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Ermittlung – Griechenland im Schoße Russlands

Länder: Grèce

Tags: Syriza, Alexis Tsipras, Vladimir Poutine, Russland, Umweltschutz

Seit dem ersten Wahlsieg von Syriza im Januar 2015 ist der Einfluss Moskaus auf Athen den EU-Regierungschefs ein Dorn im Auge.

 

Die Szene hatte in Europa für Aufregung gesorgt: Alexis Tsipras auf Moskaubesuch am 8. April 2015, Lächeln und Händeschütteln mit Wladimir Putin. An diesem Tag stellte sich der griechische Premier sogar auf die Seite Russlands, gegen die wegen der Ukraine-Krise gegen Russland verhängten neuen europäischen Sanktionen: „Wir sind gegen den Grundsatz der Sanktionen und haben darüber bereits offen mit unseren Partnern gesprochen“, erklärte er öffentlich. Seither fragt sich die europäische Presse, ob Griechenland mit der linksgerichteten Regierungspartei Syriza, die im Januar 2015 erstmals die Parlamentswahlen gewonnen hatte, nicht zum trojanischen Pferd Russlands in der EU geworden ist.

 

„Weshalb Putin der große Gewinner der griechischen Wahlen ist“ titelt ein Erklärungsversuch der amerikanischen Website Foreign Policy, zitiert von France 24 online. Auch Timothy Ash, Analyst der Standard Bank und Experte für Schwellenmärkte, vertritt die Meinung, dass der griechische Schmusekurs mit Russland ein sehr gefährliches Spiel für Europa sei. Viele Beobachter hielten die Annäherung von Athen und Moskau für logisch, heißt es weiter in der News-Website: Die griechische linksgerichtete Partei hegte seit Sowjetzeiten eine gewisse Zuneigung für den Kreml. Nach Ansicht von Anel bzw. den Unabhängigen Griechen, der rechtspopulistischen griechischen Koalitionspartei, die zusammen mit Syriza die Regierung bildet, teilen Griechenland und Putins Russland „zivilisationistische“ Werte auf der Grundlage des christlich-orthodoxen Erbes beider Länder.

 

Russland lauert auf Privatisierungen

 

In Europa ist der russische Einfluss vor allem wirtschaftlicher Natur – und betrifft hauptsächlich den Energiesektor. Dieser Trend bestätigt sich umso mehr, als Griechenland unter dem Druck der Troika eine engagierte Privatisierungspolitik betreibt und Investoren sucht – z. B. für die griechische Eisenbahn oder den Hafen von Thessaloniki.  Im Juli 2015 hatte der Diplomat Vladimir Tchijov in der News-Website Sputniknews die Position Russlands zu diesem Thema erläutert: „Russland ist bereit, mit Griechenland zu kooperieren. Soweit ich weiß, hat Griechenland keine Finanzhilfe von Russland erbeten, aber wir können unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit intensivieren. Griechenland bietet uns eine Beteiligung an der Privatisierung von Infrastrukturen an, insbesondere bei der Eisenbahn und dem Hafen von Thessaloniki.“ 

 

Zuletzt geändert am 17. Januar 2017