Die Siedler der Westbank

Länder: Israel

Tags: Westjordanland, Siedler

Wie wird die Siedlungspolitik die Zukunft Israels beeinflussen? Dieser kontroversen Frage widmet sich Shimon Dotan in seinen bieden Dokumentarfilmen. 

 

Erster Teil - Die Prophezeiung
 
Les Colons 1ère partie
Die Siedler der Westbank (Ausschnitt) Die Siedler der Westbank (Ausschnitt) Die Siedler der Westbank (Ausschnitt)

1977 waren sie mehr als viertausend, heute sind sie sogar fast vierhunderttausend: Die israelischen Siedler sind durch ihre territoriale Verwurzelung und durch ihre ideologische und politische Haltung ein wichtiger Teil der israelischen Gesellschaft. Als Israel 1967 den Sechs-Tage-Krieg gewann und Ost-Jerusalem sowie die Westbank einnahm, öffnete das neue Perspektiven für diejenigen, die davon träumten den israelischen Staat nach biblischem Vorbild nachzubauen. Einige, wie Hanan Porat, lassen die Kibbuz wie zu Zeiten ihrer Eltern wieder aufleben, die während des Unabhängigkeitskrieges 1948 vertrieben wurden; andere, wie die Schüler des Großen Rabbiners Kook, sehen in dem Sieg ein Zeichen Gottes der sie zu einer göttlichen Mission aufforderte. Den Zweifeln der Politik zum Trotz werden Nablus, Hebron und Jericho zu Städten, die die sogenannten "Neopioniere" wieder vereinahmen wollen. Unter dem Impuls der populistischen Gusch Emunim Bewegung erkennt die israelische Regierung schnell, dass sie ein Interesse daran hat, militärisch geschützte Kolonien auf Palästinensergebiet einzurichten. 

 
Zweiter Teil - Die Erfüllung
 
Les colons 2ème partie
Die Siedler der Westbank (Ausschnitt) Die Siedler der Westbank (Ausschnitt) Die Siedler der Westbank (Ausschnitt)

 

In den 90er Jahren sehen sich die Siedler in ihrem Willen gebremst, ihre Präsenz zu verstärken und ihren Einfluss gegenüber der Politik zu festigen. Zwischen der Ersten und der Zweiten Intifada  (1987-1993 und 2000-2006), die der Welt den Unmut der Palästineser über die israelische Besetzung vor Augen führt, friert der Premierminister Jitzchak Rabin bis aufs Weitere alle weiteren Siedlungsbauten ein und unterzeichnet die Verträge von Oslo, womit er die Wut derer heraufbeschwört, die im Siedlungsbau einen Weg sehen "ihr Land zu retten". Sein Mord 1995 durch einen religiösen Fundamentalisten und Rechtsextremisten setzt dem Friedensprozess ein Ende und lässt Extremisten freie Hand. Bestärkt durch die Trennungsmauern, die gesicherten Strassen und die Subventionen der Regierung, lässt sich ein neuer Siedlertyp in den Siedlungen nieder. Sie sind weniger durch Ideologien geprägt, und vielmehr von sozialen und ökonomischen Vorteilen in der Siedlung angezogen. 

 

Radikale Strömungen

2016 hat der Siedlungsbau eine solch schwindelerregende Dimension erreicht, dass er die Politik und Identität Israels nunmehr bestimmt. Bisher konzentrierten sich Filme vor allem auf die Folgen dieser Siedlungen und weniger auf die historische Dimension, die sie hervorrief. Nachdem der Regisseur und Filmemacher Shiman Dotan 2006 palästinensische Gefangene interviewte, analysiert er in seinem neuen Dokumentarfilm, welchen Einfluss die Siedlergemeinschaft auf den Staat Israel hat. Er geht auf die Motivationen von Radikalen, Idealisten Bilbelfanatikern und wahrhaft Gläubigen ebenso ein, wie auf die der Opportunisten. 

 

Die Siedler der Westbank (1 & 2)
Dokumentarfilm von Shimon Dotan (Kanada, 2016, 2x52min)
Co-Produktion: ARTE France, Les Films du Poisson, Talisma Production, Filmoption International, NDR, BR, HR

 

Zuletzt geändert am 5. Oktober 2016