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Die europäische Stahlindustrie

Länder: Deutschland

Tags: Industrie, Stahl

Wie steht es um die europäische Stahlwirtschaft? Unsere Korrespondenten sind der Frage nachgegangen.

Deutschland

 

Auch die Stahlwerke im Saarland leiden unter dem chinesischen Dumping. Im Vergleich zum weniger als 100 Kilometer entfernten Florange (Frankreich) halten sie jedoch dem Druck besser stand.

Die saarländische Hüttenindustrie ist auf Automobilstahl spezialisiert und beschäftigt noch knapp 15 000 Mitarbeiter. Mit einer Jahresproduktion von rund 40 Millionen Tonnen bleibt Deutschland Spitzenreiter in Europa.

2001 riefen Gewerkschaften, Industrie und Politik die Montan-Stiftung-Saar ins Leben. Die Stiftung verhinderte 2007 den Aufkauf der Dillinger Hütte durch Mittal, nachdem der Konzern bereits mit Arcelor fusioniert hatte. Die internationale Gruppe konnte die für die Unternehmenskontrolle nötigen Anteile in Höhe von 70 % nicht erhalten. Das Saarland reinvestiert nunmehr einen beträchtlichen Anteil der Gewinne aus der Stahlindustrie in Forschung und Ausbildung – und schüttet etwas weniger an die Aktionäre aus.

 

 

Vereinigtes Königreich

 

Ein Schock für die Stahlindustrie im Vereinigten Königreich: Ende März kündigte Tata Steel an, sein Geschäft in Großbritannien mit rund 15 000 Beschäftigten zum Verkauf zu stellen. Ein Stein des Anstoßes im Garten der Downing Street Nr. 10, denn dem Premierminister wird vorgeworfen, dem chinesischen Dumping tatenlos zuzusehen.

David Cameron sträubt sich gegen jegliche Zollerhöhung für Importprodukte und blockiert nebenbei die EU-Reformen zu handelspolitischen Schutzmaßnahmen. Für den Gewerkschaftsführer Roy Rickhuss ist Cameron ein „Cheerleader für China“. Bereits in den vergangenen 20 Jahren löste sich die britische Stahlindustrie weitgehend auf. Die Produktionskapazitäten sanken drastisch, von jährlich 18 auf 12 Millionen Tonnen. Von den über 40 000 Beschäftigten sind weniger als 18 000 übrig. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Seit Sommer 2015 wurden weitere 5 000 Stellen gestrichen.

 

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016