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Ebola in Europa

Länder: Europäische Union

Tags: Ebola

Eine spanische Pflegehelferin ist die erste, die sich mit dem Ebola-Virus auf europäischem Boden infiziert hat. Kritik am spanischen Gesundheitssystem hat Ministerpräsident Mariano Rajoy indes zurückgewiesen und eine "totale Transparenz" versprochen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus auch in Europa ausbreiten könnte, sehen sowohl Brüssel als auch die Weltgesundheitsorganisation als sehr gering an.

Neben der Ebola-Kranken sind inzwischen fünf Patienten zur Beobachtung in der Isolierstation der Carlos-III-Klinik: der Ehemann der Pflegehelferin, drei ihrer Kolleginnen und ein aus Nigeria heimgekehrter Spanier. Die Pflegehelferinnen sollen zu dem Team gehört haben, das zwei mit Ebola infizierte Geistliche behandelt hatte. Spanien hatte die zwei Missionare aus Westafrika ausfliegen lassen, wenig später starben beide Männer.

 

Wir sollten die Mediziner ihre Arbeit tun lassen. 

Mariano Rajoy, Spaniens Regierungschef. 

Ausziehen der Schutzkleidung kritisch

Wie sich die Pflegehelferin trotz strikter Sicherheitsanweisungen anstecken konnte, ist bisher noch nicht geklärt. Ein Sprecher der europäischen Kommission, die sich eingeschaltet hatte, bescheinigte den spanischen Behörden, dass sie alles Nötige zur Aufklärung des Falles tun. Die Frau könnte sich beim Ausziehen der Schutzkleidung angesteckt haben, laut Bundeswehr-Ärztin Dorothea Wiemer ein kritischer Punkt. Am spanischen Gesundheitswesen liegt es, zumindest für den Regierungschef, jedenfalls nicht. Im Parlament sagte er, es sei eines der besten der Welt. Und: "Wir sollten die Mediziner ihre Arbeit tun lassen".

 

Ebola-Behandlung in Europa

Die Pflegehelferin ist nicht die einzige Ebola-Kranke, die in Europa behandelt wird. In den letzten Monaten hat Spanien mehrere Personen aus Westafrika eingeflogen, in Deutschland wird am Donnerstag der dritte Patient ankommen. Der UN-Mitarbeiter aus Liberia soll in Leipzig behandelt werden. Ein Arzt aus Uganda liegt derzeit in Frankfurt am Main auf einer Seuchenstation, und ein Erkrankter aus dem Senegal wurde nach fünf Wochen Behandlung gesund aus einer Hamburger Klinik entlassen. Auch Frankreich, Großbritannien und Norwegen haben Ebola-Infizierte aufgenommen.
 


 
Ausbreitungsrisiko in Europa extrem gering

Das Risiko einer Ausbreitung von Ebola in Europa ist vermeidbar und extrem gering.

Zsuzsanna Jakob, WHO-Regionaldirektorin für Europa.

Das Risiko, dass sich das Virus auch in Europa verbreiten könnte, sehen sowohl Brüssel als auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als sehr gering an. Die europäischen Gesundheitssysteme seien "leistungsfähig und effektiv", so EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg. Sporadische Fälle von Ebola in Europa sind allerdings laut der WHO-Regionaldirektorin für Europa, Zsuzsanna Jakob, unvermeidbar. "Dennoch, das Risiko einer Ausbreitung von Ebola in Europa ist vermeidbar und extrem gering".

 

216

Pfleger fielen dem Ebola Virus bislang zum Opfer. 

 

Zahlen und Fakten

Laut einer Bilanz der WHO vom ersten Oktober sind seit dem Ausbruch der Epidemie in Westafrika fast 3.500 von knapp 7.500 gemeldeten Ebola-Infizierten gestorben, in Liberia, Guinea, Sierra Leone, Nigeria und dem Senegal. Darunter 216 Pfleger. Um die Epidemie wirkungsvoll bekämpfen zu können, veranschlagen die Vereinten Nationen 988 Millionen Dollar. Wie die UN-Nothilfekoordination mitteilte, gingen davon jedoch erst 256 Millionen Dollar ein.
 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016