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Die Siedler - eine Gefahr?

Länder: Israel

Tags: Siedler, Gefahr, Frieden

Shimon Dotan zeigt in seinem Dokumentarfilm "Die Siedler der Westbank", wie die israelischen Siedlungen im Westjordanland die israelische Zukunft in Frage stellen.

 

Warum interessieren Sie sich für die Problematik der israelischen Siedler im Westjordanland?

Shimon Dotan: "Die Siedler der Westbank"  ist in gewisser Weise eine Weiterentwicklung meines vorherigen Films "Abgeordnete hinter Gittern", in dem ich inhaftierte Palästinenser interviewe. Bei der Arbeit an diesem Projekt stand ich eines Tages vor einer von Siedlern errichteten Straßensperre und wurde Zeuge einer heftigen Auseinandersetzung mit israelischen Soldaten, die für den Schutz der Palästinenser zuständig waren. Diese extreme Reaktion erstaunte und schockierte mich. Daher wollte ich untersuchen, wie diese Siedler die israelische Gesellschaft allgemein beeinflussen. Die Siedlungen, die in den letzten zehn Jahren stark gewachsen sind, gefährden ganz klar die Existenz Israels an sich.

 

Wie meinen Sie das?

Tôt ou tard, cette situation va exploser à cause du cercle vicieux qu’elle engendre”

Shimon Dotan

Bis heute ließen sich 400.000 Siedler – also fast 5 % der israelischen Bevölkerung – inmitten von 2,7 Millionen Palästinensern nieder. Illegal, aber mit Unterstützung der Regierung. Das führt zu Spannungen zwischen den beiden Gemeinschaften im Westjordanland, aber auch in ganz Israel. Viele Israelis sehen in diesen Siedlungen eine Gefahr für die Demokratie. Der daraus entstehende Teufelskreis wird sich früher oder später gewaltsam entladen. Durch die Militarisierung und den Bau von Schutzmauern schafft die Regierung eine sichere Umgebung, die immer mehr Israelis anzieht – aber nicht aus ideologischen oder religiösen Gründen, sondern zu 80 % wegen der niedrigen Lebenshaltungskosten. Mithilfe der Koalitionsregierung treiben sie diese gefährliche Spirale weiter an. Gleichzeitig wächst der Widerstand der Palästinenser. Und das hat wiederum zur Folge, dass sich die Siedler noch weiter einmauern und bewaffnen.

 

Welche Politik verfolgt die Koalitionsregierung heute in Bezug auf dieses Problem?Sie stützt sich auf die Siedlerpartei "Jüdisches Heim" und ihren Vorsitzenden Naftali Bennett, den Minister für Bildung und Diasporaangelegenheiten. Sein Credo: Die Siedlungen werden nicht geräumt, das Westjordanland nicht angegliedert. Verteidigungsminister Avigdor Liebermann, der gleichzeitig der nationalistischen Partei Israel Beitenu vorsitzt, lebt selbst in einer Siedlung südlich von Bethlehem.

 

Wurden Sie bei den Dreharbeiten im Westjordanland behindert?

Ich wurde zweimal von Siedlern angegriffen. Beim ersten Mal haben sie meinen Kameramann geschlagen und seine Ausrüstung gestohlen. Ich erstattete Anzeige, doch nach ein paar Wochen teilte mir die israelische Polizei mit, dass das Verfahren mangels Beweisen eingestellt wurde. Beim zweiten Mal wurden sämtliche Scheiben meines Autos eingeschlagen.

Zuletzt geändert am 26. September 2016