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Ein neuer "Dschungel" an der italienisch-französischen Grenze

Länder: Italien

Tags: Flüchtlingskrise, Menton, Ventimiglia, Côte d'Azur, Flüchtlinge

Seit Ende 2015 kontrolliert Frankreich seine Grenzen wieder. Die Maßnahme dient offiziell der Sicherheit und der Bekämpfung des Terrorismus. Doch im italienischen Ventimiglia hat sie eine Nebenwirkung: Migranten, die nach Frankreich wollen, werden systematisch aufgegriffen und nach Italien zurückgeschickt. Hunderte von ihnen sitzen deshalb in sehr prekären Verhältnissen auf italienischer Seite fest.

Folge 1: Ventimiglia, das italienische Calais ?

 

Migranten sind für die Bewohner des italienischen Grenzstädtchens Ventimiglia nichts Neues. Neu ist, dass sie nicht mehr nur durchziehen. Seit Frankreich an seinen Grenzen wieder kontrolliert,  sitzen fast tausend Flüchtlinge in Ventimiglia fest. Der italienische Staat hat für sie ein Lager errichtet. Doch weil sie fürchten, dass ihnen dort Fingerabdrücke abgenommen werden, leben viele lieber auf der Straße. Ohne die Hilfe von Freiwilligen kämen sie nicht über die Runden. Doch mit dem Flüchtlingsdruck wächst auch der Unmut in der Bevölkerung.

 

Vintimille, un Calais italien ?
Ventimiglia, das italienische Calais? An der italienischen Grenze zu Frankreich droht durch die ungebrochene Ankunft von Migranten eine Katastrophe.  Ventimiglia, das italienische Calais?

 

 

Folge 2 : Über die Grenze, um jeden Preis

 

Mit dem Schengen-Raum haben wir fast vergessen, was Grenzkontrollen überhaupt sind. Doch wer über die italienisch-französische Grenze will, muss Kontrollposten passieren und den Kofferraum seines Wagens öffnen. Polizei, Gendarmerie und zur Terror-Vorbeugung eingesetzte Soldaten wachen darüber, dass niemand illegal nach Frankreich gelangt. Die Zugpassagiere werden kontrolliert, die Polizei durchsucht alle Waggons, in sämtlichen Bahnhöfen zwischen Menton und Nizza. Die Migranten ihrerseits wollen um jeden Preis nach Frankreich. So riskieren Nacht für Nacht Menschen ihr Leben auf den gefährlichen Gebirgspfaden, die über die Grenze führen.

 

Traverser la frontière à ses risques et périls
Über die Grenze, um jeden Preis Obwohl Frankreich 2015 die Grenze zu Italien geschlossen hat, riskieren Migranten jede Nacht die Überquerung. Über die Grenze, um jeden Preis

 

 

Folge 3: Der Asylantrag – ein Spießrutenlauf

 

Die meisten, die es über die Grenze schaffen, werden von der französischen Polizei aufgegriffen und zurückgebracht, bevor sie überhaupt einen Asylantrag stellen können. Dagegen regt sich seit einigen Monaten Widerstand. Bürgerinitiativen und Hilfsvereine erinnern daran, dass Flüchtlinge ein Recht darauf haben, einen Asylantrag zu stellen. Seit das Verwaltungsgericht Nizza den Präfekten der Region wegen "schwerer Verstöße gegen das Asylrecht" verurteilt hat, ändern sich die Dinge allmählich. Cédric Herrou und die anderen Aktivisten der "Bürgerinitiative Roya" wollen weiter dafür kämpfen, dass der französische Staat geltendes Recht respektiert.

 

Demander l'asile, mission impossible ?
Asylantrag, ein Spießrutenlauf ? In Südfrankreich bemängeln Vereinigungen die systematische Rückweisung von Migranten nach Italien. Asylantrag, ein Spießrutenlauf ?

 

 

 

 

Zuletzt geändert am 28. August 2017