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Durchbruch in Atomgesprächen mit Iran

Länder: Iran

Tags: Atomkraft, abkommen

Nach langen Verhandlungen haben sich Vertreter der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands letztendlich mit Teheran auf ein Rahmenabkommen geeinigt. Dieses soll bis Ende Juni in ein finales Schriftstück gegossen werden. Die Führungen der beteiligten Staaten haben die Einigung als "historisch" gewürdigt. In Teheran gab es spontane Jubelfeiern. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sieht durch den Deal hingegen sein Land bedroht. Das Rahmenabkommen sieht Begrenzungen sowie Überwachungsmechanismen des iranischen Atomprogramms vor. Im Gegenzug sollen Sanktionen aufgehoben werden.

 

 

 

Es war keine leichte Geburt, doch nun steht die Eckpunkte-Vereinbarung: Der Iran soll binnen zehn Jahren mehr als zwei Drittel der bestehenden Anreicherungskapazitäten stilllegen und mehr als 95 Prozent des angereicherten Urans verdünnen oder ausführen. 

Von den derzeit rund 19.000 Zentrifugen - 10.000 davon sind aktiv - darf Teheran gut 6100 behalten. Für die folgenden 15 Jahre sind Anreicherung sowie Forschung und Entwicklung nur in engen Grenzen und unter strikter Kontrolle der internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) erlaubt.

Grundsätzlich sollen alle nuklearen Aktivitäten des Irans für bis zu 25 Jahre der Überwachung durch die IAEA unterliegen. Sollten die Kontrolleure die Umsetzung der Vorgaben bestätigen, heben EU und USA ihre Wirtschaftssanktionen auf.

Die ersten Reaktionen

Wir sind einer Vereinbarung, die dem Iran den Besitz von Atomwaffen unmöglich macht, so nah wie nie."

Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte den "großen Verdienst aller Verhandlungspartner". Sie erklärte, mit dem Rahmenabkommen "sind wir einer Vereinbarung, die dem Iran den Besitz von Atomwaffen unmöglich macht, so nah wie nie". Auch Barack Obama bezeichnete die Einigung als "wichtigen Fortschritt" auf dem Weg zu einer langfristigen Lösung. Für den US-Präsidenten ist es trotz aller bleibenden Zweifel ein großer Coup:  In einer von der "Washington Post" und dem Sender ABC News in Auftrag gegebenen Umfrage sprachen sich 59 Prozent der Befragten US-Bürger für einen Deal mit dem Iran aus. 

Für Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hingegen gefährde ein finales Abkommen auf der Basis der Rahmenvereinbarung "das Überleben Israels". In einem Telefonat mit Obama sagte er, das Abkommen ermögliche dem Iran die Entwicklung von Atomwaffen und erhöhe die Risiken eines "furchtbaren Kriegs". Teheran werde dadurch der Weg zur Atombombe nicht versperrt, sondern vielmehr geebnet. Auch die Tatsache, dass das Raketenbauprogramm des Irans nicht Gegenstand des Abkommens ist, sehen die Israelis mit Sorge. Der US-Präsident sicherte Netanjahu die Unterstützung der USA für Israels Sicherheit zu. Die Beziehungen Israels zu den USA haben sich wegen des Iran-Abkommens jedoch stark verschlechtert.

In Irans Hauptstadt Teheran gingen unterdessen in der Nacht zum Freitag hunderte Menschen auf die Straße und feierten die Einigung. Es gab Hupkonzerte, Menschen tanzten und sangen. Viele Iraner formten das Siegeszeichen oder schwenkten weiße Tücher. Für sie ist besonders die Aufhebung der Sanktionen wichtig, die der Wirtschaft und damit den Bürgern schwer zu schaffen machen.

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Eine Chronologie zum Streit um das iranische Atomprogramm finden Sie hier.

Langwierige Verhandlungen

Seit Tagen hatten Unterhändler und Außenminister der beteiligten Länder in Lausanne um eine grundsätzliche Einigung in dem seit mehr als einem Jahrzehnt währenden Streit gerungen. Die Eckpunkte-Vereinbarung hätte eigentlich schon Anfang der Woche stehen sollen, doch die Verhandlungspartner hatten Schwierigkeiten, sich in den großen Fragen zu einigen. 

Knackpunkte waren die Laufzeit des Abkommens, die Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen den Iran sowie die Frage, wann diese wieder in Kraft gesetzt werden, sollte sich der Iran nicht an die Vereinbarungen halten.

Der Iran wollte bisher das Abkommen auf maximal zehn Jahre begrenzen. Dem Westen schwebte eine 10 Jahre+x-Lösung vor. Teheran hat in der Vergangenheit mehrfach darauf gedrängt, im Fall eines Abkommens die Sanktionen gegen das Land sofort aufzuheben. Der Westen möchte jedoch zunächst Beweise für die Umsetzung sehen und erst danach, und auch nur schrittweise die Strafmaßnahmen lockern.

Die Aussetzung der US-Sanktionen ist zudem kompliziert. Viele von ihnen hat Präsident Obama durch "executive order" selbst erlassen und kann sie auch selbst wieder zurücknehmen. Um die Verschärfungen ab 2010 endgültig aufzuheben, müsste jedoch auch der Kongress zustimmen. In dem haben die oppositionellen Republikaner die Mehrheit.

 

Kernpunkte des Abkommens
Der Iran verpflichtet sich, auf Zentrifugen zu verzichten, die zur Anreicherung von atomwaffenfähigem Material notwendig sind. Schwach angereichertes Material wird außer Landes gebracht (zum Beispiel nach Russland). Die Urananreicherung in der unterirdischen Anlage Fordo wird gestoppt. Die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IEAO) erhalten Zugang zu den iranischen Atomanlagen.

 

Der Iran hat stets erklärt, die Kernkraft nur zivil nutzen zu wollen. Mehrere westliche Staaten und auch die Internationale Atomenergiebehöre (IAEO) werfen Teheran jedoch vor, insgeheim an einer Atombombe zu bauen. Im Lauf der letzten zwölf Jahre erließen die USA, die EU und die UNO deshalb eine Reihe von Sanktionen, die Teheran wirtschaftlich und finanziell hart treffen.

 
Technische Details zur Urananreicherung

 

Expired Rights

2010: Der damalige iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad enthüllt eine Muster-Zentrifuge der dritten Generation für die Urananreicherung.

 

 

Urananreicherung
Mit diesem Wort wird die Veränderung der Isotopenzusammensetzung von Natururan zugunsten des Isotops 235U bezeichnet. Natururan besteht zu etwa 99,27 Prozent aus 238U und zu 0,72 Prozent aus 235U. Nur dieses unterschiedlich stark mit 235U angereicherte Uran dient als Kernbrennstoff für Kernreaktoren und Kernwaffen.

 

Urananreicherungsanlage 
In diesen Anlagen  wird Natururan ("Feed") in zwei Fraktionen getrennt, von denen die eine ("Product") gegenüber dem Ausgangsstoff einen höheren, die andere ("Tails") einen niedrigeren Anteil an 235U besitzt.

 

Verwendung des angereicherten Urans
235U ist – wie einige andere Nuklide mit ungerader Neutronenzahl – durch thermische Neutronen relativ gut spaltbar und das einzige bekannte natürlich vorkommende Nuklid, das zu einer Kernspaltungs-Kettenreaktion fähig ist. Während für Schwerwasser- und Graphit-moderierte Reaktoren auch Natururan zum Einsatz kommen kann, müssen die gängigeren Leichtwasserreaktoren mit Uran beschickt werden, dessen 235U-Gehalt auf mindestens etwa 3 % – in der Praxis bis zu 5 Prozent – erhöht wurde. Als hochangereichertes Uran ("HEU" von englisch highly enriched uranium) wird Uran mit 20 Prozent oder mehr 235U bezeichnet. Für Kernwaffen ist eine sehr hohe Anreicherung erforderlich -  typischerweise mindestens 85 Prozent.

 

Methoden: Anreicherung durch Gaszentrifugen
Das Gaszentrifugenverfahren ist im internationalen Bereich heute das gängigste Verfahren zur Urananreicherung. Hierbei wird gasförmiges Uranhexafluorid (UF6) in das Innere eines senkrecht stehenden, sehr schnell (>60.000 U/min) rotierenden Zylinders geleitet. Unter dem Einfluss der hohen Geschwindigkeit und der dadurch bedingten Zentrifugalkraft reichern sich die schwereren 238UF6-Moleküle an der Innenwand des zylindrischen Rotors an und die leichteren 235UF6-Moleküle nahe der Rotorachse, so dass die Isotope getrennt entnommen werden können. Die Trennwirkung wird in modernen Zentrifugen durch Beheizen des unteren und Kühlen des oberen Teils der Zentrifuge verstärkt. Die angereicherte, leichte Fraktion ("Product") wird am oberen (kalten) Ende, die abgereicherte, schwerere Fraktion ("Tails") am unteren (warmen) Ende der Zentrifuge entnommen.

 

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016