Die Wahrheiten des Julian Assange

ARTE Reportage - Samstag, 30. April 2016 - 17:05

Länder: Großbritannien

Tags: Wikileaks, Julian Assange

Am 11. April besuchten die ARTE Reporter Julian Assange, Whistleblower und Mitbegründer von Wikileaks, in seiner Wohnung in der Londoner Botschaft von Ecuador, in der er seit vier Jahren lebt.

 

Les vérités de Julian Assange
Die Wahrheiten des Julian Assange Am 11. April besuchten die ARTE Reporter Julian Assange, Whistleblower und Mitbegründer von Wikileaks. Die Wahrheiten des Julian Assange

In diesen Tagen, in denen die Panama Papers weltweit für Aufregung sorgen und in dieser Woche, in der in Luxemburg der LuxLeaks-Prozess beginnt, sprechen wir mit Julian Assange über die internationalen Skandale der vergangenen Jahre. Der letzte große Coup von Wikileaks war die Veröffentlichung von Dokumenten im Juni 2015, die bewiesen, dass amerikanische Geheimdienste den französischen Präsidenten Hollande und Bundeskanzlerin Merkel abgehört hatten.

Wikileaks und Panama Papers verfolgen zwei sehr unterschiedliche Konzepte, ihre Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich zu machen: Wikileaks stellt Rohmaterial ins Netz, unsortiert und ungeprüft, damit die User selbst darin recherchieren können. Im Falle der Panama Papers hat ein großes internationales Netzwerk der Recherche die ihm zugespielten Dokumente ein Jahr lang im Geheimen geprüft und auf Stichhaltigkeit untersucht, ehe es eine Auswahl davon veröffentlichte.

Assange lebt seit 2012 in der Botschaft Ecuadors in London, im politischen Asyl. Dorthin war er geflohen, um einem Auslieferungsantrag Schwedens wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung zu entkommen. Er fürchtete, von Schweden aus weiter in die USA ausgeliefert zu werden. Dort würde ihn ein weiterer Prozess erwarten, wegen der Veröffentlichung tausender Geheimdokumente von US-Armee und –Diplomatie auf Wikileaks.   
 

von Marina Ladous und Etienne Huver  – ARTE GEIE / Slug News  - Frankreich 2016

 

 
Interview mit Etienne Huver

 

L'interview d'Etienne Huver
Interview mit Etienne Huver Interview mit Etienne Huver Interview mit Etienne Huver

Julian Assange
Julian Assange, geboren 1971 in Australien, wächst nach der Scheidung seiner Eltern bei seiner Mutter auf, einer Anhängerin der New Age Bewegung. Sie ziehen häufig um, der junge Julian wechselt deshalb häufig die Schule. Schon früh interessiert er sich für Computer und Informatik.
Als Mitglied der  "International Subversives" hackt er schon mit 17 Jahren unter dem Pseudonym "Mendax" die Internetseiten der NASA, des Pentagons und der amerikanischen Geheimdienste.
Dafür wird er von der US-Justiz verfolgt, 1994 verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt – wegen guter Führung wird Assange allerdings bereits nach zwei Jahren aus der Haft entlassen. 
2006 gründet Assange mit ein paar Gleichgesinnten Wikileaks, eine Internet-Plattform, auf der sie zunächst politische Artikel veröffentlichen um, wie es heißt, "sich an der Verfassung einer gemeinsamen Geschichte zu beteiligen"
2010 stellen sie streng geheime Dokumente der US-Armee für jedermann öffentlich auf ihre Seite, Wikileaks wird mit einem Schlag weltbekannt.
Die amerikanische Justiz verfolgt deswegen Julian Assange, zunächst wird er in Schweden wegen des Vorwurfs von sexuellem Missbrauch verhaftet, kommt aber nach knapp zwei Wochen Ende Dezember 2010 ohne Kaution wieder frei.   
Er flieht nach London, weil er fürchtet, dass ihn die schwedische Justiz  nach der Verhandlung über den sexuellen Missbrauch in die USA abschieben könnte. 2012 gewährt ihm Ecuador in den Räumen seiner Botschaft in London Asyl. Seitdem hat Julian Assange diese Botschaft nicht mehr verlassen. 

Zuletzt geändert am 3. Oktober 2016