Die Opposition in der Türkei

Länder: Türkei

Tags: Erdogan, Opposition

Can Dündar ist das Symbol für den Kampf um Pressefreiheit und Demokratie in der Türkei. Inzwischen musste er ins Exil nach Deutschland fliehen. THEMA erzählt seine Geschichte in dem Film "Exil Deutschland - Abschied von der Türkei. Aber auch in der Türkei kämpfen Menschen gegen die Politik Erdogans. Der Film "Türkei: Ringen um Demokratie" stellt vier von ihnen vor.

Exil Deutschland - Abschied aus der Türkei

 

 

Dienstag, 11. Juli

21.15

Exil Deutschland - Abschied von der Türkei

Er ist das Symbol für den Kampf um Pressefreiheit und Demokratie in der Türkei: der Journalist Can Dündar. Zusammen mit der deutschen Autorin Katja Deiß erzählt er exklusiv und persönlich, was es bedeutet, allein in einem fremden Land zu leben. "Nicht wir haben die Türkei verlassen, die Türkei hat uns verlassen", beschreibt Can Dündar die Stimmung der Exilanten.

Can Dündar und Katja Deiß begegnen vier Menschen, die aus der Türkei fliehen mussten, um der drohenden Verhaftung zu entgehen. Die oppositionelle Wissenschaftlerin Latife Akyüz wurde von den staatlich gelenkten Medien als Terroristin denunziert. Es folgte eine Lynchkampagne von Nationalisten. Am Ende sagten sich Freunde von ihr los. „Keiner hat sich getraut, was zu sagen“, erzählt sie, „in diese Lage sind wir gekommen, weil die Menschen geschwiegen haben.“ So funktioniert das System Erdogan. Katja Deiß wollte in die Türkei reisen, um über das Schicksal von Can Dündars Kollegen und Freunden zu berichten. Sie bekam kein Visum. Aber ein mutiges türkisches Kamerateam begleitete heimlich die Ehefrau von Musa Kart bei einem Besuch in Silivri. Dort sitzt der Karikaturist von „Cumhuriyet“ schon seit Monaten in Einzelhaft. Es gebe keinen Flecken im Land, wo mehr Intellektuelle versammelt seien als im Gefängnis von Silivri, sagen die Menschen in der Türkei hinter vorgehaltener Hand. Und so sind es vor allem Akademiker, Journalisten, Künstler und Lehrer, die jetzt nach Deutschland flüchten. Die Türkei vertreibt ihre geistige Elite.

 

Türkei: Ringen um Demokratie

 

Dienstag, 11. Juli

22.10

Türkei: Ringen um Demokratie

Die Dokumentation erzählt zum ersten Mal aus innertürkischer Perspektive von den Umbrüchen in der Türkei und was es bedeutet, dort Teil der Opposition zu sein. Filmemacher Imre Azem begleitet ein Jahr lang vier Aktivisten in einer Türkei, die sich im Ausnahmezustand befindet.

Die Dokumentation beginnt im Jahr 2013, als die Gezi-Park-Proteste, Höhepunkt der demokratischen Bewegung, Millionen Menschen aus unterschiedlichen politischen Lagern eint. Dort lernt Imre Azem die Protagonisten des Films kennen, die sich fortwährend für die Demokratie in ihrem Land einsetzen und dabei ihre eigene Freiheit riskieren. 2016 sind sie Teil der Gründung der „Einheit der Demokratie“, eines unabhängig agierenden Parlaments mit mehr als hundert Mitgliedern. Der Film begleitet Höhen und Tiefen, Erfolge und Rückschläge: Fatih Polat, der trotz drohender Schließung seiner Zeitung seine Arbeit fortsetzt und sich für die Berichterstattung aus den kurdischen Regionen einsetzt; Gül Köksal, die mit anderen entlassenen Kollegen nach einer Alternative sucht, ihre Lehrtätigkeit fortzusetzen; Deniz Özgür, der die „Nein“-Kampagne zum Referendum organisiert; Mücella Yapici inmitten Tausender Frauen bei der überwältigenden Demonstration zum Weltfrauentag. Im April 2017 stimmen 51 Prozent des türkischen Volks nach offiziellen Angaben für Erdogans Präsidialsystem. Die Protagonisten gehören zu dem Teil, der Nein sagt. Das Land scheint gespalten. Und trotzdem walten weiterhin Kräfte, die versuchen, die zerrüttete Gesellschaft auf Grundlage gemeinsamer demokratischer Werte wieder zu vereinen und eine Alternative zu Erdogans Politik zu formulieren. In einer Mischung aus Archiven – von den Gezi-Protesten 2013 über den Putschversuch 2016 bis hin zu Erdogans Ansprache nach dem Wahlsieg 2017 – und den persönlichen Geschichten der Protagonisten, ist „Türkei: Ringen um Demokratie“ ein Zeitzeugnis über ein Land, dessen Zukunft ungewiss ist.

 

Zuletzt geändert am 10. Juli 2017