Ebola: Das Rennen gegen den Tod

Länder: Frankreich, Guinea, Japan

Tags: Ebola, Impfstoff, épidémie

5000 Frauen, Männer und Kinder starben an Ebola, seit die Krankheit Anfang dieses Jahres in Guinea ausbrach - noch immer tötet sie 90 Prozent der Menschen, die sich mit dem Erreger infizieren.  Die Wissenschaftler in den Pharmalabors in der ganzen Welt suchen dringend ein Medikament gegen das Virus. 

Ebola : La Course Contre La Mort

 

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"Kampf gegen Ebola", unsere Dossier über die Epidemie.

Die nächsten Wochen werden entscheidend dafür sein, ob die Epidemie noch eingedämmt werden kann. Zurzeit verdoppelt sich alle zwei bis drei Wochen die Zahl der Ebola-Infizierten – von heute geschätzt 15.000 heute könnte sie bis Januar 2015 theoretisch auf 1,4 Millionen steigen. Das Virus ist bereits seit 1976 bekannt, doch die Forschungen nach einem Medikament dagegen zogen sich lange dahin – erst jetzt, mitten in der Epidemie, suchen die Wissenschaftler unter Hochdruck nach einem Heilmittel und einem Impfstoff gegen Ebola.   

Unsere Reporter besuchten Labors in der ganzen Welt, in Afrika, den USA, in Japan und in Belgien. In Frankreich erhielten sie exklusiv Zugang zum größten europäischen Hochsicherheitslabor in Lyon, nur hier sind sie dafür ausgestattet, das Virus und die möglichen Gegenmittel an Affen zu testen. Im Militärkrankenhaus Bégin bei Paris drehten sie das Procedere zur Behandlung von Ebola-Infizierten – dort wurde im September die infizierte Krankenschwester von „Ärzte ohne Grenzen“ behandelt, zurzeit liegt dort auch der UNO-Mitarbeiter, der zweite Ebola-Kranke, der nach Frankreich zur Behandlung eingeflogen wurde.     

 

Von Valérie Rossellini und Fabrice Papillon – ARTE GEIE / Scientifilms - France 2014 

Gespräch mit Fabrice Papillon, Wissenschafts-Journalist und Co-Autor der Reportage:

 

„Es ist schon schockierend, dass man nicht früher Impfstoffe oder Behandlungen entwickelt hat, da sie ja sozusagen schon in den Regalen lagen. Anhand von schon bekannten Molekülen und Wirkstoffen wurden in den Laboren Medikamente entwickelt und zum Teil auch schon an Mäusen und Affen getestet. Diese Impfstoffe oder Testbehandlungen, deren Schutz teilweise sogar bei 100% lag, hätten zur Vorbeugung auf den Markt gegeben werden können, noch vor dem Ausbruch der Epidemie. Wegen fehlender Finanzierung aber konnten sie nicht am Menschen getestet werden…“

Valérie Rossellini und Fabrice Papillon haben trotz der Gefahren für die Weltgesundheit bisher keinen Ansturm auf Impfstoffe gegen Ebola beobachtet, wie bei der Vogel-Grippe. Damals wurden Millionen Impf-Dosen produziert und unter teilweise fragwürdigen Umständen an die Regierungen der Länder verkauft. „Auf der ganzen Welt suchen die Wissenschaftler jetzt fieberhaft nach einem Mittel gegen Ebola“, erklärt Fabrice Papillon.

 

Gespräch mit Annick Antierens, Ebola-Koordinatorin Ärzte ohne Grenzen (MSF) Belgien

 

Für Ärzte ohne Grenzen, der ersten NGO, die vor Ort Alarm schlug, kommt die Reaktion der internationalen Gemeinschaft reichlich spät: „Jedes Mal haben wir dasselbe Problem mit den vernachlässigten Krankheiten. Bei Fieberkrankheiten gibt es immer wieder kleinere Epidemien, eine oder zwei pro Jahr, mit jeweils fünfzig Toten. Das reicht nie, um die internationale Gemeinschaft zu berühren, das hat nie einen Einfluss auf die Wirtschaftsmärkte und sie finden immer in Ländern statt, die die Menschen nicht interessieren… Zurzeit gibt es übrigens wieder eine im Kongo und auch ein paar Fälle in Uganda. Doch darum will sich keiner kümmern. Natürlich war eine Ebola Epidemie dieser Dimension wie die jetzige nicht vorhersehbar. Aber wir gingen schon davon aus, dass sie irgendwann mal kommen würde, denn unsere Welt ist immer mehr vernetzt, die Menschen reisen und Epidemien sind nicht mehr lokal eingegrenzt, irgendwo abgelegen im Dschungel.“

Annick Antierens nahm vergangene Woche an einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation teil. Auf der Tagesordnung standen die möglichen Behandlungen gegen Ebola. Zahlreiche Medikamente wurden ursprünglich vom Militär und an Universitäten entwickelt, jeweils staatlich finanziert. Häufig  werden die Formeln dann für wenig Geld an Pharmaunternehmen verkauft, deren Medikamente dann anschließend in den Apotheken stehen. „Die großen Labore sollten nicht mit den Preisen der Medikamente spielen, die ursprünglich mit öffentlichen Geldern für prekäre Gemeinschaften entwickelt wurden. Doch die Tatsache, dass ein Medikament vom Militär entwickelt wurde, stellt für uns kein Problem für unsere Neutralität dar. Unsere Auswahlkriterien sind die Effizienz und die Verfügbarkeit.“

Die Dringlichkeit besteht darin, die neuen Medikamente zu testen und Wirkstoffe zu finden, die dauerhaft die Not der betroffenen Menschen lindern: „Bis vor einigen Wochen, ist die Epidemie exponentiell gestiegen, die Sterblichkeit konnte auf etwas weniger als 50% reduziert werden, wir bieten immer mehr Ärzte auf, doch es reicht nicht. Junge, Alte, Frauen, Pfleger sterben noch immer, aber es gibt auch andere Opfer, von denen man selten spricht. Wir werden nie die genaue Zahl der Infizierten kennen. Außerdem sterben zurzeit auch viele Menschen, die keinen Zugang zum staatlichen Gesundheitssystem haben. Da sind Krankenhäuser geschlossen, da fehlt medizinisches Personal oder es traut sich nicht einzugreifen, aus Angst vor Ansteckung. Da sterben dann Frauen während der Geburt, die einen Kaiserschnitt benötigt hätten, oder Kinder erliegen der Malaria, weil sie keine Pflege erhalten, um nur ein paar Beispiele zu nennen.“

Zurzeit sind noch andere Helfer vor Ort, eine Infrastruktur wird aufgebaut, Personal geschult und zwei Impfstoffe im Eilverfahren getestet. Annick Antierens erklärt, worauf man bei den neuen Behandlungen und Impfstoffen in der Praxis achten muss, zum Wohle der Patienten und auch des Pflegepersonals:

 

 

Chronologie der Epidemie

 

Web-Bonus - eine Fotogalerie der Dreharbeiten in den meist gesichertesten Labore der Welt:

 

Uwe-Lothar Müller, Léa Rauch und Laure Siegel

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016