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Ein Film über menschliche Schwäche

Länder: Vereinigte Staaten Von Amerika

Tags: Wein, Skandal, Fälschung

Nach dem Film "How to change the world" hat der britische Regisseur Jerry Rothwell den Dokumentarfilm "Etikettenschwindel – der große Weinskandal" gedreht. Arte Thema hat mit dem Filmemacher über seine Eindrücke in dieser Welt der Superreichen gesprochen, die kaum für Außenstehende zugänglich ist.

Bis zu dem Film kannten Sie diese exklusiven Weinzirkel gar nicht. Was hat Sie bei den Dreharbeiten am meisten überrascht?

Ich dachte am Anfang, die Sammler kaufen und verkaufen diesen Wein. Eine Flasche kostet ja leicht 100 000 Euro. Aber nein, die Flaschen werden gekauft, geöffnet und getrunken!  So werden manchmal 300 000 Euro an einem Abend konsumiert. Ich war sprachlos. Aber man muss sagen, dass das auf dem Höhepunkt des Finanzbooms war. Seitdem hat sich der Konsum wohl ein bisschen beruhigt. Obwohl die Ungleichheit ja weiter wächst und die Reichen immer reicher werden…

 

Konnten Sie selbst auch sehr teuren Wein probieren?

Ich bin der Meinung, dass die Nuancen im Hochpreissegment kaum zu erkennen sind. Bei allem über 100 Dollar passe ich.

 

Ich habe nie diese gigantisch teuren Flaschen getrunken, aber durchaus teuren Wein. Dabei ist mir selbst schnell klargeworden, wie schwierig es ist, den Geschmack und vor allem den Wert des Weins zu schmecken. Ich bin der Meinung, dass die Nuancen im Hochpreissegment kaum zu erkennen sind. Bei allem über 100 Dollar passe ich. In dem Film ging es mir auch darum zu zeigen, dass Geschmack sehr stark vom Kontext abhängt. Der Mensch ist sehr beeinflussbar. Und der Film zeigt diese menschliche Schwäche.

 

Der Film zeichnet sich auch durch viele sehr persönliche Szenen mit dem Weinfälscher Rudy Kurniawan aus. Wie ist es Ihnen gelungen, an dieses sehr authentische Material zu kommen?

Als ich begann zu recherchieren, war es zu spät, an Bildmaterial zu kommen, das noch aus der Zeit davor stammt, also aus der Zeit des großen Rauschs. Durch Zufall erfuhren wir aber, dass eine US-Reality Show für einen Pilotfilm über die Weinwelt bei Weinproben mit Rudy gedreht hatte. Und es gelang uns schließlich, das Material zu kaufen.

 

Der Fall hat diese Weinwelt zutiefst erschüttert. Welche Folgen hat das für den Markt heute? Was hat sich verändert?

Während die Auktionshäuser sich vorher von Verantwortung über die Echtheit der verkauften Objekte freisprechen konnten, müssen sie nun dafür bürgen.

 

Alle sind vorsichtiger geworden, die Sammler, die Winzer und die Auktionshäuser. Bei den letzteren hat sich auch juristisch etwas getan: Während sie sich vor dem Skandal von Verantwortung über die Echtheit der zu verkaufenden Objekte freisprechen konnten, müssen sie nun dafür bürgen. Einige Auktionshäuser wie Sotheby‘s sind gut aus dem Skandal herausgekommen, weil sie sehr schnell reagiert haben. Andere waren langsamer – sie sitzen nun auf Rudys Fälschungen, von denen sich ja unzählige Flaschen noch auf dem Markt befinden. Und es gibt auch einen neuen Fall in Hong Kong, der auch mit Rudy zu tun hat. The story goes on….

Zuletzt geändert am 12. September 2016