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Ende der Visumspflicht für Moldauer

Länder: Moldau

Tags: Schengen, Chisinau, Visa, Moldau

Die Bestimmung, vom Europaparlament abgesegnet, trat am Montag, dem 28. April in Kraft. Moldauer, die für weniger als drei Monate in einen Schengen-Staat einreisen, brauchen dazu kein Visum mehr. Welche Folgen wird das haben? In Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldau, wurde die Aufhebung der Visumspflicht – vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen Russland und der EU – gefeiert.


Ab heute sind die Moldauer, unabhängig von der Sprache, die sie sprechen, von ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihrem Wohnort, ein Stück freier.“ Mit diesen Worten begrüßte Regierungschef Iurie Leanca das Ereignis. In Chisinau wird es festlich begangen, mit einem Konzert auf dem Stadtplatz unter dem Riesenplakat, das verkündet: „Ohne Visum in die Union!“ Zahlreiche Moldauer erwarteten diese Erleichterung mit Ungeduld, vor allem unter den rumänisch-sprachigen, die zwei Drittel der vier Millionen Einwohner stellen. Viele von ihnen studieren oder arbeiten in Rumänien, Italien und Spanien. 

 

Nach dem Zusammenbruch der UDSSR 1991 wurde die Ex-Sowjet-Republik ein unabhängiger, aber auch einer der ärmsten Staaten Europas. Er hängt am Tropf ausländischer Investoren, angesichts hoher Arbeitslosigkeit träumen viele vom Ausland, von der Union. Doch die vergibt ihre Visa nur sparsam. Moldau war lange an Rumänien angeschlossen, gehört aber nicht zur Schengen-Zone. Wer als Moldauer auch nur drei Tage in Bukarest verbringen will, muss beweisen, dass er daheim ein Bankkonto oder ein Haus besitzt oder verheiratet ist – Garantien dafür, dass er nicht gleich in Rumänien bleibt. Ein bürokratischer Spießrutenlauf und ein teurer Spaß für die Moldauer, die im Schnitt 180 Euro im Monat verdienen.

 

Nach dieser Reform müssen die Moldauer nicht mehr gleich um die rumänische Staatsbürgerschaft ansuchen - das haben nämlich viele getan, weil sie als Rumänen leichter an ein Visum kamen“, erzählt Gerhard, ein junger Deutscher, der vor drei Jahren als Zivildiener nach Chisinau kam und in Moldau geblieben ist. Er unterrichtet Englisch und kümmert sich um Kinder, die hier häufig sich selbst überlassen sind. Er meint, dass die Moldauer vor allem als Touristen von der Öffnung der EU profitieren werden. Auch wenn hier, wie er hinzufügt, „kaum jemand die Mittel zum Reisen hat“. Wer länger als drei Monate im Ausland bleiben will, braucht dafür auch weiter ein Studenten- oder Arbeitsvisum.

 

Am Flughafen Chisinau herrschte am Montag reger Betrieb, weil die Moldauer die neue Freiheit sofort genießen wollten. Viele flogen nach Italien - oder auch nach Griechenland, wie zum Beispiel eine Gruppe von Politikern, Studenten, Angehörigen von Migranten und Journalisten. Sie gehören zu einer Delegation, die im Rahmen des Programms „Ohne Visum in die Union“ nach Athen reist - auf Staatskosten und zur Feier einer Entscheidung, die die moldauer Regierung als „historisch“ bezeichnet.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016