Die E-Tour der Woche 08

Länder: Dänemark, Spanien

Tags: Gewalt gegen Frauen, prostitution, Populismus

Jede Woche erzählen uns die Korrespondenten von VOX POP von einem Ereignis das die Schlagzeilen der Zeitungen ihres Landes geprägt hat. Diese Woche Richtung Dänemark und Spanien...

Ist Dänemark wirklich das Schlusslicht, wenn es um die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen geht?

 

In einer Studie der Europäischen Agentur für Grundrechte (FRA) zur Gewalt gegen Frauen innerhalb der EU wird Dänemark als das Land angeprangert, das in diesem Bereich die größten Defizite aufweist.

Laut Studie haben 55 % der über 15-jährigen Frauen in Dänemark schon einmal sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt. Während die Gewalt gegen Frauen in den meisten EU-Ländern abgenommen hat, gehört Dänemark mit Zypern, Griechenland, Luxemburg und Schweden zu den wenigen Ausnahmen, in denen eine gegenteilige Entwicklung beobachtet werden kann.

In der Studie werden verschiedene Formen körperlicher und sexueller Gewalt gegen Frauen unterschieden.

Dänemark ist laut Studie das Land in Europa, in dem es am häufigsten zu häuslicher Gewalt kommt. In 42 % der schwerwiegenderen Fälle führt die ausgeübte Gewalt zu Körperverletzungen, doch nur 10 % der Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt werden, bringen diese schwerwiegenderen Fälle zur Anzeige.

Auch bei der psychischen Gewalt liegt Dänemark in Europa an der Spitze: 60 % der Däninnen erklären, psychische Gewalt durch den eigenen Partner erlitten zu haben.

Diese Ergebnisse überraschen insofern, als Dänemark im Allgemeinen als feministisches Land gilt, das bei der Gleichberechtigung von Mann und Frau Pionierarbeit geleistet hat. Die Autoren der Studie weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es aufgrund der großen kulturellen Unterscheide äußerst schwierig ist, die nationalen Statistiken zur Gewalt gegen Frauen miteinander zu vergleichen. So lägen die Zahlen zur häuslichen Gewalt in Dänemark zwar außerordentlich hoch, doch es komme im Gegenzug „nur“ in 42 % der schwerwiegenderen Fälle zu Körperverletzungen.
Dass der Anteil häuslicher Gewalt beispielsweise in Polen deutlich niedriger liege, sei darauf zurückzuführen, dass polnische Frauen nur solche Fälle zur Anzeige brächten, in denen es auch zu Körperverletzungen kommt. Auch bei sexueller Belästigung nehmen Länder wie Schweden, Dänemark, Frankreich, die Niederlande und Finnland Spitzenpositionen ein.

Die Agentur will mit dieser Studie vor allem aufrütteln und den politischen Entscheidern verdeutlichen, wie sehr Gewalt gegen Frauen noch immer zum Alltag in Europa gehört, ohne die Situation in Ländern zu verharmlosen, in denen Frauen es nicht wagen, zur Polizei zu gehen.

 

 

  • Best of the Launch Conference "Violence against women across the EU: Abuse at home, work, in public and online", taking place on 5 March 2014, in Brussels.

 

 

SPANIEN – Fortbildung für Prostituierte sorgt für Zündstoff

 

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  • © Jordi Boixareu / CC BY-NC-ND 2.0

Legalisieren oder verbieten? Die Meinungen zur Prostitution in Europa sind geteilt. Jüngster Skandal: Eine Fortbildungsmaßnahme mit dem Titel „Prostitution für Anfängerinnen“, die von acht Prostituierten aus Barcelona angeboten wird, die sich in einem Verein zusammengeschlossen haben, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Für Conxa Borrell, die die Kurse organisiert, ist Prostitution ein anspruchsvoller Beruf, der eine entsprechende Ausbildung erfordert. Gegen eine Teilnahmegebühr von 45 Euro schult sie ein Dutzend Frauen zwischen 20 und 50 Jahren vier Stunden lang im ältesten Gewerbe der Welt. Auf dem Stundenplan stehen Infos zur Prostitution und ihren Risiken, eine Art Mini-Assessment-Center („Sind Sie bereit sich zu prostituieren?“) sowie Workshops zu Selbstvermarktung, Steuerfragen und anderen Themen. Im Vordergrund der Fortbildung stehen allerdings Fragen der sexuellen Gesundheit.
Borrell glaubt, dass die Wirtschaftskrise viele Frauen dazu treibt, als letzten Ausweg in die Prostitution zu gehen. An diese Frauen wendet sie sich vorrangig, um ihnen zu ermöglichen, ihre Entscheidung „mit Bedacht und Sicherheit“ zu treffen. Der Verweis auf die Wirtschaftskrise ist allerdings genau der Punkt, der die Frauenorganisationen auf die Barrikaden treibt. Lidia Falcon, Mitglied der spanischen feministischen Partei, empört sich, dass der Verein der Sexarbeiterinnen aus Barcelona den Eindruck erwecken will, dass man sich aus freien Stücken für die Prostitution entscheiden könne. „Sie behaupten, dass sie den Frauen mit diesen Fortbildungen helfen wollen, aber in Wirklichkeit tragen sie nur dazu bei, dass sich die Frauen leichter ausbeuten lassen“, erklärte Falcon gegenüber der britischen Tageszeitung The Guardian. Die Politikerin setzt sich für ein Verbot der Prostitution ein. In Spanien ist die Tätigkeit bislang nicht strafbar, wird vom Gesetzgeber aber auch nicht geregelt, sodass Prostituierte über keinerlei soziale Absicherung verfügen.

 

 

 

SPANIEN – Rat für die Zukunft Europas trifft sich in Madrid, um Populismus den Kampf anzusagen

 

Am 27. Februar fand in Madrid ein Treffen des Rats für die Zukunft Europas statt, das vom Berggruen Institute of Governance ausgerichtet wurde, einem Think Tank, der sich um Lösungen für die Herausforderungen der Globalisierung bemüht. Thema der diesjährigen Zusammenkunft war im Vorfeld der Europawahlen das Erstarken populistischer Parteien und wie dagegen vorgegangen werden kann.

Enrico Letta ergriff dort zum ersten Mal seit seinem Rücktritt als italienischer Premierminister öffentlich das Wort und erinnerte daran, dass populistische Parteien keine Alternative darstellen, sondern für politischen Stillstand sorgen würden.

Den Ratsvorsitz hatte ein weiterer italienischer Ex-Premierminister, Mario Monti, inne. Er beklagte die aktuelle Zurückhaltung in Sachen Europa und appellierte an Frankreich, „wieder das alte Frankreich“ zu werden und in Europa eine tonangebende Rolle zu spielen. Seiner Auffassung nach könnte auch Deutschland von einem Frankreich profitieren, das in Europa mehr Präsenz zeigt.

Bitte folgendes Video einfügen:

 

Der Rat verabschiedete drei Resolutionen:

•    Verbesserung der Kommunikation und der Effizienz der europäischen Institutionen als Maßnahme gegen populistische Ströme
•    Bekämpfen des Klischees „Südeuropa gegen Nordeuropa“. Es müsse stärker betont werden, dass die Länder Südeuropas die Wirtschaftskrise überwunden und das Vertrauen der Finanzmärkte wiederhergestellt haben.
•    Stärkere Einbindung des Vereinigten Königreichs in Europa: Dadurch soll einerseits die Beziehung zu London innerhalb der EU verbessert werden, und gleichzeitig sollen die Europäern das angelsächsische Wettbewerbsdenken besser verstehen.

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016