|

Ein Traum wird Wirklichkeit

Länder: Welt

Tags: Paralympics, Flüchtling, sport

Sie steht für Mut, Entschlossenheit, Inspiration und Gleichheit auf globaler Ebene – die kleine Mannschaft der "Independent Paralympics Athletes", das erste Flüchtlingsteam bei Paralympischen Spielen. Im Team: Der Schwimmer Ibrahim Al Hussein aus Syrien und der Diskuswerfer Shahrad Nasajpour aus dem Iran. Mit Blick auf den am Mittwoch beginnenden Wettkampf in Rio, stellen wir einen der Sportler vor: 

Der Schwimmer aus Deir ez-Zor

So lange Ibrahim Al Hussein denken kann, hatte er einen Traum: Schwimmen bei Olympia. Für sein Land – Syrien. Der heute 27-jährige wuchs in Deir ez-Zor, einer am Euphrat gelegenen Stadt im Osten Syriens, auf. Der Fluss wird für Ibrahim der Startblock seiner Karriere sein, denn dort lernten er und seine dreizehn Geschwister von ihrem Vater das Schwimmen. Darauf folgte hartes Training mit dem Wunsch, eines Tages olympischer Athlet zu werden. Doch dann kam der Krieg und mit ihm, zumindest vorerst, das Ende seiner Sportlerkarriere: Als der junge Syrer während eines Bombenangriffs versuchte, einem verletzten Freund zu helfen, verlor er selbst ein Bein. Von der Wade abwärts musste sein rechtes Bein amputiert werden. "Das Ganze war wie ein Test", sagt er heute. Ein harter Test, den er zu Beginn nicht akzeptieren wollte, dessen Herausforderung er jedoch bald annahm. "Ich versuchte und versuche so zu leben, als wäre alles ganz normal." Doch jemals wieder schwimmen, geschweige denn an einem Wettkampf teilnehmen zu können, glaubte er nicht.

 

Zwischen Flucht und der Erfüllung eines Traumes

Ein Jahr später floh Ibrahim Al Hussein in die Türkei, brachte sich dort wieder das Laufen bei und floh 2014 mit einem Schlauchboot weiter nach Griechenland. Zu diesem Zeitpunkt hatte er nur ein Ziel: sich ein neues Leben aufbauen. Ein Wunsch, der bald Wirklichkeit werden sollte: Noch im selben Jahr wurde ihm in Griechenland Asyl gewährt, er zog nach Athen, bekam dort eine passende Prothese und begann – nach fünf Jahren Pause und wider seiner Erwartungen – erneut zu Schwimmen. In einer Liga für Menschen mit Behinderung.

Seine Erwartungen sollten sogar noch übertroffen werden: Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) nominierte Ibrahim Al Hussein für die Paralympics 2016. Dort tritt er nun als einer von zwei Sportlern im Team der "Independent Paralympics Athletes" an. "Eine unglaubliche Ehre", die für den Syrer bereits im April diesen Jahres begann: Als das Olympische Feuer in Athen entfacht wurde, trug er die Flamme durch das von 1.500 Flüchtlingen bewohnte griechische Camp Eleonas – "für mich, für alle Syrer, alle Flüchtlinge, für Griechenland und für meine Teams".

 

Premiere: Sportler, die keine Nation verteten 

Yonas Kindé, Sportler ohne Nation

Der äthiopische Flüchtlinge Yonas Kindé ist bei den Olympischen Spielen für den sagenumwobenen Marathonlauf angetreten. Wir haben ihn im Vorfeld beim Training getroffen.  

Dass bei den Paralympics, genauso wie bei den Olympischen Spielen vor knapp drei Wochen, auch Sportler, die keine Nation vertreten, an den Start gehen dürfen, ist ein Novum. Bisher blieb solchen Athleten die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen verwehrt. In einer Zeit jedoch, in welcher mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht sind, änderte das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Teilnahmevoraussetzungen für die Spiele sowie die Paralympics: Wer als Flüchtling anerkannt ist und sich sportlich qualifiziert, kann Teil der "Independent Paralympics Athletes" sein.

Und so wird Ibrahim Al Hussein am Mittwochabend bei der Eröffnungszeremonie der Spiele im Maracana-Stadion von Rio unter der Paralympischen Flagge einlaufen, mit 4.300 Sportlern aus über 160 Ländern im Athletendorf wohnen und endlich seinen Wunsch verwirklichen: Bei Olympia antreten, in 50 und 100 Metern Freistil (17. und 16. September).

"Es ist unglaublich zu beschreiben, welche Ehre ich fühle", sagt Ibrahim. Er hat jetzt einen neuen Traum: "Andere Flüchtlinge zu inspirieren ihre Träume weiterzuverfolgen."

Zuletzt geändert am 7. September 2016