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Eine Fotoschule in der Favela

Länder: Brasilien

Tags: Fotografie, favela

Vor ein paar Monaten haben die Polizei von Rio und die brasilianische Armee – insgesamt 1.500 Mann und 15 Panzer – Da Maré eingenommen. Seitdem steht die Favela mit ihren 130.000 Einwohnern im Rampenlicht. Da Maré ist eine Drogenhochburg und gilt als eine der gefährlichsten Favelas von Rio. Sie liegt in der Nähe des Flughafens an einem strategischen Knotenpunkt zwischen verschiedenen Verkehrsadern. Jeden Tag fahren zehntausende Menschen an diesem Elendsviertel vorbei.

Joao Roberto Ripper wollte Da Maré in ein anderes Licht rücken. Vor zehn Jahren hat der Künstler, der sich mit seinen Fotografien von brasilianischen Arbeitern einen Namen gemacht hat, eine Fotoschule in der Favela gegründet. Sein Ziel: den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, den Beruf des Fotografen zu erlernen und damit einen Fuß in die Arbeitswelt zu setzen – aber nicht nur.

Die Schule will auch mit den Vorurteilen von Gewalt, Drogen und Waffen aufräumen. Sie will den unter Diskriminierung leidenden Einwohnern ihre Würde zurückgeben. Dieser neue Blick, mit dem die Realität und der Alltag des Elendsviertels festgehalten werden, soll es den Einwohnern ermöglichen, sich besser in die Gesellschaft zu integrieren. Mit simplen Lochkameras aus alten Milchpulverdosen kommen die Kinder mit Kunst in Berührung. Joao Roberto Ripper ist davon überzeugt, dass die Schule den Jugendlichen damit ein wichtiges Recht einräumt – und zwar die Meinungsfreiheit.

Seit 2004 haben mehr als 200 Jugendliche in dieser Schule ihren Abschluss gemacht. 40 von ihnen arbeiten mittlerweile sogar hauptberuflich als Fotografen.

"Imagens do povo" ("Bilder des Volkes") ist die erste kostenlose Fotoschule in den brasilianischen Favelas. Sie ist auch eine Fotoagentur, die über ein Archiv von rund 10.000 Bildern verfügt.

Brésil : des clichés loin des clichés

 

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016