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"Die Regierung ist eine Regierung des Hasses"

Länder: Burundi

Tags: Bob Rugurika, RPA, Medien, Afrika, Zensur

Die Regierung in Burundi geht nicht nur gegen Demonstranten vor. Die unabhängigen Medien im Land werden mundtot gemacht. Der wichtigste private Radiosender Burundis, die RPA (Radio publique africaine, zu Deutsch: allgemeines afrikanisches Radio) wurde heute geschlossen. ARTE Journal hat mit dem Direktor des Senders, Bob Rugurika, gesprochen.  

ARTE Journal: Kann RPA im Moment auf Sendung gehen?

Bob Rugurika: Nein. Die Regierung hat uns das Senden verboten. Polizisten sind mit Dokumenten gekommen, die besagen, dass wir geschlossen werden. Schon vor Mittag war unser Sender im Norden Burundis geschlossen worden und gegen 15 Uhr kamen dann Polizisten und Nachrichtendienstler hierher, obwohl das eigentlich außerhalb ihrer Kompetenzen liegt. Auf ihrem Beschluss stand, dass alle Mitarbeiter den Sender verlassen müssen und dass er wegen  Verstößen gegen das Gesetz vorläufig geschlossen wird. Um welche Verstöße es sich dabei handelt, wurde nicht erwähnt. Das war eine politische Entscheidung.  

 

Seit der Sender 2001 gegründet wurde ist er immer wieder Opfer von Zensur. Alle vier Regierungen, die seit 2001 an der Macht waren, haben uns übel mitgespielt. 

 

Ist die RPA regelmäßig die Zielscheibe der Regierung?

Bob Rugurika: Ja, seit der Sender 2001 gegründet wurde ist er immer wieder Opfer von Zensur. Alle vier Regierungen, die seit 2001 an der Macht waren, haben uns übel mitgespielt: Der Sender musste geschlossen werden und Journalisten sind ins Gefängnis gekommen. Das passiert uns wegen unserer inhaltlichen Ausrichtung. Wir sind das beliebteste Radio in Burundi. Wir sind volksnah und haben einen hohen Anspruch an den Wahrheitsgehalt unserer Inhalte. Wir sind unabhängig, gehören keiner politischen Partei oder religiösen Gruppierung an. Das Radio wird von einem Verein betrieben, einige der Gründungsmitglieder sind Ausländer - Kanadier, Amerikaner, Briten, Kongolesen und natürlich auch Burundier. Im Zentrum unserer Philosophie steht die Rechenschaftspflicht der Mächtigen gegenüber der Bevölkerung. Wir sind also die Stimme derer, die keine Stimme haben. Und wir sind der einzige Radiosender, der investigativ arbeitet. Wir haben mehrere Finanzskandale aufgedeckt und Verbrechen der Regierungen ans Licht gebracht. Und das ist der Grund, weshalb wir Opfer von Zensur werden. 

 

Sie haben bereits Todesdrohungen erhalten. Was meinen Sie, wer dahinter steckt?

Bob Rugurika: Sie kommen von den Nachrichtendiensten. Bei allen investigativen Geschichten, an denen ich gearbeitet habe, bin ich während der Recherche immer auf den Chef der Nachrichtendienste gestoßen, General Adolphe Nshimirimana, der auch die rechte Hand des Präsidenten ist. Er wird bei allem was er macht vom Präsidenten gedeckt.

 

Heute werde ich sogar vom Präsidenten bedroht. In seiner Rede am Samstag, nachdem er von seiner Partei offiziell als Kandidat für die nächste Wahl nominiert wurde, hat er meinen Namen mindestens zehn Mal genannt.

 

Werden Sie auch durch die Imbonerakure-Milizen, die Jugendorganisation der Regierungspartei, die im vergangenen Jahr mit Waffen ausgestattet wurde, bedroht ?

Bob Rugurika: Ja, aber ich habe keine Angst mehr vor ihnen. Heute werde ich sogar vom Präsidenten bedroht. In seiner Rede am Samstag, nachdem er von seiner Partei offiziell als Kandidat für die nächste Wahl nominiert wurde, hat er meinen Namen mindestens zehn Mal genannt. Dabei hat er betont, dass ich nicht unantastbar sei, auch wenn ich der Chef eines Radiosenders bin, und ich mich bloß nicht überschätzen solle. Pierre Nkurunziza hat persönlich etwas gegen mich, weil ich oft über seinen Geheimdienstchef und somit auch oft über ihn recherchiert habe.        

 

Hat es heute Versuche gegeben, Sie festzunehmen?

Bob Rugurika: Angeblich haben die Sicherheitskräfte einen Haftbefehl für mich, aber das ist noch nicht offiziell. Ich weiß nicht, worauf sie warten, um mich festzunehmen. Anscheinend will die Polizei vier Aktivisten der Opposition ins Gefängnis bringen, aber unser Radio und damit auch ich sind nicht direkt in der Opposition aktiv, wir berichten und decken auf, sind aber keine Politiker. Die Regierung hegt Hass gegen viele Leute, sie ist eine Regierung des Hasses. 

 

Sie haben großen Rückhalt in der Bevölkerung, vielleicht hält sich die Regierung deshalb zurück?

Bob Rugurika: Ja, das wird es wahrscheinlich sein. Die Regierenden sind geradezu paranoid, sie haben Angst, dass die Menschen unseren Radiosendungen mehr Glauben schenken als ihren offiziellen Reden. Deshalb schließen sie die Radiosender.     

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016