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Dschihadistisches Machtgehabe in Westafrika

Länder: Burkina Faso, Monde

Tags: Islamischer Staat, Dschihadismus, Boko Haram

Auf Bamako und Ouagadougou folgt nun der Strand von Grand Bassam in der Elfenbeinküste: Innerhalb kurzer Zeit hat die Al-Qaida nahe Terrorgruppe "AQIM" Anschläge auf touristische Anlagen in Mali, Burkina Faso und der Elfenbeinküste verübt. Die Terrorattacken zeigen die Verwundbarkeit der westafrikanischen Länder und den Wettstreit nach Macht zwischen Al-Qaida und dem sogenannten "Islamischen Staat". 

 

Die Attacken von Burkina Faso:

Bei den Terrorattacken auf das Hotel Splendid und das Restaurant Le Cappucino in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, sind am 15. Januar 30 Menschen ums Leben gekommen. Auch Burkina Faso hatte noch nie in seiner Geschichte einen Angriff dieses Ausmasses erlebt.

Nun ist die terroristische Gewalt auch in der Elfenbeinküste angekommen: Schwer bewaffnete und vermummte Angreifer attackierten am Sonntagnachmittag einen Strandabschnitt und drei angrenzende Hotels und töteten mindestens 18 Menschen.

Unter den Opfern des islamistischen Anschlags befinden sich vier Franzosen, ein Kameruner, eine Person aus Burkina Faso sowie eine Deutsche. Dabei handelt es sich um die Leiterin des Goethe-Instituts in Abidjan, Henrike Grohs. Durch den Einsatz der Sondereinheit wurden außerdem drei Angreifer getötet. 

Grand Bassam ist ein beliebtes Ausflugsziel. An den Wochenenden strömen gewöhnlich tausende Menschen aus Abidjan nach Grand Bassam, um die Urlaubsatmosphäre zu genießen. Während der französischen Kolonialzeit war Grand Bassam die Hauptstadt des Landes. Die Altstadt gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Elfenbeinküste ist ein enger Verbündeter Frankreichs, das 550 Soldaten zwischen Abidjan und Grand Bassam stationiert hat.

 

Schnelle, effiziente Attacken - wie in Bamako und Ouagadougou

Wie schon in Bamako und Ouagadougou hat "AQIM" die Verantwortung für die Anschläge übernommen. Hinter den Attacken in Mali und Burkina Faso stand die dschihadistische Brigade "Al-Murabitun", eine Partner-Brigade des Terrornetzwerks "AQIM", das wiederum eine Nähe zur Al-Qaida pflegt (siehe Karte).

Auch in Ouagadougou am 15. Januar 2016 und in Bamako am 20. November 2015 waren teure Hotels Ziele der terroristischen Attacken. Die beiden Anschläge trugen die gleiche Handschrift: Sie erfolgten effizient und nutzten die Schwachstellen der Staaten - unzureichende Sicherheitsvorkehrungen und instabile Regierungen - gnadenlos aus. Im Vergleich zu den instabilen Ländern wie Mali und Burkina Faso gilt die Elfenbeinküste seit dem Bürgerkrieg als politisch stabil und wirtschaftlich erholt. Präsident Alassane Ouattara wurde kürzlich zum zweiten Mal wiedergewählt. 

 

Die Attacken von Bamako:

"Immer mehr Geld alleine reicht nicht." Jan Fahlbusch, Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Mali über den schwierigen Friedensprozess.

Unerbittlicher Wetteifer in der Sahelzone

In Frankreich werden die Angriffe als Botschaft gewertet, da sich das Land in der Sahelzone aktiv gegen den Dschihadismus (Operation Barkhane) engagiert. Die wiederholten Terrorattacken in der Region lassen aber ebenso auf ein Kräftemessen zwischen den Al-Qaida nahen Gruppen und dem Dachverband "Islamischer Staat" schließen. Letzterer hatte 2015 Zuwachs bekommen, als die ebenfalls in der Sahelzone aktive Terrorsekte Boko Haram dem IS die Treue schwor. Sie ist bestrebt, das Partnernetzwerk des IS weiter zu verdichten.

 

Weitere Attacken wahrscheinlich

Die Anschläge von Ouagadougou und Bamako haben bewiesen, wie einfach es in destabilisierten Ländern wie Mali oder Burkina Faso ist, ein beliebiges Ziel zu attackieren.

Zeugen der Attacken in Ouagadougou berichteten, die Attentäter seien sehr jung gewesen. Außerdem liegt die Vermutung nahe, dass der desillusionierte Teil der Jugend Westafrikas neben der Migration nach Europa vermehrt Hoffnung in die Rekrutierung durch dschihadistische Terrornetzwerke setzen könnte.

 

Unsere Karte zeigt die Standorte der dschihadistischen Gruppen sowie die angegriffenen Länder.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016