Die E-Tour der Woche 05

Länder: Zypern, Italien, Spanien

Tags: Beppe Grillo, Laura Boldrini, Nicos Anastasiades, Dervis Eroglu

Jede Woche erzählen uns die Korrespondenten von VOX POP von einem Ereignis das die Schlagzeilen der Zeitungen ihres Landes geprägt hat. Diese Woche Richtung Zypern, Spanien und Italien

ZYPERN – Ebnet die Wirtschaftskrise den Weg zur Wiedervereinigung?

Erstmals seit zwei Jahren trafen sich die Staatschefs des griechischen und des türkischen Teils der Insel, Nikos Anastasiades und Derviş Eroğlu, in einem verlassenen Flughafen in einer von der UNO verwalteten Zone der Stadt Nikosia.

Auf dem Programm stand die eventuelle Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten Insel in einem wirtschaftlich überaus schwierigen Kontext. Tatsächlich könnten die beiden Staaten durch eine solche Entscheidung bis zu 15 Milliarden Dollar sparen, insbesondere durch die Zusammenlegung ihrer Energiereserven.

Nach Ansicht von Fachleuten für Geopolitik ist die Tatsache, dass die Frage der Wiedervereinigung Zyperns erneut diskutiert wird, den Amerikanern zu verdanken, die von den Gasreserven der Insel profitieren wollen.

Der letzte Versuch, die Landesteile wieder zusammenzuführen, erfolgte vor zehn Jahren auf Anregung der Vereinten Nationen. Doch die Bevölkerung hatte den von Kofi Annan vorgeschlagenen Plan abgelehnt.

Diesmal sind die Zyprioten selbst Urheber des Projekts. Im Übrigen ist vorgesehen, dass die beiden Zonen auch nach der Wiedervereinigung eine gewisse Unabhängigkeit wahren. Beispielsweise müsste jegliche Verfassungsänderung in der jeweiligen Zone Gegenstand eines Referendums sein und von beiden Parteien gebilligt werden.

Das Treffen der Staatschefs ist ein erster Schritt in einem Prozess, der mehrere Jahre dauern könnte. Vielleicht deutet es auf eine Entwicklung der Mentalitäten hin und ist als gutes Zeichen zu werten, dass Ende 2013 die beiden Fußballteams der Insel vereint wurden. Es lebe die Diplomatie des runden Leders!

 

SPANIEN – Sind die Sicherheitskräfte schuld an der Tragödie von Ceuta?

In Spanien entbrannte eine heftige Polemik nach dem Tod von Migranten, die in der Nacht zum 6. Februar zur Präfektur der spanischen Exklave Ceuta vordringen wollten. Zum Entstehungszeitpunkt dieses Artikels sprach die Tageszeitung El País von 14 Toten. Die Unsicherheit über die Rolle der Guardia Civil in dieser Tragödie veranlasste den Innenminister zur Einleitung einer Untersuchung.

200 bis 400 afrikanische Flüchtlinge versuchten in jener Nacht, über den Strand von El Tarajal in Marokko auf spanisches Staatsgebiet zu gelangen. Die Behörden alarmierten angesichts dieses Ansturms die marokkanischen Sicherheitskräfte. Daraufhin sprangen etliche Migranten ins Wasser, um die spanische Exklave schwimmend zu erreichen.

Die Untersuchung soll klarstellen, was anschließend geschah. Der Beauftrage der spanischen Regierung in Ceuta, Francisco Antonio González, behauptete, die Migranten hätten sich „aggressiv“ verhalten und die Ordnungskräfte mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen.

Die Guardia Civil erklärte ihrerseits, sie habe lediglich Schutzausrüstung eingesetzt, um die Erstürmung des geschlossenen Grenzübergangs zu verhindern. Es seien keine Gummigeschosse auf Menschen abgefeuert worden.

Die Migranten erzählen eine andere Version: Sie behaupten, die Sicherheitskräfte hätten mit Gummiprojektilen in die Menge geschossen und dadurch die Panik ausgelöst, die zu der Tragödie führte. Einigen Flüchtlinge zufolge wurde auch auf die schwimmenden Menschen geschossen.

 

 

ITALIEN - Zwei Monate vor der Europawahl zeigt Beppe Grillo sich als Sexist  

Der Schauspieler und Politiker Beppe Grillo, Anführer der Partei „5-Sterne-Bewegung“ (MoVimento 5 Stelle), ist dafür berühmt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Zwei Monate vor der Europawahl tritt er erneut als Provokateur auf und attackiert diesmal die Präsidentin der italienischen Abgeordnetenkammer, Laura Boldrini, mit sexistischen Bemerkungen.

Die Affäre begann Ende Januar im Parlament. Laura Boldrini von der Partei „Sinistra Ecologia Libertà“ (Linke Ökologie Freiheit) hatte beschlossen, eine Debatte über öffentliche Ausgaben, bei der die Abgeordneten der 5-Sterne-Bewegung Filibusterei betrieben, durch eine Abstimmung zu beenden.

Die Anordnung hatte im Parlament einen wahren Tumult ausgelöst, und einer der Abgeordneten hatte Boldrini sogar tätlich angegriffen.

Die Angriffe wurden im Internet fortgesetzt: Beppe Grillo veröffentlichte auf seinem Blog, einem der meistgelesenen weltweit, einen Post zu Laura Boldrini. Auf der Seite, die den Politiker berühmt machte und nach wie vor seine wichtigste Kommunikationsplattform darstellt, postete Grillo ein Video mit dem Titel: „Was würdest du machen, wenn du mit Laura Boldrini im Auto unterwegs wärst?“ Sofort hagelte es sexistische Antworten:

Ich würde sie in ein Romalager bringen und vom Anführer flachlegen lassen.“

„Und wenn sie einen Orgasmus hat?“

„Dann lege ich sie auch flach.

Laura Boldrini schlug zurück und bezeichnete in einer Fernsehdebatte die Urheber dieser Beleidigungen als „potenzielle Vergewaltiger“.

Auf Twitter antwortete der Kommunikationsbeauftragte der „5-Sterne-Bewegung“: „Liebe Laura, ich kann dich beruhigen: Selbst wenn wir alle Vergewaltiger wären, wärst du vor uns sicher.“

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016