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Erdbeben in Nepal - Zahl der Toten steigt weiter

Länder: Nepal

Tags: Erdbeben, Nepal, Himlaya

Ein schweres Erdbeben im Himalaya hat am 25. April über 5 000 Menschen allein in Nepal das Leben gekostet. Besonders schwer getroffen wurde die nepalesische Hauptstadt Kathmandu. Auch in Indien, der chinesischen Region Tibet und Bangladesch kamen Menschen ums Leben.

Ein Erdbeben der Stärke 7,9 hat an diesem Samstag gegen die Mittagszeit den Himalaya-Staat Nepal erschüttert. In der Hauptstadt Kathmandu stürmten überall Menschen auf die Straße, alte Gebäude, Gemäuer und historische Tempel stürzten ein, die Straßen rissen auf, der Verkehr kam zum Erliegen. Am Dienstag war die Zahl der Todesopfer auf mindestens 5 000 gestiegen. Nepals Regierung befürchtet bis zu 10 000 Toten.

 

Unsere Reporterin Laure Siegel​ ist vor Ort. Hier ihre ersten Eindrücke:

"Der Durbar-Platz ist beinahe komplett zerstört. Die größten Tempel sind eingestürzt, der Palast hat riesige Sprünge in der Wand und die Häuser rundherum liegen in Trümmern oder drohen einzustürzen. Das Wahrzeichen der Stadt, der Bhimsen Tower, ist ebenfalls eingestürzt. 

Kurz bevor die Nacht hereinbricht, sind tausende Nepalesen, noch unter Schock hier zusammengekommen. Junge Männer stehen auf riesigen Schutthaufen. Motorräder liegen halb unter dem Mauerwerk begraben. Einheimische machen Selfies und Fotos von den Trümmern ihrer Häuser. Manche weinen, tief bewegt. Auch ein paar Touristen sind mit ihren Fotoapparaten hierher gekommen. Die Stimmung ist unglaublich bedrückend. Keine Panik, kein Geschrei, nur Resignation und Trauer. 

Helikopter kreisen über der Stadt, bis die Nacht hereinbricht. Einige wenige Flugzeuge heben ab. Aber kaum wird es dunkel, hört man nur mehr das Bellen von Hunden in den Gassen von Thamel. Die Familien haben Kerzen an Tempeln an allen Ecken der Straße angezündet. Dort harren sie in Decken gewickelt aus. Viele Nepalesen erfahren nach und nach, wie es ihrer Familie in den Dörfern geht. Manche erfahren, dass ihr Bruder oder Cousin das Beben nicht überlebt hat.

Viele Menschen haben sich zum Schlafen in den Garten des Royal Palace zurückgezogen. Manche Touristen haben in den Eingangshallen der Hotels ihre Zelte aufgeschlagen. Die meisten Einwohner und Besucher Kathmandus werden heute ohne Dach über dem Kopf schlafen.  Auch die französische Botschaft rät dazu, im Freien zu schlafen."

 

Der kulturell bedeutende Durbar-Platz im Zentrum der Stadt, Teil des Unesco-Weltkulturerbes, sei nicht mehr wiederzuerkennen, twitterte auch der Autor Kashish Das Shrestha vor Ort.

 

Durch das Beben löste sich auch eine Lawine am Mount Everest und verschüttete mehrere Bergsteiger. Zehn Menschen starben dabei. Auch auf indischer Seite sprachen die Behörden von vier Toten, in China und Bangaldesch kam je eine Frau ums Leben. In Savar, nahe Bangladeschs Hauptstadt Dhaka wurden 25 Textilarbeiterinnen verletzt, als sie aus ihrer Fabrik flüchteten. 

Inzwischen haben die Bergungsarbeiten begonnen, Nepals internationaler Flughafen, der wegen Nachbeben zwischenzeitlich geschlossen war, wurde am Nachmittag teilweise wieder geöffnet. Indien kündigte an, Nahrungsmittel, Wasser, Rettungsausrüstung, Spürhunde und medizinisches Personal zu schicken. Auch Deutschland will sofort ein Einsatzteam zusammenstellen. 

 

 

Zuletzt geändert am 12. Oktober 2017