|

Eisenbahnverbindung Lyon–Turin: Ein Hochspannungsprojekt

Länder: Frankreich, Italien

Tags: No TAV, TGV, Mafia

Die geplante Hochgeschwindigkeitstrasse Lyon-Turin, deren Bau bereits unzählige Male verschoben wurde, ist eine der größten Baustellen Europas. Die Gegner der Trasse finden sie unnötig und zu kostspielig und halten mit ihrer Wut nicht hinter dem Berg. Es geht ihnen um ausufernde Baukosten sowie die Unterwanderung durch die italienische Mafia.

 

Seit mehr als zwanzig Jahren gibt es bereits die Bürgerbewegung „No TAV“ (Nein zum Hochgeschwindigkeitszug). Sie kritisiert die mit dem Bau der Eisenbahn­verbindung Lyon-Turin einhergehenden Umwelt- und Gesundheitsrisiken für das Susatal. Die Aktivisten befürchten vor allem, dass durch die für das Projekt notwendige Tunnelbohrung Asbest und Uran freigesetzt werden könnten. Die Befürworter des Projekts argumentieren hingegen, dass durch die Hoch­geschwindig­keits­verbindung pro Jahr eine Million LKWs weniger den Weg über die Straße nutzen würden. Die Baugegner kritisieren jedoch die Kostenexplosion des Vorhabens. Innerhalb weniger Jahre sind die Baukosten von 12 auf 26 Milliarden Euro gestiegen. Die Folge: Frankreich und Italien haben nun in Brüssel einen Antrag auf Fördermittel eingereicht.

Die „No TAV“-Bewegung kann auf eine gewisse politische Unterstützung setzen. Im März 2013 erfuhr ihre Demonstration einen außerordentlichen Zulauf. Laut der französischen Tageszeitung Libération hatten sich 80 italienische Parlamentarier, darunter mehrheitlich Abgeordnete der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) von Beppe Grillo, dem Demonstrationszug angeschlossen. Doch erreicht haben sie nichts. Das Bauvorhaben wurde nicht gestoppt. Im Gegenteil. Im August 2013 stufte die Regierung Jean-Marc Ayrault den Tunnel zwischen Frankreich und Italien als dringliches Vorhaben im öffentlichen Interesse ein, wie das Online-Magazin Slate.fr berichtete.

 

Die Mafia in den Startlöchern

Laut Richter, wurden im Juli diesen Jahres 20 Personen der Absprache mit der Mafia und illegaler Abfallentsorgung beschuldigt. Durch Subunternehmen ist es der kalabrischen Mafia, ‘Ndrangheta, gelungen, das Projekt zu unterwandern. Die Justiz konnte das Netzwerk zerschlagen und das Unternehmen Lyon-Turin Ferroviaire versichert, dass die Kontrollen verstärkt wurden...

Nadine Ayoub

 

Zuletzt geändert am 17. Januar 2017