempelberg

Länder: Israel, Palästina

Tags: Jerusalem, Muslime, Juden

Rund um die Al-Aksa-Moschee in der Altstadt von Jerusalem hat es am Dienstag den dritten Tag in Folge Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gegeben. Die Spannungen stehen im Zusammenhang mit dem jüdischen Neujahrsfest, das am Sonntagabend begann. 

 

 

Seither überschlagen sich die Ereignisse: Maskierte Demonstranten verschanzen sich in der Al-Aksa-Moschee. Es sind Palästinenser und israelische Araber. Für sie ist dies eine Form des Protests gegen die Besuche der Juden auf dem Hochplateau.

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Die Al-Aksa-Moschee ist das dritthöchste islamische Heiligtum nach Mekka und Medina. Aber auch gläubige Juden verehren das Hochplateau als Tempelberg. Nach der derzeit gültigen Regelung dürfen Juden den Tempelberg zwar besuchen, nicht aber dort beten. Rechtsradikale Juden versuchen immer wieder, das Verbot zu durchbrechen. Seit der militärischen Besetzung und international nicht anerkannten Annexion durch Israel im Jahr 1967 hat die israelische Polizei auf dem Plateau die Sicherheitshoheit, während die jordanische Stiftung Wakf dort für die Religionsausübung zuständig ist. 

 

Granaten gegen Demonstranten

Am 15. September wurden bei Auseinandersetzungen laut Angaben des Roten Kreuzes 26 Palästinenser verletzt, zwei von ihnen wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Auch mehrere Polizisten erlitten ernsthafte Verletzungen. 

Dabei liefen die Ausschreitungen seit Beginn der Demonstrationen immer wieder nach dem gleichen Schema ab: Wenn morgens die Polizei erschien, um den Ort zu räumen, eskalierte die Situation. Die Demonstranten warfen Steine und Feuerwerkskörper auf die Beamten. Am heutigen Dienstag, als sich die Scharmützel in die engen Gassen der Altstadt verlagerten, warfen Polizisten Granaten. 

 

Netanyahu für die Beibehaltung des Status quo

Nach der derzeit gültigen Regelung dürfen Juden und andere nicht-muslimische Besucher den Tempelberg zwar besuchen, dort aber nicht beten. Wegen des jüdischen Neujahrfestes werden nach Polizeiangaben rund um den Bereich der Al-Aksa-Moschee derzeit wesentlich mehr jüdische und touristische Besucher als üblich gezählt. Palästinenser und die muslimischen Behörden befürchten, dass Israel in Zukunft feste Gebetszeiten für Juden einführen wird. Doch Premierminister Netanyahu, der am Dienstagabend ein Sicherheitstreffen einberufen hat, möchte die aktuell gültige Regelung nicht ändern. Dies hat er am Sonntagabend noch einmal klar gemacht.

 

Am Eingang des Hochplateaus kündigt eine Schrifttafel an, dass der Zutritt für Juden gemäß der Tora verboten ist. (Bild: Donatien Huet/ARTE Info).  

 

Der König von Jordanien, Abdullah II. bin al-Hussein, hat am Montag gegenüber Israel eine Warnung ausgesprochen. Er erklärte, dass jede weitere Provokation die Beziehungen der beiden Länder, die einen Friedensvertrag unterschieben hatten, belasten würde. Im November hatte Jordanien nach vergleichbaren Vorfällen seinen Botschafter abgezogen.

Die Gewaltausbrüche haben in der ganzen Welt Besorgnis ausgelöst. Die Vereinigten Staaten forderten beide Seiten auf, jegliche Art der Provokation zu unterlassen, um den historischen Status quo auf dem Hochplateau in Ost-Jerusalem zu schützen.

 

Den aktuellen Spannungen in Ost-Jerusalem liegen keine religiösen Motive zugrunde. Vielmehr führen unterschiedliche Faktoren zu einer allgemeinen Frustration bei der palästinensischen Bevölkerung. Welche, erklärt unsere Grafik: