|

"Es ist zur Routine geworden"

Länder: Vereinigte Staaten Von Amerika

Tags: Waffen, Waffengesetz

Die Schießerei am College von Roseburg im Bundesstaat Oregon ist keine Ausnahme, sondern Teil des US-amerikanischen Alltags. In 275 Tagen fanden bereits 295 Massenschießereien statt.

 

Wieder ein Schulmassaker in den Vereinigten Staaten. Die Schüsse im Umpqua Community College bei Roseburg, im Bundesstaat Oregon, forderten zehn Menschenleben. Präsident Barack Obama zeigte sich in seiner Reaktion auf die Tragödie beinahe machtlos"Es ist zur Routine geworden (...). Die Berichterstattung ist Routine. Meine Reaktion hier an diesem Podium ist letztendlich Routine. Wir sind abgestumpft." Mit diesen Worten zog er am 1. Oktober eine bittere Bilanz der letzten Monate. Alleine im Jahr 2015 ereigneten sich 45 Schießereien an US-amerikansichen Schulen. 

294 Massenschießereien in 274 Tagen

Die Washington Post weist auf ihrer Internetseite auf eine weitere Zahl hin: In 275 Tagen des laufenden Jahres 2015 kam es in den USA zu 295 Massenschießereien. Dazu zählen Schießereien, bei denen vier oder mehr Menschen verletzt oder getötet werden. Die Zeitung bezieht sich dabei auf die Statistikseite Mass Shooting Tracker.

 

Warum ein strengeres Waffengesetz in weiter Ferne liegt

Wie soll es nun weitergehen? Barack Obama betonte in seiner Rede nach dem Massaker erneut die Notwendigkeit eines schärferen Waffengesetzes: "Unsere Gebete werden nicht verhindern, dass wieder ein solches Gemetzel in Amerika angerichtet wird - nächste Woche oder in ein paar Monaten." Allerdings wirkte der US-Präsident dabei passiv und seine Worte nüchtern. Denn dass eine Gesetzesrevision in den USA wirklich erfolgreich umgesetzt wird, ist unwahrscheinlich. 2012 scheiterte Obama mit einem neuen Gesetzesentwurf im Senat. Seither hat er keinen neuen Versuch unternommen. Sein Kampf gegen die Waffenlobby scheint aussichtslos. 

 

Lobbyisten fordern mehr Waffen an den Schulen

Während Barack Obama desillusioniert wirkt, läuft die PR-Maschinerie der Waffenlobbyisten auf Hochtouren. Am Tag des Massakers von Roseburg lud die NRA (zu deutsch: Nationale Gewehr-Vereinigung) ein neues Schulungsvideo für den optimalen Gebrauch von Schusswaffen auf Youtube hoch. Die Gewehr-Vereinigung ist in der Gesellschaft tief verankert und hat in den USA weit über 4 Millionen Mitglieder. Der Einfluss ihrer Lobbyisten reicht weit in die politischen Gremien hinein. 

Und die Lobby hat ihre eigenen Vorstellungen von einer Antwort auf die zunehmende Gewalt: Schusswaffen überall in den USA legalisieren, Lehrer und Schüler ausrüsten und im Umgang mit Waffen ausbilden. Denn Waffenbesitz sei "ein menschliches Grundrecht", erklärte der junge NRA-Lobbyist Billy Johnson. Eine andere Aktivistin versucht den Menschen in einer vierminütigen Video-Präsentation die Angst vor Waffen zu nehmen.

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016