|

Du sprechen Steuern?

Länder: Europäische Union

Tags: durchgecheckt, Steuern, Definition

Alle klagen über zu hohe Steuern – doch wissen sie wirklich, wovon sie reden? Machen Sie sich mit dem Vokabular der Steuerexperten vertraut. 

Was sind Sozialversicherungsbeiträge?

Sozialversicherungsbeiträge sind gesetzlich vorgeschriebene Beiträge, die von den Einkommen automatisch an die Renten- und Sozialversicherungseinrichtungen abgeführt werden. Mit ihnen werden die Sozialleistungen finanziert, die als Unterstützung in besonderen Lebenslagen ohne produktive Gegenleistung erbracht werden. Häufig wird der Begriff Sozialabgaben fälschlicherweise gleichbedeutend mit Sozialversicherungsbeiträgen verwendet. In Deutschland setzen sich die Sozialversicherungsbeiträge aus einem Arbeitnehmer- und einem Arbeitgeberanteil zusammen. 

 

Was sind Gemeingüter und externe Effekte?

Einer der Gründe für die Erhebung von Steuern liegt darin, dass der Markt öffentliche Güter undexterne Effekte nicht berücksichtigt.

Ein öffentliches Gut, auch Gemeingut genannt, ist eine Ware oder (häufiger) eine Dienstleistung, die bei ihrer Erbringung mehreren Menschen zugutekommt und nicht nur denjenigen, die dafür bezahlt haben (man spricht hier von „Nicht-Exklusivität“). Darunter fallen auch Waren oder Dienstleistungen, deren Nutzung durch eine Person im Unterschied zu herkömmlichen Handelsgütern die Inanspruchnahme Dritter nicht ausschließt (man spricht hier von „Nicht-Rivalität“), sodass kein Nutzer bereit ist, die Kosten dafür alleine aufzubringen. Aufgrund dieser Merkmale entziehen sich die Aufsicht und der Schutz öffentlicher Güter den Regeln des Marktes, da jeder von uns dazu neigt, sich wie eine Art „Blinder Passagier“ zu verhalten und den anderen Nutznießern die Kosten für diese Leistung aufzubürden. Aus diesem Grund müssen öffentliche Güter durch eine gesetzliche Abgabe finanziert und geschützt werden, die von allen tatsächlichen und potenziellen Nutznießern zu leisten ist. Ein Beispiel hierfür ist die Atemluft, deren Reinhaltung durch eine CO2-Steuer mitfinanziert wird.   

Externe Effekte, auch Externalitäten genannt, treten dann auf, wenn eine wirtschaftliche Entscheidung Auswirkungen auf Dritte hat, für die niemand zahlt oder einen Ausgleich erhält. Man unterscheidet zwischen positiven externen Effekten wie beispielsweise den Auswirkungen einer Imkerei auf die Obsternte in der Umgebung, und negativen externen Effekten wie beispielsweise im Fall einer Viehmastanlage, durch deren Bau der Wert der umliegenden Grundstücke sinkt. Da der Markt nicht in der Lage ist, diese Auswirkungen eigenständig zu regulieren, muss der Staat eingreifen und positive externe Effekte, insbesondere durch Subventionen, unterstützen bzw. die Urheber negativer externer Effekte mit Strafen belegen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Internalisierung der externen Effekte.

 

Was ist ein Wohlstandsstaat?

Ein Sozialstaat bezeichnet die Einrichtung verpflichtender Sicherungssysteme durch die Gemeinschaft, mit denen jedes Mitglied der Gemeinschaft gegen bestimmte Risiken abgesichert ist.

Der Sozialstaat ist eine umfassende Form der sozialen Sicherung.

Man unterscheidet drei Formen des Sozialstaats:
Das erste Modell basiert auf einer vorwiegend privatwirtschaftlich organisierten Absicherung (das liberale angelsächsische System, das in Großbritannien und den USA gilt), das zweite auf der Absicherung durch den Staat auf Steuerbasis (das System des skandinavischen Wohlfahrtsstaats, wie es in Schweden und Dänemark praktiziert wird) und das dritte auf den Sozialversicherungsbeiträgen der Erwerbstätigen (das von Bismarck eingeführte Renten-, Kranken- und Unfallversicherungssystem, das in Deutschland und Frankreich Gültigkeit hat).

Durch den Sozialstaat werden meist Risiken wie Alter, Krankheit und Arbeitslosigkeit abgesichert. Der gesetzliche (verpflichtende) Charakter der Sozialversicherung soll verhindern, dass diejenigen, die von den genannten Risiken weniger stark betroffen sind, die Solidargemeinschaft verlassen und eine private Versicherung abschließen, die angesichts der geringeren Schadeneintrittswahrscheinlichkeit für sie preisgünstiger wäre. Das würde in der Konsequenz dazu führen, dass die Sozialversicherung nur von denjenigen finanziert würde, die von den genannten Risiken am stärksten bedroht sind. Eine Sozialversicherung funktioniert also nach dem Solidaritätsprinzip: Junge zahlen für Ältere, Gesunde für Kranke, Arbeitende für Arbeitslose.

 

Steueroptimierung - was ist das?

Steueroptimierung ist eine Strategie, mit der die Steuerlast so weit wie möglich reduziert werden soll. Man unterscheidet dabei im Wesentlichen zwei Methoden: Die erste besteht darin, die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten in Ländern mit hohen Steuersätzen optimal zu nutzen, insbesondere durch so genannte „Steuerschlupflöcher“. Bei der zweiten Methode wird ein Großteil der Finanzerträge in Länder mit geringen oder gar keinen Steuern transferiert. Wenn die verwendeten Methoden sich am Rande der Legalität bewegen, spricht man von aggressiver Steueroptimierung.

 

Wer gehört zur Mittelschicht?

In der Soziologie bezeichnet man mit der Mittelschicht diejenigen sozialen Gruppen, deren Lebensstil und -standard als Bezugspunkt für die übrigen sozialen Gruppen dient. Dabei handelt es sich um einen irreführenden Begriff, da es sich nicht um eine „mittlere“ soziale Gruppe handelt (die beispielsweise über ein durchschnittliches Haushaltseinkommen verfügt), sondern um eine idealtypische Bevölkerungsgruppe, der die meisten Menschen angehören möchten. Entsprechend liegt das Haushalteinkommen der Mittelschicht deutlich über dem durchschnittlichen Haushaltseinkommen, da es sich dabei um eine Bevölkerungsgruppe handelt, die über all diejenigen Güter und Dienstleistungen verfügt, die von der Mehrheit der Menschen angestrebt werden. Die Vorstellung von der Mittelschicht hat sich aufgrund der großen sozialen Mobilität und des kontinuierlichen Anstiegs des Lebensstandards zuerst in den USA entwickelt. 

Andere Definitionen für „Mittelschicht“ richten sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach soziokulturellen Merkmalen (z.B. dem Bildungsstand) oder subjektiven Aspekten (Wertvorstellungen, Selbsteinschätzung).

Im ökonomischen Sinne wird die Mittelschicht meist über das Haushaltseinkommen definiert. Oft sind die verschiedenen Faktoren miteinander verknüpft: Je höher die Bildung, desto höher ist in der Regel auch das Einkommen.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016