Die myanmarische Einwanderung in Thailand

Länder: Thailand

Tags: Immigration, Myanmar

Nach letzten Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) leben in Thailand zwischen 3,5 und 4 Millionen Einwanderer, darunter 3,25 Millionen Gastarbeiter. Über eine Million hat noch immer keine legale Aufenthaltserlaubnis. 2,7 Millionen Gastarbeiter stammen aus den drei Nachbarländern Myanmar, Kambodscha und Laos, die noch immer mit ihrer desolaten Wirtschaftslage zu kämpfen haben. 82 % von ihnen sind Myanmare. Hochrechnungen zufolge könnte diese Bevölkerungsgruppe bis 2025 auf 5,36 Millionen steigen und mehr Staatsbürger aus Vietnam und Bangladesch umfassen. Mit diesen Ländern steht die Regierung Thailands derzeit in Verhandlungen.

Die Regierung Thailands bietet mehrere Möglichkeiten, ein legales Aufenthaltsrecht zu erlangen. Das von den drei Nachbarländern unterzeichnete "Memorandum of Understanding" (MOU) ermöglicht den Gastarbeitern den Zugang zu einer offiziellen Erlaubnis, sich frei im Land bewegen zu dürfen und zu einem Arbeitsvertrag noch bevor sie überhaupt ins Land kommen. Arbeiter, die schon in Thailand beschäftigt sind, können nach einer Überprüfung ihrer Nationalität Ausweispapiere ihres Herkunftslandes erhalten, und so ihren Status als Immigrant in Thailand legalisieren. Im Prinzip haben Gastarbeiter, die einen der beiden Prozesse durchlaufen haben, das Recht auf eine Krankenversicherung und gleiche Arbeitsbedingungen wie die Thailänder. Auch können sie nicht mehr einfach ausgewiesen werden. Aber diese Prozesse sind sehr umständlich und sowohl kosten- als auch zeitintensiv. Es sind exakte Dokumente vorzulegen, Hin- und Rückfahrten zwischen den Ländern sind nötig, sowie grundlegende Sprachkenntnisse und Kenntnisse der Verwaltung Thailands. Hier allerdings müssen viele Gastarbeiter passen.

1,6 Mio

Menschen konnten durch die Einrichtung sogenannter "One Step Sevice Center" ihre Arbeitssituation in Thailand legalisieren.

 

Im Juni 2014 gründete das "National Council for Peace and Order" der regierenden Militärjunta die "One Stop Service Centres" (OSCCs). Sie sollten im Rahmen eines großen Legalisierungsprogramms diese Prozeduren beschleunigen und vereinfachen. Mehrere dieser Zentren wurden direkt entlang der Grenze gebaut. Die Arbeitgeber müssen dort ihre Arbeitnehmer registrieren lassen: 720.000 Gastarbeiter aus Kambodscha, 650.000 aus Myanmar und 220.000 aus Laos - insgesamt also nahezu 1,6 Millionen Menschen wurden so laut IOM zusätzlich zu den bereits erfassten 1,8 Millionen registriert. Sie erhielten einen Ausweis als „Nicht-Thai“ und können sich so legal im Land aufhalten, arbeiten und haben auch Zugang zu staatlichen Gesundheitseinrichtungen. Sobald sie zusätzlich den Prozess zur Überprüfung ihrer Nationalität durchlaufen haben, dürfen sie bis 2018 im Land bleiben. Diese Sofortmaßnahme sollte nach Angaben der Nationalen Presseagentur Ende Juni 2015 auslaufen. Nach diesem Ultimatum können all diejenigen, die dieses Prozedere noch nicht durchlaufen haben ohne Umstände ausgewiesen werden.

 

10 %

der Immigranten aus den Nachbarstaaten sind Kinder. Zur Schule gehen die Wenigsten.

 

Die Kinder

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Arbeit sind mindestens 10 % der Immigranten aus den drei Nachbarstaaten minderjährig. Pilotschulen wurden für einige tausend Gastarbeiterkinder eingerichtet, die Unterricht auf Thailändisch, Myanmarisch und Englisch anbieten sollen. Einem Bericht der "VSO SO International Thailand/Myanmar" zufolge werden allerdings schätzungsweise weniger als 20 % der Gastarbeiterkinder in Thailand eingeschult.

 

75 %

der Arbeiter in der Fischereibranche sind Gastarbeiter. 

 

Die Wirtschaft

In der ASEAN-Freihandelszone hat Myanmar zurzeit das niedrigste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Allerdings könnte sich dieses bis 2030 verdreifachen, mit 10 Millionen neuen Arbeitsplätzen im nicht-landwirtschaftlichen Bereich, darunter 6 Millionen in der verarbeitenden Industrie. Dies würde sowohl die Wirtschaft wie auch die Wettbewerbsfähigkeit des Landes nachhaltig verändern. Derzeit leben 70 % der Bevölkerung noch auf dem Land. Es würde auch die Gesamtsituation in Thailand verändern, denn dort basiert die Wirtschaft nach wie vor auf dem Export und ist auf diese tausenden von billigen, geringqualifizierten Arbeitskräfte angewiesen. 75 % der Erwerbstätigen in der Fischereibranche sind Gastarbeiter, im Baugewerbe sind es 80 %. Daher muss Thailand weitere Bevölkerungsgruppen anwerben. Denn es ist absehbar, dass Myanmar für seine eigenen Staatsbürger in einigen Jahren Arbeit haben wird. Die IOM schätzt, dass Thailand bei der derzeitigen Wirtschaftsentwicklung in noch nicht einmal zehn Jahren 5,3 Millionen Beschäftigte fehlen könnten.

 

Die Entwicklungshilfe

200

Millionen Dollar hat die Europäische Union in die wirtschaftliche Entwicklung Myanmars investiert. 

 

2013 subventionierte die Europäische Union mit 200 Millionen Dollar demokratische Reformen und die wirtschaftliche Entwicklung in Myanmar. Die Weltbank steuerte 440 Millionen Dollar bei, die Asian Development Bank 512 Millionen Dollar. Japan hat 395 Millionen Dollar in Aussicht gestellt, womit Myanmars Schulden von 1,76 Millionen Dollar getilgt wären.

2013 wurden in Myanmar 2,1 Milliarden an Direktinvestitionen getätigt – nach Auskunft des McKinsey Global Institutes mit einem Potenzial von 100 Milliarden bis 2030. Myanmar wird auch Mitglied der ASEAN Economic Community sein, ein Projekt, das dieses Jahr starten soll.

 

79 %

der myanmarischen Gastabreiter wollen früher oder später in die Heimat zurückkehren.

 

Die Rückkehr

Nach einer Umfrage der Internationalen Organisation für Migration von 2014 wollen 79 % der myanmarischen Gastarbeiter früher oder später wieder nach Myamnar zurückkehren – vor allem zu Familie und Freunden in ihrem Heimatdorf. Aber 82 % aller Gastarbeiter geben auch an, dass die jüngsten politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen sie beeinflusst hätten, und Myanmar nach ihrer Einschätzung in Zukunft mehr Sicherheit, bessere Infrastrukturen und mehr Jobchancen bieten werde. Die ethnischen Minderheiten sind da weniger optimistisch: Nach wie vor fühlen sie sich in ihrem Herkunftsland bedroht.

 

Die Flüchtlinge

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Flüchtlingscamps gibt es in Thailand. Sie wurden grösstenteils 1984 während der Flucht der  ethnischen Minderheiten Karen und Kareni errichtet.

 

Thailand nahm erstmals während der China-Krise von 1975 Flüchtlinge auf, als hunderttausende Menschen aus Kambodscha, Laos und Vietnam flohen. Heute gibt es im Land zehn Flüchtlingscamps (Tham Hin, Ban Don Yang, Nupo, Umpiem Mai, Mae La, Mae Ra Ma Luang, Mae La Oon, Ban Mae Surin, Ban Mai Nai Soi), die größtenteils 1984, während der Flucht der ethnischen Minderheiten Karen und Kareni, errichtet wurden. Sie wurden vertrieben, ihre Dörfer vom myanmarischen Militär niedergebrannt. Das zehnte Camp, Kuang Jor, wurde erst kürzlich im Norden des Landes für Flüchtlinge der Volksgruppe Shan eröffnet. Auch sie werden in Myanmar diskriminiert. 127.000 Menschen leben derzeit in diesen Camps an der Grenze zu Myanmar, 88.000 davon sind registriert, 8000 sind Asylbewerber. Über 100.000 wurden zwischen 2005 und 2015 schon in Drittländer umgesiedelt, drei Viertel von ihnen in die USA. Das Programm sollte Ende dieses Jahres auslaufen und die Camps aufgelöst werden. Die Regierung Thailands hat weder die Genfer Konvention von 1951, noch das Protokoll von 1967 unterzeichnet. Sie hat angekündigt, sie wolle den Rückführungsprozess der myanmarischen Flüchtlinge beschleunigen, da deren Sicherheit unter dem neuen Regime gewährleistet sei. Die Flüchtlinge sind beunruhigt, denn der Waffenstillstand mit den Minderheiten ist sehr zerbrechlich; immer wieder kommt es zu Zusammenstößen. Und viele wollen auch gar nicht zurück – in 30 Jahren Exil hat sich die emotionale Bindung an ihr Herkunftsland abgeschwächt oder ist – bei den Jüngsten – überhaupt nicht vorhanden.

 

Quellen : OIM, HRW, UNHCR, The Border Consortium, The Nation, Phuketwan, Bangkok Post, The Asian Correspondant.