Ein Baby ganz nach Maß

ARTE Reportage - Samstag, 4. April 2015 - 17:05

Länder: Großbritannien

Tags: Großbritannien, Designer-Baby, Drei-Eltern-Kind

Am 3. Februar stimmte die Mehrheit der Abgeordneten im britischen Parlament für das sogenannte "Drei-Eltern-Kind". Damit ist Großbritannien das erste Land, in dem im Labor künftig Eizellen mit der DNA von drei Elternteilen befruchtet werden dürfen, um dadurch die Übertragung schwerer Erbkrankheiten zu verhindern. Viele feiern das als medizinischen Fortschritt, andere warnen, dies ebne den Weg zum Designer-Baby.  

 

Bébé sur mesure

 

In Großbritannien kommen jedes Jahr gut 125 Kinder mit einer schweren Fehlfunktion der Mitochondrien zur Welt, das sind die winzigen Kraftwerke in den Zellen, die Glukose in Energie verwandeln. Wenn sie nicht richtig funktionieren, dann kann das zu Diabetes oder Muskelschwäche führen. Die Fehlfunktion der Mitochondrien wird von der Mutter vererbt. Deshalb ersetzen die Mediziner die defekte Mitochondrie aus der Eizelle der Mutter durch die aus der Eizelle einer "Spender-Mutter" und befruchten die reparierte Eizelle im Reagenzglas.

Diese Technik verhindert Krankheit und Leid – aber sie ist natürlich auch ein Schritt in Richtung der künftigen Kontrolle der körperlichen Eigenschaften des Nachwuchses: In Kalifornien etwa können sich Eltern Ei- und Samenzellen nach Maß aussuchen, athletischer Körperbau, hoher IQ, Junge oder Mädchen, die Farbe der Augen…
In Frankreich und Deutschland ist das alles noch verboten – aber wer weiß heute schon, wie wir angesichts des medizinischen Fortschritts in 10 oder 20 Jahren darüber denken werden? Das Baby ganz nach Maß steht im Grunde auch bei uns schon in der Startlöchern…

Von Raphaël Hitier – ARTE GEIE / Scientifilms – Frankreich 2015 

Raphaël Hitier über seine Reportage 

 

Gesund wie aus dem Katalog

"Präimplantationsdiagnostik", kurz PID, heißt das Zauberwort, um Paaren, die Träger einer schweren Erbkrankheit sind, gesunden Nachwuchs zu garantieren.

Diese Technik kann nur bei Embryonen angewendet werden, die mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung in vitro gezeugt wurden. Dem Embryo werden vor dem Einpflanzen in die Gebärmutter Zellen entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. In vielen Ländern ist diese Methode erlaubt, um Erbkrankheiten auszuschließen - auch in Deutschland und Frankreich.

Doch nicht nur für die Gesundheit des Neugeborenen kann die PID wertvolle Informationen liefern. Mit ihrer Hilfe zeugten Eltern aus Großbritannien 2001 einen Kind, das die nötigen Merkmale aufwies, um ihren an Leukämie erkrankten Sohn zu heilen: Ein nach Maß geschneiderter Spender aus dem Mutterleib.

In den USA geht die PID noch viel weiter: die Eltern können dort mit Hilfe dieser Untersuchungsmethode das Geschlecht ihres zukünftigen Kindes bestimmen oder gar ein bestimmtes Merkmal wie blaue Augen vorab auswählen. Nur Föten, die die gewünschten Merkmale aufweisen, werden auch in die Gebärmutter verpflanzt.

Sehen Sie in unserer Tabelle, in welchen Ländern die PID erlaubt ist um schwerwiegende Erbkrankheiten auszuschließen, in welchen Ländern mit Hilfe der PID immunkompatible Embryonen ausgewählt werden dürfen, in welchen Ländern mit dieser Methode das Geschlecht und andere physische Eigenschaften vorab bestimmt werden können und wo die PID verboten ist.

 

 

In den USA können die Eltern Geschlecht und Augenfarbe auswählen. Das ist in Europa weitgehend illegal. Doch einige Merkmale ihres zukünftigen Nachwuchses können sie auch hier beeinflussen: Einige Samenbanken bieten ihren Kunden an, den Spender nach seinen physischen Merkmalen auszusuchen und manche stellen den Eltern sogar Kinderfotos der Spender zur Verfügung, um ihnen die Wahl zu erleichtern.

 

 

Ein Internetdossier von Uwe-Lothar Müller, Janina Schnoor und Donatien Huet. 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016