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Eine Woche mit Philippe Jaroussky

Länder: Frankreich

Tags: Theodora, musique, Philippe Jaroussky

Philippe Jaroussky ist einer der berühmtesten Counter-Tenöre der Welt. Am "Théatre des Champs-Elysées" singt er den Hauptpart in Händels Oratorium "Theodora". In unserer Kulturserie begleiten wir ihn während der Proben:

"Theodora" von Georg Friedrich Händel

Champs Elysées Theater Paris,
vom 10. bis 20. Oktober 2015
Unter der Leitung von William Christie, inszeniert von Stephen Landgridge. 

Die Handlung: Antiochia im vierten Jahrhundert nach Christus. Einem Dekret des Gouverneurs zufolge soll die Stadt einem neuen Venuskult huldigen. Die edle und reine Theodora, eine zum Christentum konvertierte Römerin, wiedersetzt sich dem Befehl. Sie wird festgenommen und dazu verurteilt, im Tempel der Göttin als Kurtisane zu dienen. Dydimus, der junge römische Zenturio ist unsterblich in Theodora verliebt und beschließt, ihr zur Hilfe zu eilen.  

 

 

 

Um es gleich vorweg zu sagen, dieses Werk ist überwältigend. Zunächst, weil es eines der schönsten Oratorien ist, die Händel je komponiert hat. Es ist ein reifes Werk, eines seiner letzten, er komponierte es mit 64 Jahren. Theodora heute zu hören und zu sehen ist unerlässlich, zum einen, um sich davon zu überzeugen, dass Musik allein eine Handlung erzählen kann, und zum anderen, wie es William Christie ausdrückt, „um das Werk eines großen Humanisten zu entdecken. Man kann sich kein universelleres Werk vorstellen, als diese menschliche Tragödie, sie ist ganz einfach die unsere.“ Ob nun aufgeführt als Bühnenstück oder als Oper, dieses Werk bringt uns einmal mehr die fiktive Handlung nahe. Und durch den Text erschließt sich auch die Realität unseres 21. Jahrhunderts und ihre schreckliche Intoleranz.

Das Bühnenbild dieser Produktion, die in den Händen von Stephen Landgridge liegt, ist schlicht. Mit seinen großen wüstensandfarbenen Stadtmauern gelingt es dem Spektakel, sich überall und nirgends zu verorten. Alles ist kahl und nackt, vielleicht weil die heikle Problematik des Werkes eben dies einfordert: sich ganz auf die Sänger und die Musik zu konzentrieren.

Denn der Mann, der sich dieser Partitur angenommen hat, ist einer der genialsten musikalischen Leiter. William Christie beschäftigt sich schon seit seiner Jugend mit dem Werk. Bereits 1996 gelang ihm zusammen mit Peter Sellers in Glyndebourne eine legendäre Produktion.    

Dieser Mann liebt die Partitur ebenso wie ihre Besetzung. Die Sänger sind sehr jung, das Durchschnittsalter liegt bei etwa 30 Jahren. Theodora (die umwerfende Katherine Watson) und Irene (die beeindruckende Stéphanie d’Oustrac) spielen tadellos. Aber es ist vor allem Dydimus, der uns im Gedächtnis bleibt. Der junge römische Zenturio wird dargestellt vom Protagonisten unserer wöchentlichen Serie: Philippe Jaroussky, eine außergewöhnliche, ja engelsgleiche Stimme, die eines Countertenors, der, auch wenn er schon Purcell gesungen hat, sich zum ersten Mal der Herausforderung stellt, ein Oratorium auf Englisch zu singen.

Die ganze Woche folgen wir ihm, bei der Erkundung der Bühne und bei der Zusammenarbeit mit dem Regisseur und dem Maestro. 

  

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Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016