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Die zwei Gesichter der Troika

Länder: Irland

Tags: Troika, Sparplan

Seit die Troika im Dezember 2013 aus Irland abzog, geht es mit der irischen Wirtschaft wieder aufwärts. Manche betrachten das Land sogar als europäisches Musterbeispiel – doch Schulden und Arbeitslosigkeit lasten nach wie vor auf der Bevölkerung.

 

Wir sind noch nicht über den Berg, aber einen wesentlichen Schritt vorangekommen“, sagte der irische Finanzminister Michael Noonan im Dezember 2013 und zog damit einen Schlussstrich unter das Sparprogramm der Troika. Irland gehörte genau wie Zypern, Griechenland und Portugal zu den kranken Kindern des Kontinents, die seit 2010 von dem Dreigestirn aus Europäischer Zentralbank (EZB), Europäischer Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) betreut wurden.

Um die Krise zu überwinden, bekam Irland von der Troika zwischen 2010 und 2013 eine Hilfe von 67,5 Milliarden Euro zugesprochen und wurde dafür auf strenge Diät gesetzt. Anders als so manche europäische Regierung schien die Koalition aus den rechtskonservativen Fine Gael und Fianna Fail und der sozialdemokratischen Labour Party die verlangten Sparpläne umzusetzen. Es hagelte Budgetkürzungen, Banken wurden verstaatlicht und Steuern erhöht. Und die Disziplin zahlte sich aus: 2014 zog das Wachstum wieder an; das BIP stieg um 4,8 %. Irland gelte als „solidestes Land der ganzen EU“, erklärte das irische Statistikinstitut.

 

Und die Menschen?

Unser Land hat seine finanziellen Probleme geregelt, aber wer kümmert sich um die Privatschulden?“, fragt David Hall, der als Gründer der Irish Mortgage Holders Organisation den 182 000 Immobilienbesitzern beisteht, die ihre Darlehen nicht zurückzahlen können. Hall zufolge wird der zarte Aufschwung von schwerwiegenden Problemen überschattet.

Erzählen Sie doch mal den Familien, die vielleicht aus ihrer Wohnung geworfen werden, dass die Sparpolitik angeblich funktioniert“, empört sich auch Gerry Adams, seit 1983 Vorsitzender der republikanischen Partei Sinn Féin. „Sagen Sie das den 415 000 Arbeitslosen oder den 300 000 Menschen, die in den letzten Jahren ausgewandert sind!“ Auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit (um 13,6 % im Jahr 2013) und die wachsende Armut geben dem vermeintlichen Krisenende einen schalen Beigeschmack. 

Die 64 Milliarden Euro zur Sanierung des Bankensystems, die 2,2 Millionen irische Bürger ungerechterweise mittragen mussten, spielen noch immer eine wichtige Rolle“, erinnert Les Échos. Durch soziale Unsicherheit und sinkende Lohnkosten (17 %) stieg die durchschnittliche Verschuldungsquote der irischen Haushalte auf 210 % des Einkommens. Gelitten hat unter den Sparplänen der Troika also vor allem die Bevölkerung.

Fabiola Dor

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Zuletzt geändert am 18. September 2017